Mann mit Geschlechtskrankheit (STI) beim Arzt im Aufklärungsgespräch
  1. Chlamydien
  2. Humanes Papillomvirus (HPV)
  3. Genitalherpes
  4. HIV & AIDS
  5. Übertragung von Geschlechtskrankheiten
  6. Geschlechtskrankheiten: Was Sie noch wissen sollten
Mann mit Geschlechtskrankheit (STI) beim Arzt im Aufklärungsgespräch

Geschlechtskrankheiten werden in den meisten Fällen durch sexuelle Kontakte übertragen. Weitere mögliche Übertragungswege sind die vertikale Infektion – also Übertragung bei Geburt – und verunreinigte Injektionsnadeln oder Bluttransfusionen. Letztere werden in Deutschland seit Mitte der 80er Jahre auf viele ansteckende Krankheiten hin untersucht, so dass eine Infektion nahezu ausgeschlossen werden kann.

Hinsichtlich der Anzahl von Neuansteckung mit sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) werden in Deutschland lediglich HIV/AIDS, Hepatitis B und Syphilis durch das Robert Koch-Institut (RKI) erfasst. Zahlen für Chlamydien, Gonorrhö oder Genitalwarzen können lediglich geschätzt werden. Die wenigen existierenden Zahlen weisen auf einen erheblichen Anstieg von STIs in Deutschland hin, jedenfalls bis Beginn der Corona-Pandemie.

Aufklärung ist die beste Prävention gegen Geschlechtskrankheiten, deshalb wollen wir hier den Wahrheitsgehalt einiger häufiger Mythen rund um STIs prüfen. Fernarzt klärt auf.

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Chlamydien

Die Chlamydieninfektion (auch Chlamydiose genannt) ist die häufigste sexuell übertragbare Erkrankung. Sie wird auch als "stille Krankheit" bezeichnet, da sich Chlamydiensymptome oft nur schwer zuordnen lassen oder gar ganz fehlen. Dabei können Auftreten und Symptome von Chlamydien beim Mann anders sein als Chlamydien bei Frauen.

Gibt es eine Chlamydienansteckung ohne Verkehr? Sind Chlamydien in der Schwangerschaft gefährlich? Fernarzt klärt auf.

In Deutschland sind schätzungsweise etwa 100.000 Frauen ungewollt kinderlos durch die Folgen einer unbehandelten Chlamydieninfektion.

FALSCH ✘ Nur weil bei vielen Personen keine Symptome auftreten, heißt das nicht, dass eine Ansteckung ungefährlich ist. Wenn eine Chlamydieninfektion nicht bemerkt wird, ist es sogar noch gefährlicher, denn im schlimmsten Fall kann dieses zu Unfruchtbarkeit führen. Zudem steigt auch das Risiko, eine Infektion zu übertragen, wenn diese unentdeckt bleibt.

FALSCH ✘ Eine genitale Chlamydieninfektion während der Schwangerschaft ist nicht zu unterschätzen, denn sie erhöht das Komplikationsrisiko für Mutter und Kind. Es gibt Hinweise auf ein höheres Risiko für Frühgeburten, schwere Infektionen des Ungeborenen und weitere Schwangerschaftskomplikationen.

FALSCH ✘ Chlamydien werden nicht, wie früher angenommen, durch Tröpfcheninfektion übertragen. Demnach ist eine Ansteckung ohne sexuellen Kontakt, z. B. im Schwimmbad, nicht möglich. Auch Küssen, Umarmen oder eine gemeinsam genutzte Toilette führen nicht zu einer Übertragung der Chlamydien. Anders ist es beim Geschlechtsverkehr: Hier können die Erreger übertragen werden, sowohl vaginal als auch anal und oral.

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Humanes Papillomvirus (HPV)

Humane Papillomviren (HPV) können verschiedene Krebsarten auslösen. Das HP-Virus infiziert Haut- und Schleimhautzellen, wo es zu Veränderungen der Zellen führen kann. In der Regel verläuft eine Infektion unauffällig, wichtig ist jedoch eine regelmäßige ärztliche Kontrolle. Eine HPV-Impfung kann Ansteckungen vorbeugen, ein HPV-Test dient dem Nachweis der Erreger. Bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung wird u. a. auf Zellveränderungen des Gebärmutterhalses geachtet. Dabei können Krebsvorstufen erkannt und somit eine frühzeitige und erfolgsversprechende Behandlung eingeleitet werden.

Umgangssprachlich wird oft vom HPV-Virus gesprochen. Das ist nicht richtig, da in HPV (humanes Papillomvirus) das Wort “Virus” bereits enthalten ist. Korrekt heißt es HPV oder HP-Virus.

FALSCH ✘ Diese Befürchtung stimmt nicht. Der verabreichte Impfstoff enthält tote Stoffe, die den Hüllen der Tumorviren ähneln. So sieht unser Immunsystem diese als “fremd” an und beginnt, eine natürliche Abwehr für den Ernstfall zu entwickeln.

Die STIKO empfiehlt eine HPV-Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Je nach Quelle gibt es auch Empfehlungen für Männer und Frauen bis einschließlich 26 Jahren und darüber hinaus sogar für Erwachsene, die bereits mit HPV infiziert waren. Individuelle Fragen zu HPV-Impfungen bei Erwachsenen und ggf. entstehenden Kosten sollten mit den behandelnden ÄrztInnen geklärt werden.

FALSCH ✘ Die meisten Menschen mit HPV wissen nicht, dass sie infiziert sind und entwickeln nie Symptome oder anderweitige Gesundheitsprobleme. In 90 Prozent der Fälle bekämpft das Immunsystem die Infektion innerhalb von zwei Jahren. Allerdings ist es wichtig, dass man sich regelmäßig auf Veränderungen hin untersuchen lässt. Das gilt insbesondere für Frauen, da Gebärmutterhalskrebs in den Frühstadien gut behandelbar ist.

FALSCH ✘ HPV ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen verbreitet. Etwa 80 Prozent der Menschen werden irgendwann in ihrem Leben eine HPV-Infektion bekommen. In den meisten Fällen verschwindet das Virus von selbst. Wenn es bleibt, kann es jedoch zu Genitalwarzen und verschiedenen Krebsarten führen. HPV bei Frauen kann u. a. zu Gebärmutterhalskrebs führen, HPV bei Männern kann z. B. Karzinome im männlichen Intimbereich auslösen.

Genitalherpes

Genitalherpes, medizinisch Herpes genitalis genannt, wird durch eine Infektion mit dem Typ 2 Herpes-Simplex-Virus (HSV) ausgelöst. Das Virus wird in den meisten Fällen beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Es gibt auch Möglichkeiten, Genitalherpes ohne sexuellen Kontakt zu übertragen, etwa von Mutter auf Kind während der Schwangerschaft oder bei der Geburt.

Die ersten Symptome für Genitalherpes beim Mann sind meist Bläschen am Penis, Genitalherpes bei Frauen äußert sich anfangs durch Herpesbläschen an den außenliegenden Bereichen der Scheide. Schmerzen, Jucken und Brennen im Genitalbereich sind weitere häufige Symptome von Genitalherpes.

Schätzungen zufolge tragen 10 bis 30 Prozent der Weltbevölkerung das Herpes-Simplex-Virus (HSV) Typ 2 in sich; dieses kann Genitalherpes auslösen.

TEILWEISE | Bei Herpes am Mund und im Genitalbereich handelt es sich um zwei verschiedene Arten des Herpes-Simplex-Virus: Typ 1 und Typ 2. Eine Infektion mit Simplex-Viren des Typ 1 an der Lippe führt somit nicht zwingend zu Bläschen im Genitalbereich, allerdings kann man sich beispielsweise beim Oralverkehr mit dem Typ 1 Virus auch im Genitalbereich anstecken und andersherum.

RICHTIG ✔ Es stimmt, dass Genitalherpes während der Schwangerschaft und der Geburt übertragen werden kann. Besonders gefährlich ist eine Erstinfektion mit Genitalherpes in der Schwangerschaft. Die Hälfte der betroffenen Frauen erleidet aufgrund der Erkrankung eine Fehlgeburt. Deshalb ist besonders für Schwangere eine Therapie wichtig.

RICHTIG ✔ Die Bläschen sind nur bei einem aktiven Ausbruch ansteckend, jedoch trägt man das Herpes-Simplex-Virus immer in sich. Das Virus geht durch die Haut, infiziert Nerven und setzt sich an Nervenknotenpunkten in der Nähe des Mundes oder im Genitalbereich ab. In der Ruhephase kann das Virus durch ein geschwächtes Immunsystem, eine Operation, extremen Stress oder eine HIV-Infektion reaktiviert werden, wodurch es erneut zu einem akuten Ausbruch kommt.

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HIV & AIDS

HIV steht für Humanes Immundefizienz-Virus. Es schadet dem Immunsystem, indem es eine Unterart der weißen Blutkörperchen zerstört, welche normalerweise Infektionen bekämpfen. Dies birgt das Risiko für schwere Infektionen und bestimmte Krebsarten.

Heutzutage gibt es sehr gute HIV-Therapien, jedoch ist AIDS, also das Vollbild der Erkrankung, nicht heilbar und einem Todesurteil gleichzusetzen. HIV-Symptome sind – v. a. zu Beginn der Infektion – kaum vorhanden oder sehr unspezifisch. Deshalb sollte bei Verdacht auf eine Ansteckung schnellstmöglich ein HIV-Test gemacht werden.

Weltweit haben sich im Jahr 2020 rund 1,5 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. In ebendiesem Jahr sind 680.000 Menschen weltweit durch AIDS (bzw. durch mit AIDS assoziierte Erkrankungen) verstorben.

FALSCH ✘ HIV (Humanes Immundefizienz Virus) ist das Virus, das von Mensch zu Mensch übertragen wird und welches AIDS (Akquiriertes Immundefizienz Syndrom) verursachen kann. Über mehrere Jahre hinweg zerstört das HI-Virus wichtige Zellen des Immunsystems. So können sich Infektionen ausbreiten, gegen die wir normalerweise geschützt sind. Dann spricht man von AIDS, dem erworbenen Immunschwächesyndrom. AIDS ist tödlich.

FALSCH ✘ Zwar ist ungeschützter Sex die häufigste Ursache für HIV-Ansteckungen, allerdings kann das Virus auch auf anderen Wegen übertragen werden. Entscheidend dabei ist der intensive Austausch von infektiösen Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma, Vaginalsekret, Flüssigkeitsfilm auf der Analschleimhaut, Muttermilch). Eine Ansteckung mit HIV kann nicht bei alltäglichen zwischenmenschlichen Kontakten wie Händeschütteln oder Umarmen geschehen.

TEILWEISE | Generell kann sich jede Altersgruppe mit HIV infizieren, jedoch ist das Risiko einer Infektion besonders bei jungen Menschen hoch. Ein Drittel der HIV-Neuinfektionen sind Personen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Der wichtigste vermeidbare Grund dafür ist mangelnde Aufklärung und damit einhergehend ungeschützter Geschlechtsverkehr mit infizierten Personen.

An einer HIV-Impfung wird seit Jahrzehnten geforscht – bisher leider ohne nennenswerte Erfolge. Aktuell werden mRNA-Impfstoffe gegen HIV getestet, jedoch stellen die Komplexität und hohe Mutationsrate des HI-Virus die Forscher vor sehr große Herausforderungen.

Übertragung von Geschlechtskrankheiten

In der Behandlung und Prävention von Geschlechtskrankheiten hat sich in den letzten Jahren, besonders was HIV anbelangt, viel getan. Unterschätzen darf man das Infektionsrisiko allerdings trotzdem nicht. Dabei ist es wichtig zu wissen, auf welchen Wegen Geschlechtskrankheiten übertragen werden und was man tun kann, um eine Infektion zu vermeiden.

Nur 1 von 10 Deutschen kennt die Geschlechtskrankheiten Chlamydien, Genitalherpes und Hepatitis B.

FALSCH ✘ Geschlechtskrankheiten können nicht durch die Benutzung einer verunreinigten Toilette übertragen werden, da erstens i. d. R. kein Kontakt zwischen Intimbereich und Klobrille erfolgt und zweitens die übertrage Menge der Erreger nicht ausreicht. Weiterhin überleben Erreger außerhalb des Körpers nur kurze Zeit, was das extrem geringe Übertragungsrisiko zusätzlich verringert.

Ein reelles Risiko geht allerdings von mangelnder Hygiene der Hände aus. Durch Anfassen können Keime z. B. von Türklinken über die Hände ins Essen oder direkt an Mund und Nase gelangen. Daher ist es wichtig, sich gründlich die Hände zu waschen und anschließend keine potentiell kontaminierten Oberflächen zu berühren.

FALSCH ✘ Auch beim Oralverkehr können Geschlechtskrankheiten übertragen werden, jedoch ist das Risiko dafür weitaus geringer als bei vaginalem oder analem Verkehr. Die Infektionen, die am häufigsten über Oralverkehr übertragen werden, sind Herpes simplex, Gonorrhö, Syphilis und HPV. Auch beim Oralverkehr bietet ein (Frauen-)Kondom den besten Schutz gegen sexuell übertragbare Infektionen.

Viele STIs können auch während der Schwangerschaft, bei Geburt oder beim Stillen von Mutter auf Kind übertragen werden.

FALSCH ✘ Die Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit hängt nicht allein von der Anzahl der Sexualpartner ab. Sie können durch ungeschützten Vaginal-, Anal- oder Oralsex, durch Genitalkontakt und das Teilen von Sexspielzeug weitergegeben werden – und das kann schon nach einem einzigen Mal passieren.

Allerdings erhöht ein ausschweifendes Sexleben mit häufigem ungeschütztem Verkehr und PartnerInnen, deren Gesundheitsstatus nicht ausreichend bekannt ist, die Gesamtwahrscheinlichkeit für Ansteckungen mit Geschlechtskrankheiten.

Geschlechtskrankheiten: Was Sie noch wissen sollten

Sexuell übertragbare Infektionen sind besonders heimtückisch, wenn sie vorerst asymptomatisch verlaufen, so kann es zur weiteren Übertragung der Erreger kommen. Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einer Person, deren Gesundheitsstatus nicht hinreichend bekannt ist, sollte daher auf mögliche Ansteckungen hin getestet werden.

“Je früher Geschlechtskrankheiten diagnostiziert werden, desto besser sind sie behandelbar. Also ist auch bei einem leichten Verdacht die ärztliche Konsultation angebracht.”

Dr. Laura Götz
Dr. Laura Götz
- Gynäkologin aus Köln

FALSCH ✘ Die Neuinfektionen mit Syphilis in Deutschland haben sich von 2001 zu 2019 nahezu vervierfacht. Von 2019 zu 2020 ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen, der wahrscheinlich den Kontaktbeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie zuzuordnen ist.

Syphilis-Symptome unterscheiden sich je nach Stadium der Erkrankung. Frühe Anzeichen bei Syphilis sind Knoten und Geschwüre an der Eintrittsstelle des Erregers, also im Genital- oder Analbereich oder auch im Mund-Rachen-Raum.

FALSCH ✘ Das stimmt nicht, denn laut der World Health Organization (WHO) infizieren sich weltweit pro Tag mehr als eine Million Menschen und jede vierte Person hat bereits eine Geschlechtskrankheit.

In der westlichen Welt stehen immer bessere Präventions- und Therapiemöglichkeiten für HIV zur Verfügung, was vermutlich zu mehr ungeschütztem Geschlechtsverkehr führt. Dies hat wiederum zur Folge, dass sich andere STIs in Deutschland erneut ausbreiten. Genaue Zahlen gibt es zu den meisten Geschlechtskrankheiten nicht, da lediglich HIV/AIDS, Hepatitis B und Syphilis deutschlandweit meldepflichtig sind.

FALSCH ✘ Lange wurde angenommen, dass ältere Menschen keine Geschlechtskrankheiten bekommen können. Das Gegenteil ist der Fall, denn besonders Tripper (Gonorrhö) und Chlamydien sind bei 45- bis 64-Jährigen weit verbreitet. Das Alter kann sogar förderlich für die Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten sein. Einerseits sind Frauen nach den Wechseljahren durch die Hormonumstellung anfälliger und andererseits steigt bei Männern das Risiko, wenn sie Medikamente gegen Erektionsstörungen einnehmen.

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Quellen

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