Depressionen
  1. Was ist eine Depression?
  2. Wie häufig sind Depressionen?
  3. Symptome einer Depression
  4. Ursachen von Depressionen
  5. Einteilung von Depressionen
  6. Wie werden Depressionen therapiert?
Depressionen

ICD-Code für Depressionen: F32 - Depressive Episode & F33 - Rezidivierende depressive Störung


Das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, liegt bei 16 bis 20 Prozent. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Bei einer Depression handelt es sich um eine Erkrankung, bei der das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen beeinflusst ist. Die Krankheit geht meist mit Störungen von Körperfunktionen einher und kann erhebliches Leiden verursachen.

Auf einen Blick
  • Eine Depression ist eine häufige psychische Erkrankung
  • Die Erkrankung kann durch psychologische, soziale und biologische Faktoren verursacht werden
  • Depressionen können durch psychotherapeutische und medikamentöse Behandlungen therapiert werden

Was ist eine Depression?

Jeder Mensch kennt die Phasen im Leben, in denen er unglücklich und “deprimiert” ist. Die umgangssprachliche Nutzung dieses Begriffes kann jedoch irreführend sein. Zwar wird der Begriff im Alltag öfter gebraucht, um Schwankungen des Befindens zu beschreiben, jedoch ist eine Depression im medizinischen Sinne etwas anderes als diese kurzzeitigen Phasen von Traurigkeit.

Die Depression ist eine psychische Erkrankung, bei der die Betroffenen sehr niedergeschlagen sind, ihre Interessen verlieren und erschöpft und antriebslos sind. Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können sich selten allein von ihrer gedrückten Stimmung, Antriebslosigkeit und ihren negativen Gedanken befreien. Alltägliche Aufgaben können nicht oder nur schwer erledigt werden. Bei einer Depression ist der Leidensdruck der Betroffenen hoch, denn das Wohlbefinden und Selbstwertgefühl sind maßgeblich beeinträchtigt.

Wie häufig sind Depressionen?

Depressionen zählen zu den häufigsten und in Bezug auf ihre Bedeutung am meisten unterschätzten Erkrankungen. Das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken (sogenannte Lebenszeitprävalenz), liegt bei 16 bis 20 Prozent. Dabei sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer. Depressionen treten in jedem Lebensalter auf.

Symptome einer Depression

Die meisten Betroffenen können die Symptome bei einer Depression nicht zuordnen und vermuten nicht, dass es sich um eine psychische Störung handelt. Depressionen sind kein homogenes Krankheitsbild und können sich durch verschiedenste Beschwerden äußern. Aus diesem Grund suchen viele Erkrankte mit den uncharakteristischen Symptomen wie Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen ärztlichen Rat.

Die drei Hauptsymptome einer Depression sind:

  • Depressive, gedrückte Stimmung
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel mit erhöhter Ermüdbarkeit und Aktivitätseinschränkungen

Zusatzsymptome bei Depressionen sind:

  • Störungen der Konzentration, der Aufmerksamkeit und des Denkvermögens
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  • Negative und pessimistische Zukunftsvorstellungen
  • Selbsttötungsgedanken oder -handlungen
  • Schlafstörungen
  • Verminderter Appetit

Bei einer Depression leiden die Betroffenen an mindestens zwei Hauptsymptomen für mindestens zwei Wochen.

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Die Hemmung des Antriebs kann sich auch im äußerlichen Erscheinungsbild mit einer Verlangsamung der Reaktionen, Bewegungen und Sprache bemerkbar machen. Die Mimik und Gestik kann bei den Betroffenen starr wirken. Im Extremfall können Betroffene nur unter großer Mühe reden oder sich bewegen. Auch das Denken und die Auffassungsgabe sind gehemmt. Die Kreativität sowie die Konzentrations- und Merkfähigkeit können schwinden. In extremen Fällen wird anhand dieses starken Verlustes des Erinnerungsvermögens fälschlicherweise eine Demenz diagnostiziert.

Bei 70 bis 80 Prozent der Betroffenen tritt die Depression in Verbindung mit Angstgefühlen, zum Teil bis hin zu einer behandlungsbedürftigen Angststörung auf.

Im Rahmen einer Depression kann es auch zu psychotischen Anzeichen wie Wahnideen kommen. Diese Wahnideen können in Form einer bevorstehend geglaubten Katastrophe oder Verarmung auftreten. Auch die Überzeugung, unheilbar krank (hypochondrischer Wahn) oder innerlich tot (nihilistischer Wahn) zu sein, fallen darunter. Dann spricht man von einer Depression mit psychotischen Symptomen.

Als körperliche Beschwerden können im Rahmen einer Depression z. B. Schmerzen, Druckgefühle auf der Brust oder Atembeschwerden auftreten – in manchen Fällen können diese sogar im Vordergrund stehen.

Bei leichten bis mittelgradigen depressiven Episoden kann zusätzlich zu den Haupt- und Zusatzsymptomen ein sogenanntes somatisches Syndrom vorliegen.

Typische Merkmale eines somatischen Syndroms bei Depressionen sind:

  • Interessenverlust
  • Keine Freuden an üblicherweise erfreulichen Aktivitäten
  • Mangelnde Fähigkeit, auf freundliche Umgebung oder freudige Ereignisse emotional zu reagieren
  • Frühmorgendliches Erwachen (zwei oder mehr Stunden vor gewohnter Zeit)
  • Morgentief
  • Psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit
  • Deutlicher Appetitverlust
  • Gewichtsverlust (5 Prozent des Körpergewichts innerhalb eines Monats)
  • Deutlicher Libidoverlust

Ursachen von Depressionen

Wenn Patienten unter Depressionen leiden, hat das meist mehr als eine Ursache. Depressionen stellen kein einheitliches Krankheitsbild dar. Es gibt verschiedene Hypothesen, die die Entstehung einer Depression zu erklären versuchen. Meistens treten körperliche und genetische Einflüsse mit psychischen und psychosozialen Faktoren in Wechselwirkung und beeinflussen sich gegenseitig. Dies bezeichnet man als multifaktorielle Genese. Je nach Person kommt den Faktoren eine unterschiedliche Gewichtung zu.

Zusammenspiel Ursachen Depressionen. Venn-Diagramm: psychologische Faktoren, biologische Faktoren, soziale Faktoren.

Biologische Faktoren

Untersuchungen konnten belegen, dass genetische Faktoren bei der Depression von Bedeutung sind. Depressive Erkrankungen treten familiär gehäuft auf. Bei Angehörigen ersten Grades einer an Depression erkrankten Person besteht ein 50 Prozent höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken, als bei der Allgemeinbevölkerung. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine erbliche Veranlagung noch lange nicht bedeutet, dass eine Person zwangsläufig an einer Depression erkrankt. Erst im Zusammenspiel mit Auslösefaktoren (z. B. hormonelle Umstellung im Wochenbett, Beziehungskrise, Überforderung, usw.) kommt es bei genetisch vulnerablen Personen zu einer Depression. Dies wird auch als Vulnerabilitäts-Stress-Modell bezeichnet.

Eine körperliche Ursache einer Depression kann sein, dass die Konzentration der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin, die sogenannten Monoamine, vermindert ist. Sie dienen der Kommunikation zwischen den Nervenzellen und sind an der Regulation einer Vielzahl von Gehirnfunktionen beteiligt, z. B. Aufmerksamkeit, Stimmung, Schlaf und Appetit. Die Monoamin-Hypothese besagt also, dass ein Mangel an Monoaminen die Basis für eine Depression ist. Dieser Ansatz spiegelt sich in der medikamentösen Behandlung von Depressionen wider. Viele Antidepressiva wirken, indem sie die Spiegel der Monoamine erhöhen.

Es kann sein, dass eine Störung der Schilddrüsenfunktion, vor allem eine Unterfunktion, sowie Störungen des Calcium-, Vitamin-B12- und Folsäurehaushaltes eine Depression bedingen können.

Ebenso kommt eine Anämie (Blutarmut) als zugrunde liegende Ursache infrage. Diese gilt es auszuschließen.

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Psychologische und soziale Faktoren

Depressionen werden häufig durch psychosoziale Belastungen ausgelöst. Zu den chronischen Belastungen zählen beispielsweise:

  • eine dauerhafte Überforderung am Arbeitsplatz

  • eine konfliktreiche Partnerschaft

  • sehr belastende Lebensereignisse wie der Verlust des Partners

  • ein schweres Trauma

All diese persönlichen Umstände können die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken erhöhen.

Ein lerntheoretischer Ansatz zur Entstehung von Depressionen ist die erlernte Hilflosigkeit. Individuen übertragen dabei die gefühlte Hilflosigkeit einer subjektiv oder objektiv ausweglosen Situation auf ihr allgemeines Verhalten. Dadurch fällt es ihnen schwer, auch objektiv kontrollierbare Ereignisse zu bewältigen. Dieses Konzept geht damit einher, dass Individuen Ursachen für Probleme nur bei sich selbst sehen (internale Kausalattribution) und Probleme als allgegenwärtig (Generalität) und dauerhaft (Stetigkeit) statt auf ein Ereignis beschränkt betrachten.

Allerdings muss es nicht immer einen eindeutigen Auslöser für eine Depression geben – die Erkrankung kann auch ohne jede ersichtliche Belastung ausbrechen.

Weitere mögliche Risikofaktoren

Auch folgende Faktoren können die Entstehung einer Depression begünstigen:

  • Weibliches Geschlecht

  • Leben in einer Großstadt

  • Wenige gesellschaftliche Kontakte

  • Mangel an sozialer Unterstützung

  • Niedriger Bildungsgrad

  • Arbeitslosigkeit

  • Alkoholabhängigkeit bzw. -missbrauch

  • Suizidversuche in der eigenen oder familiären Vorgeschichte

Einteilung von Depressionen

Eine Depression kann in leichte bis schwere Schweregrade eingeteilt werden. Bei allen Schweregraden müssen die Beschwerden mindestens zwei Wochen anhalten, um eine Diagnose stellen zu können.

Medizinisch gesehen handelt es sich um eine leichte depressive Episode, wenn mindestens zwei Hauptsymptome wie z. B. depressive Stimmung und Antriebsmangel und zwei Zusatzsymptome wie z. B. Schuldgefühle und Schlafstörungen auftreten.

Bei einer mittelgradig depressiven Phase liegen zwei Hauptsymptome und mindestens drei, höchstens aber vier weitere Symptome vor.

Schwere depressive Episoden werden diagnostiziert, wenn alle drei Hauptsymptome und mindestens vier zusätzliche Symptome vorhanden sind.

Depressionen können noch in weitere Subtypen eingeteilt werden:

  • Chronische depressive Störungen (Dysthymie)
  • Rezidivierende depressive Störungen
  • Depression mit psychotischen Symptomen
  • Depression mit somatischem Syndrom
  • Saisonal abhängige Depression (SAD, Winterdepression)
  • Schwangerschaftsdepression (peripartale Depression) und Wochenbettdepression (postpartale Depression, innerhalb vier Wochen nach Geburt)

Depressive Episoden können auch im Rahmen einer bipolaren Erkrankung auftreten, die durch manische und depressive Stimmungsschwankungen gekennzeichnet sind. Ansonsten werden Depressionen als unipolar bezeichnet.

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Wie werden Depressionen therapiert?

Die Therapie einer Depression lässt sich in zwei Grundsäulen einteilen:

  1. Die medikamentöse Behandlung und

  2. die psychotherapeutische Behandlung,

welche auch kombiniert werden können.

Die allgemeinen Ziele einer Therapie sind:

  • Verbesserung der Symptomatik und letztlich vollständige Remission (Rückgang der Symptome)

  • Vermeidung von Suiziden (Selbsttötungen)

  • Wiederherstellen der beruflichen und psychosozialen Leistungsfähigkeit

  • Erreichen von seelischem Gleichgewicht

  • Reduzieren direkter Rückfälle und späterer Wiedererkrankung

Bei einer leichten depressiven Episode kann auch zunächst aktiv abgewartet werden, wenn anzunehmen ist, dass die Symptomatik ohne Behandlung abklingt.

Pharmakotherapie bei Depression

  • Für die medikamentöse Behandlung einer Depression (Pharmakotherapie) kommen Antidepressiva zum Einsatz. Diese sind speziell zur Behandlung der Erkrankung Depression zugelassen.

  • Antidepressive sind eine wichtige Säule der Behandlung und sind aufgrund der Häufigkeit von Depressionen eine der am häufigsten angewendeten Medikamentengruppen.

  • Antidepressiva werden bei mittelgradigen und schweren depressiven Episoden verwendet.

Was sind Antidepressiva?

Unter der Bezeichnung „Antidepressiva“ wird eine Gruppe von Medikamenten zusammengefasst, die bei depressiven Erkrankungen die Stimmung aufhellen und den Antrieb beeinflussen. Zugleich können sie auch die typischen körperlichen Symptome mildern (z. B. Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden), die mit einer Depression einhergehen.

Psychotherapeutische Behandlung

In einer Psychotherapie findet die Behandlung durch Einsetzen überwiegend psychologischer Mittel statt. Die Psychotherapie basiert auf der Entwicklung und Aufrechterhaltung einer tragfähigen therapeutischen Beziehung. Das konkrete Therapieziel wird von den Patienten und Behandlern gemeinsam festgelegt.

Psychotherapeutische Verfahren gehen heutzutage gezielt auf die Erfordernisse des jeweiligen Krankheitsbildes ein, d. h. viele Psychotherapieformen sind nicht allgemeingültig, sondern störungsspezifisch auf die Erkrankung zugeschnitten.

Das Ziel einer Psychotherapie ist es, durch kommunikative und/oder übenden Techniken, dem Patienten Strategien zur Bewältigung von inneren und/oder zwischenmenschlichen Konflikten aufzuzeigen. Damit werden den Betroffenen Handlungskompetenzen vermittelt und das Selbstbewusstsein aufgebaut.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist es, mit den Betroffenen zu erarbeiten, dass es sich bei Depressionen um eine Krankheit handelt und diese nicht im eigenen Verschulden liegt.

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Quellen

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