Frau auf der Toilette mit Erbrechen
  1. Erbrechen – Ursachen
  2. Behandlung von Erbrechen
  3. Häufige Fragen zu Erbrechen
Frau auf der Toilette mit Erbrechen

Im sogenannten Brechzentrum des Gehirns laufen Nervenfasern aus Magen-Darm-Trakt, Herz, Gleichgewichtsorgan und zentralem Nervensystem zusammen. Sie senden Signale, welche das Gehirn zu Brechreiz umwandelt.

Erbrechen bezeichnet die reflexartige Magenentleerung, die vom Brechzentrum im Gehirn gesteuert wird. Erbrechen tritt als Symptom verschiedener Erkrankungen auf. Anhand bestimmter Symptomkonstellationen und der Art des Erbrechens können Rückschlüsse auf die Ursache gezogen werden.

  • Erbrechen bei Kindern ist häufiger als bei Erwachsenen. Die Schwelle zum Erbrechen liegt bei ihnen niedriger.
  • Auch Erkrankungen außerhalb des Magen-Darm-Traktes können Erbrechen hervorrufen.
  • Der Botenstoff Serotonin ist ein starker Auslöser für Brechreiz.

Erbrechen – Ursachen

Erbrechen kann verschiedenste Ursachen haben. Durch Erbrechen versucht der Körper, den Inhalt des Magens herauszubringen. Das Signal für die Magenentleerung stammt aus dem Brechzentrum im Gehirn. Dort laufen viele Nerven zusammen, die Informationen aus dem ganzen Körper liefern. Darunter sind Informationen über die Füllung des Magens, über den Gleichgewichtssinn im Innenohr, den Säurehaushalt des Blutes sowie mögliche Giftstoffe im Verdauungstrakt oder im Blut. Ein starker Stimulator des Brechzentrums ist der körpereigene Botenstoff Serotonin. Dieser befindet sich hauptsächlich im Darm und im Gehirn. Im Darm wird es durch Darmentzündungen, Infektionen oder Medikamente freigesetzt und kann so zu Erbrechen führen.

Ursachen für Erbrechen im Verdauungstrakt

Die häufigsten Gründe für Erbrechen sind Magen-Darm-Grippe und Lebensmittelvergiftungen. Beides geht meist mit kurzen Episoden von Übelkeit und Erbrechen einher, die spätestens nach zwei bis drei Tagen von selbst vorbeigehen. Magen-Darm-Grippe ohne Erbrechen ist bei leichten Verläufen möglich. Das gemeinsame Auftreten von Durchfall und Erbrechen sowie Magenschmerzen ist ebenfalls typisch für diese Erkrankungen. Magen-Darm-Grippen werden häufig durch Viren wie Norovirus oder Rotavirus verursacht.

Insbesondere bei Lebensmittelvergiftungen kommt es in schweren Fällen zu Erbrechen trotz leerem Magen. Die Giftstoffe im Blut signalisieren dem Brechzentrum, dass der Auslöser der Vergiftung ausgeschieden werden muss. In diesen Fällen kommt es dazu, dass Betroffene Magensäure erbrechen. Ist der Magen bereits vollständig geleert, kann es in Folge dazu kommen, dass PatientInnen Galle erbrechen. Galle ist eine grünlich bittere Flüssigkeit aus der Leber, die der Fettverdauung im Dünndarm dient.

Auch Lebensmittelunverträglichkeiten oder -allergien können zu Erbrechen führen. Beispiele sind Laktoseintoleranz, Histaminunverträglichkeit oder Glutenunverträglichkeit (Zöliakie).

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Haben sie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?

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Erbrechen nach dem Essen

Erbrechen nach dem Essen kann bei Lebensmittelvergiftungen oder Magen-Darm-Grippe auftreten. Häufiger Auslöser für Erbrechen nach dem Essen ist eine Überfüllung des Magens. Durch Zufuhr von zu viel Essen oder Getränken steigt der Druck im Magen, bis der Schließmuskel der Speiseröhre dem Druck nicht mehr standhält. Kalte oder kohlensäurehaltige Getränke können diesen Effekt verstärken.

Bestimmte Erkrankungen machen zusätzlich anfällig für Erbrechen nach dem Essen. Dazu gehören Magenentleerungsstörungen. Dabei ist die Passage von Nahrung vom Magen in den Dünndarm verzögert. Magenentleerungsstörungen treten häufiger bei Diabetes mellitus, nach Operationen am Magen oder Darm oder bei Einnahme darmlähmender Medikamente auf. Bei älteren PatientInnen kann es zu sogenannten Zwerchfellhernien kommen. Teile des Magens rutschen durch das Zwerchfell nach oben in Richtung Speiseröhre, sodass eine Engstelle entsteht. Der Mageninhalt kann diese Engstelle nur schwer überwinden, sodass es zu saurem Aufstoßen und Erbrechen nach dem Essen größerer Portionen kommt.

Schwindel und Erbrechen

Treten Schwindel und Erbrechen zusammen auf, liegt die Ursache häufig im Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Ursächlich kann eine Überempfindlichkeit des Innenohrs auf Bewegungen sein, wie es bei Reiseübelkeit der Fall ist. Die Informationen, die aus Innenohr und Auge an das Gehirn weitergeleitet werden, passen nicht genau zusammen. Das verursacht in leichten Fällen Übelkeit ohne Erbrechen, in schweren Fällen Übelkeit, Schwindel und Erbrechen. Den als Reiseübelkeit bezeichneten Zustand empfinden viele Menschen auch beim Karussell fahren.

Verschiedene Erkrankungen des Innenohrs können im Gehirn die Illusion von Bewegung erzeugen. Der Mechanismus ist der Gleiche wie bei Reiseübelkeit, jedoch ohne tatsächliche Bewegung. Beispiele für solche Erkrankungen sind Morbus Menière und Benigner Paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS).

PatientInnen, die unter Migräne mit Aura leiden, berichten in einigen Fällen auch von Schwindel und Erbrechen als Begleitsymptomatik.

Plötzliches schwallartiges Erbrechen

Plötzliches schwallartiges Erbrechen ohne Ursache im Magen-Darm-Trakt kann ein Hinweis auf Hirndruck sein. Als Hirndruck bezeichnet man den Anstieg des Druckes im Kopf durch Schwellung von Gewebe, Blutungen oder Flüssigkeitsansammlungen. Eine häufige Ursache für Hirndruck sind Schädel-Hirn-Traumata, aber auch Tumore oder Entzündungen können zu Hirndruck führen. Tritt Erbrechen nach einem Unfall oder Sturz auf, sollte unverzüglich ein Krankenhaus aufgesucht werden.

Blut erbrechen

Wenn Betroffene Blut erbrechen, ist das in aller Regel ein gastroenterologischer Notfall. Typische Ursache sind Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen). Die Krampfadern entstehen bei Erkrankungen der Leber, die zu erhöhtem Druck im Gefäßsystem des Organs führen. Die Venen der Speiseröhre dienen als Umgehungskreislauf der Leber und neigen zu plötzlichen Blutungen. Andere Ursachen für blutiges Erbrechen sind Geschwüre im Magen oder Darm. Starkes Nasenbluten mit Verschlucken von Blut ist auch ein Auslöser für Blut-Erbrechen. Blut hat ein hohes emetogenes Potential, führt also sehr schnell zum Erbrechen (Emesis).

Erbrechen durch Medikamente

Die Einnahme von Medikamenten kann zu Übelkeit und Erbrechen führen. Ständige Übelkeit ohne Erbrechen kann, wenn keine andere Ursache erkennbar ist, auf Medikamenteneinnahme zurückzuführen sein. Folgende Medikamentenklassen sind bekannt dafür, Erbrechen und Übelkeit zu verursachen:

  • Chemotherapeutika: Chemotherapeutika führen im Darm zur Freisetzung von Serotonin ins Blut. Mit dem Blut gelangt es ins Brechzentrum des Gehirns, wo dann ein Brechreiz ausgelöst wird.

  • Opioide: Opioide wie Morphin sind starke Schmerzmittel. Sie wirken an speziellen Schmerzrezeptoren, die den Rezeptoren im Brechzentrum des Gehirns sehr ähneln. Deshalb können Opioide auch im Brechzentrum wirken dieses fälschlicherweise aktivieren. Auf diesem Weg führen Opioide zu Übelkeit und Erbrechen.

  • Antibiotika: Antibiotika dienen der Bekämpfung von Bakterien bei Infektionen. Sie wirken aber nicht nur am Ort der Infektion, sondern im ganzen Körper, sodass auch die Darmflora beeinträchtigt wird. Dies führt zu Durchfällen und kann auch Übelkeit und Erbrechen verursachen.

  • Antidepressiva: Ein häufiger Wirkmechanismus von Antidepressiva ist die Erhöhung der Serotoninkonzentration im Gehirn durch verminderten Abbau von Serotonin. Serotonin löst im Brechzentrum des Gehirns Brechreiz und Übelkeit aus, sodass eine Nebenwirkung mancher Antidepressiva Erbrechen ist.

  • Amphetamine: Das bei Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) eingesetzte Medikament Methylphenidat (Ritalin) gehört zur Gruppe der Amphetamine. In erster Linie erhöht es die Konzentration der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin und wirkt sich positiv auf Konzentration und Leistungsfähigkeit aus. Es verhindert darüber hinaus den Abbau von Serotonin und führt zu Appetitverlust, Übelkeit und Erbrechen.

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Erbrechen in der Schwangerschaft

Vor allem in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft kommt es vermehrt zu Übelkeit und Erbrechen. Auslöser ist vermutlich das Schwangerschaftshormon humanes Choriongonadotropin (hCG). In den meisten Fällen gehen die Beschwerden nach wenigen Tagen bis Wochen von allein zurück.

Behandlung von Erbrechen

Um Erbrechen erfolgreich zu behandeln, sollte zunächst die Ursache geklärt werden. Dabei sind eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung essenziell. Liegt dem Erbrechen Schwangerschaft, ein Magen-Darm-Infekt oder eine Lebensmittelvergiftung zugrunde, ist in den meisten Fällen keine Therapie notwendig. Die Beschwerden bessern sich innerhalb von maximal 2 bis 3 Tagen. Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeits- und Nährstoffzufuhr, um dem großen Verlust von Elektrolyten und Wasser durch das Erbrechen vorzubeugen.

Was essen bei Erbrechen?

Bei Übelkeit und Erbrechen hält sich der Appetit meist in Grenzen. Jedoch gehen dem Körper viel Flüssigkeit und Nährstoffe verloren, sodass Nahrungsaufnahme sehr wichtig ist. Doch was beruhigt den Magen nach Erbrechen? - Tee gegen Übelkeit: Fenchel, Anis, Kümmel, Kamille, Ingwer, Pfefferminze - Karottenbrei, Karottensuppe nach Moro - Leicht verdauliche Kohlenhydrate: helles Brot, Salzstangen, Zwieback, Haferbrei  - Obst: geriebener Apfel, Banane - Pflanzliche Heilmittel: Ingwerwurzel, Mariendistel

Lebensmittelunverträglichkeiten mit Erbrechen lassen sich verhindern, indem das Lebensmittel oder der Inhaltsstoff strikt gemieden werden.

Ist die Ursache des Erbrechens eine körperliche Erkrankung, muss diese entsprechend behandelt werden. Mit der ursächlichen Therapie werden auch Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen bekämpft. Kurzfristig können Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen Abhilfe schaffen.

Tritt Übelkeit mit Erbrechen als Nebenwirkung eines Medikaments auf, sollte dieses nach Möglichkeit auf ein anderes Präparat umgestellt werden. Ist das zum Beispiel im Falle einer Chemotherapie nicht möglich, kann vorbeugend ein Medikament gegen Übelkeit und Erbrechen gegeben werden. Da Chemotherapien durch die Freisetzung von Serotonin Erbrechen auslösen, sind Serotoninantagonisten das Mittel der Wahl gegen Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen.

Was hilft schnell gegen Übelkeit und Erbrechen?

Die meisten Ursachen von Erbrechen bedürfen keiner speziellen Therapie. Dazu gehören Magen-Darm-Grippen, Lebensmittelvergiftungen oder Schwangerschaftsübelkeit. Trotzdem besteht das Verlangen, schnell Abhilfe zu schaffen. Unterstützend bei Übelkeit und Erbrechen wirken frische Luft und körperliche Schonung. Leichte Bewegung wie kurze Spaziergänge können guttun, solange die Bewegung die Symptome nicht verschlimmert. Naturheilkundlich sind die Wirkstoffe Ingwerwurzel und Mariendistel dafür bekannt, Übelkeit und Erbrechen zu lindern. Unterstützend sollte auf ausreichende Zufuhr von Elektrolyten und Flüssigkeit geachtet werden.

Häufige Fragen zu Erbrechen

Erbrechen hat viele verschiedene Ursachen und wird im Brechzentrum des Gehirns ausgelöst. Eine gesteigerte Freisetzung von Serotonin im Gehirn oder aus der Darmschleimhaut, wie bei Infekten, Chemotherapie oder Einnahme von Antidepressiva, ist ein häufiger Auslöser für Erbrechen. Andere Ursachen für Erbrechen sind Schwangerschaft, Unverträglichkeiten oder Reiseübelkeit.

Eine ausreichende Flüssigkeits- und Nährstoffzufuhr ist bei Erbrechen essenziell. Tritt Erbrechen wiederholt ohne eindeutige Ursache auf, sollte ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden.

Kräutertees mit Kamille, Fenchel, Kümmel, Anis oder Pfefferminze wirken beruhigend auf den Magen. Außerdem sollte auf Schonkost mit leicht verdaulichen Lebensmitteln geachtet werden. Pflanzliche Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen sind Ingwerwurzel und Mariendistel.

Wiederholtes Erbrechen ohne klare Ursache sowie Erbrechen im Zusammenhang mit anderen Symptomen wie Schwindel oder Kopfschmerzen sind Gründe, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen. Ein dringender Besuch in der Arztpraxis bzw. der Notaufnahme ist bei Erbrechen nach Unfällen und Stürzen auf den Kopf empfohlen. Blut-Erbrechen ist ebenfalls abzuklären.

Wiederholtes Erbrechen reizt die Schleimhaut der Speiseröhre und kann zu Geschwüren bis hin zu Speiseröhrenkrebs führen. Außerdem greift die Magensäure den Zahnschmelz an und führt zu Zahnschäden. Durch häufiges Erbrechen verliert der Körper viel Flüssigkeit und Elektrolyte, was schnell zu Mangelzuständen führen kann.

Eine Vorstellung in der Notaufnahme ist dringend empfohlen bei Erbrechen nach Unfällen bzw. Stürzen auf den Kopf, Blut-Erbrechen sowie unstillbarem Erbrechen mit großem Flüssigkeitsverlust.

Bei Erbrechen verliert der Körper viel Flüssigkeit. Diese muss, wenn möglich, durch Trinken wieder zugeführt werden. Dabei sind Wasser, Elektrolytlösungen und Kräutertees die Getränke der Wahl. Die Flüssigkeit sollte in kleinen Schlucken kontinuierlich getrunken werden, um den gereizten Magen nicht mit zu großen Mengen zu überfordern.

Quellen

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