Mann bekommt ein Brot angeboten, er lehnt dieses ab wegen seiner Glutenunverträglichkeit (Zöliakie).
  1. Was ist Zöliakie?
  2. Glutenunverträglichkeit: Symptome
  3. Ursachen einer Glutenunverträglichkeit
  4. Glutenunverträglichkeit: Diagnose
  5. Wie wird Zöliakie behandelt?
  6. Glutenunverträglichkeit: Was darf man essen und was nicht?
  7. Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
  8. Vorbeugung einer Glutenunverträglichkeit
  9. Häufige Fragen zu Zöliakie
Mann bekommt ein Brot angeboten, er lehnt dieses ab wegen seiner Glutenunverträglichkeit (Zöliakie).

ICD-Code für Zöliakie: K90.0


Mindestens 1 von 500 Menschen in Deutschland ist von einer Zöliakie betroffen.

Gluten ist ein Protein, das in vielen Getreidearten vorkommt. Bei einer Zöliakie leiden die Betroffenen an einer Unverträglichkeit gegen Gluten.

Auf einen Blick
  • Unverträglichkeit gegen Gliadin, Bestandteil von Gluten
  • Fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems mit Bildung von Antikörpern
  • Variable Symptomatik: Bauchbeschwerden, Stuhlveränderungen, Gedeihstörungen, Wachstumsstörungen
  • Diagnose: Blutuntersuchung, Gewebeprobe, Besserung unter glutenfreier Ernährung
  • Behandlung: lebenslange glutenfreie Ernährung

Was ist Zöliakie?

Bei einer Zöliakie handelt es sich um eine durch das eigene Immunsystem vermittelte Erkrankung, bei der Gliadin nicht vertragen wird. Gliadin ist in Gluten enthalten, somit handelt es sich um eine Glutenunverträglichkeit. Zusätzlich reagiert das Immunsystem auch auf ein körpereigenes Enzym, die Gewebstransglutaminase. Somit hat die Erkrankung sowohl Aspekte einer Allergie (überschießende Reaktion auf das eigentlich harmlose Gliadin) als auch einer Autoimmunerkrankung (fehlgeleitete Reaktion gegen die körpereigene Gewebstransglutaminase). Es kommt zur Bildung von Antikörpern gegen beide Strukturen.

Die ausgelöste Immunreaktion verursacht eine Schädigung der Darmschleimhaut. Nahrungsbestandteile können schlechter aufgenommen werden; Mangelerscheinungen sind in der Folge möglich.

Andere Namen für die Erkrankung sind „glutensensitive Enteropathie“ und „einheimische Sprue“, wobei letzteres weniger geläufig ist. Im Sprachgebrauch sind ebenso Glutenintoleranz oder Glutenallergie, in der Medizin werden diese Begrifflichkeiten jedoch gemieden.

Glutenunverträglichkeit: Symptome

Die Symptome einer Zöliakie sind sehr vielseitig und treten nach der Aufnahme von Gluten auf.

Mögliche Symptome einer Zöliakie
  • Veränderung des Stuhlgangs: Verstopfung, Durchfall, Fettstühle
  • Beschwerden am Bauch: Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, aufgeblähter Bauch, Bauchschmerzen
  • Gedeihstörungen, Gewichtsverlust, Anfälligkeit für Infekte
  • Wesensveränderung, Konzentrationsstörungen, schlechte Stimmung

Durch die verminderte Aufnahmeleistung des Darms kann es zu Mangelerscheinungen kommen. Folge können z. B. ein Eisenmangel oder eine Osteoporose sein. Eine Zöliakie kann sich auch an der Haut als sogenannte Dermatitis herpetiformis Duhring zeigen. Bei dieser Sonderform der Zöliakie treten eine Rötung, Plaques und Bläschen auf.

Viele Symptome, aber auch komplett asymptomatische Verläufe sind möglich.

Symptome bei Kindern

Typisch für eine Zöliakie bei Kindern sind eine Gedeihstörung mit vermindertem Gewicht-und Größenwachstum, Bauchschmerzen, ein aufgetriebener Bauch sowie glänzende, voluminöse, übelriechende Durchfälle. Verhaltensveränderungen und schlechte Laune können auch auf eine Zöliakie hindeuten.

Frauenärztin im Gespräch mit einem Patienten bei einer telemedizinischen Video-Sprechstunde.
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Ursachen einer Glutenunverträglichkeit

Menschen mit einer Zöliakie haben eine genetische Prädisposition, also eine erbliche Anfälligkeit für diese Erkrankung. Es besteht ein Zusammenhang mit den sogenannten Serotypen HLA-DQ2 und HLA-DQ8. 98 Prozent der Betroffenen besitzen diese HLA-Antigene, allerdings auch 30 Prozent der Bevölkerung. Das bedeutet, dass diese Antigene eine genetische Voraussetzung sind, jedoch nicht jeder mit diesen Antigenen auch eine Zöliakie entwickelt. Warum einige Menschen eine Zöliakie entwickeln und andere nicht, ist nicht geklärt.

Etliche Krankheitsbilder sind mit einer Zöliakie assoziiert, da diese auf der gleichen genetischen Prädisposition beruhen. Dazu zählen u. a. Diabetes mellitus Typ 1, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, Trisomie 21 und die Schuppenflechte.

Glutenunverträglichkeit: Diagnose

Die Diagnose einer Zöliakie basiert neben dem ärztlichen Gespräch und der körperlichen Untersuchung auf einer Blutuntersuchung und einer Magendarmspiegelung mit Probenentnahme.

Bei der Blutuntersuchung wird analysiert, ob Antikörper gegen die Transglutaminase vorliegen. Wenn dieser Nachweis positiv ist, erfolgt im nächsten Schritt eine Magendarmspiegelung. Dabei werden Proben entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Dort wird nach Zöliakie-typischen Befunden geschaut.

Wie stellt man eine Glutenunverträglichkeit fest?
  • Positiver Nachweis von Antikörpern und
  • Positiver Nachweis in Gewebsprobe und
  • Besserung unter glutenfreier Diät

Die Blutuntersuchung auf Antikörper kann auch durch einen Selbsttest erfolgen. Dabei entnimmt man selbst eine Blutprobe, sendet diese an ein zertifiziertes Labor und erhält das Ergebnis.

Wichtig bei der Diagnostik ist, dass man vorher eine glutenhaltige Ernährung einhält. Die Zöliakie-typischen Veränderungen können sich unter glutenfreier Diät zurückbilden, sodass die Diagnose dann unter Umständen nicht gestellt werden könnte.

Wie wird Zöliakie behandelt?

Die Behandlung einer Glutenunverträglichkeit ist eine lebenslange glutenfreie Ernährung.

Bei Diagnosestellung sollte eine Ernährungsberatung durch eine Fachkraft (Ernährungsberater und -therapeuten, Ärzte mit der Zusatzbezeichnung “Ernährungsmedizin”, Diätassistenten) erfolgen. Auch die getrennte Aufbewahrung und Schulung von Haushaltsmitgliedern ist wichtig.

Glutenunverträglichkeit: Was darf man essen und was nicht?

Was kann man essen?

Glutenfrei sind u. a.:

  • Hafer
  • Buchweizen
  • Amaranth
  • Hirse
  • Mais
  • Quinoa
  • Reis, Wildreis
  • Tempuramehl (aus Reis)
  • Kastanien(-mehl)
  • Mungobohnen
  • Tapioka
  • Nussmehle
  • Rapskernmehl
Was sollte man meiden?

Gluten ist u. a. enthalten in:

  • Weizen
  • Gerste
  • Roggen
  • Handelsüblicher Hafer (Kontamination)
  • Durum
  • Grünkern
  • Dinkel
  • Einkorn
  • Emmer
  • Kamut
  • Udonnudeln
  • Couscous
  • Bulgur

und den daraus produzierten Lebensmitteln, z. B. Bier.

Wichtig dabei ist, dass Getreide und Getreideprodukte, die von Natur aus glutenfrei sind, trotzdem geringe Mengen Gluten enthalten können. Das liegt daran, dass diese nicht immer speziell für Menschen mit Glutenunverträglichkeit hergestellt werden und bei der Verarbeitung kontaminiert werden können. Wenn möglich, sollten speziell als glutenfrei markierte Produkte verwendet werden.

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie): Glutenfrei Lebensmittel wie z. B. Couscous, Bulgur oder Reis.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Bei Verdacht auf eine Zöliakie ist eine ärztliche Abklärung immer ratsam. Es bedarf Untersuchungen, um die Diagnose stellen und Therapie einleiten zu können. Da die Beschwerden sehr unterschiedlich und unspezifisch sein können, kann ein ärztlicher Besuch helfen, auch mögliche andere Ursachen abzuklären. Erste Anlaufstelle sind Hausärzte und -ärztinnen.

Wie kann Fernarzt bei Lebensmittelunverträglichkeiten helfen?

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Vorbeugung einer Glutenunverträglichkeit

Es gibt Diskussionen darüber, ob ein Zusammenhang zwischen der Gabe glutenhaltiger Nahrung bei Säuglingen und dem Auftreten einer Zöliakie besteht. Empfohlen wird, geringe Mengen glutenhaltiger Kost zwischen dem vollendeten vierten und zwölften Lebensmonat einzuführen. Idealerweise sollte die Mutter noch stillen.

Häufige Fragen zu Zöliakie

Eine Glutenunverträglichkeit äußert sich durch Bauchbeschwerden, Stuhlveränderungen und Gedeihstörungen. Auch Mangelerscheinungen sind möglich. Jedoch ist das Spektrum an Beschwerden sehr groß, eine Zöliakie kann auch ohne Symptome verlaufen.

Man testet eine Glutenunverträglichkeit nach einem ärztlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung durch eine Blutuntersuchung auf Antikörper und eine Probenentnahme aus dem Darm. Um eine Zöliakie festzustellen, muss ebenfalls eine Besserung unter glutenfreier Ernährung eintreten.

Eine Glutenunverträglichkeit kann in jedem Alter auftreten. Häufig treten die Symptome zum ersten Mal im Säuglingsalter und im vierten Lebensjahrzehnt auf.

Zöliakie selbst wird nicht vererbt, die genetische Veranlagung allerdings schon. Doch nicht jeder mit der Veranlagung entwickelt eine Zöliakie. Umweltfaktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Verwandte ersten Grades (Eltern und deren Kinder) einer Person mit Zöliakie haben ein erhöhtes Risiko, eine Zöliakie zu entwickeln (etwa zehn Prozent).

Die genetische Veranlagung für eine Glutenunverträglichkeit ist angeboren, die Erkrankung selbst nicht. Es ist nicht geklärt, welche Faktoren wie zur Entstehung beitragen. Nicht jeder Mensch mit der genetischen Veranlagung entwickelt auch eine Zöliakie.

Wenn Beschwerden nach dem Verzehr von glutenhaltiger Nahrung entstehen, könnte es sich um eine Zöliakie handeln. Getestet wird dies durch eine Blutuntersuchung auf Antikörper (auch als Selbsttest möglich) und eine Gewebeuntersuchung des Darms, falls die Antiköper nachweisbar sind.

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Quellen

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