Verstopfungen - Frau hält sich den Bauch
  1. Anatomische Grundlagen von Verstopfungen
  2. Symptome bei Verstopfung
  3. Verstopfung: Ursachen
  4. Therapie bei Verstopfung
  5. Hilft Apfel bei Verstopfung?
Verstopfungen - Frau hält sich den Bauch

In Deutschland leiden zwischen fünf - 15 Prozent unter Verstopfung.

Verstopfung tritt ein wenn die Darmentleerung ausbleibt. Die sogenannte Obstipation (lat. Verstopfung) ist ein sehr komplexes Krankheitsbild, dessen Ursache nicht immer zu erklären ist.

Auf einen Blick
  • Man unterscheidet akute und chronische Verstopfungen
  • Die Ursachen werden in primäre und sekundäre Ursachen kategorisiert
  • Verstopfungen können gefährlich werden, wenn sie den Darm verschließen (Ileus). Hinweise dafür sind z.B. Fieber oder Übelkeit. Dann sollte umgehend die Notaufnahme aufgesucht werden
  • Die Therapie erfolgt zunächst konservativ. Schlägt diese nicht an, können stärkere Maßnahmen ergriffen und im schlimmsten Fall operativ eingegriffen werden
  • Präventiv unterstützt eine gesunde, ausgewogene Ernährung und viel Bewegung

Anatomische Grundlagen von Verstopfungen

Wenn wir etwas essen, beginnt die Verdauung dessen bereits im Mund. Durch den Speichel und die Zähne wird das Essen zerkleinert und breiartig, um besser weitertransportiert zu werden. Auch werden hier schon Enzyme von den Speicheldrüsen ausgeschüttet, die ebenfalls zur Spaltung beitragen. Im Magen angekommen wird das Essen vom Magensaft aufgespalten und in einen Speisebrei umgewandelt.

Die Nahrung passiert danach den Darmtrakt und wird dazu zunächst in den Dünndarm transportiert. Dort findet die enzymatische Spaltung und Resorption (Stoffaufnahme) der Nahrung statt. Das bedeutet, dass dem Speisebrei sämtliche Nährstoffe entzogen und ins Blut befördert werden, die der Körper benötigt.

Ist dieser Schritt abgeschlossen, muss der verflüssigte Speisebrei wieder verfestigt werden und wird dazu in den Dickdarm transportiert. Dort findet die sogenannte Rückresorption statt. Das heißt, dass dem Speisebrei alles an Flüssigkeit, was ihm zuvor zur vereinfachten Verdauung zugeführt wurde, entzogen wird.

Die Reste, die der Körper nicht verwerten kann, werden über das Rektum (Mastdarm) zum Analkanal weitergeleitet und über den Stuhlgang ausgeschieden.

Die eigentliche Entleerung ist ein sehr kompliziertes Zusammenspiel zwischen Nerven am Darmende, aus dem Rückenmark, Gehirn und der Psyche. Wird dieses Zusammenspiel verändert oder unterbrochen, kann das zu Verstopfungen führen.

Weiterhin spielen Funktionsstörungen und Krankheiten auch eine entscheidende Rolle dabei, sodass die Stuhlausscheidung beispielsweise durch eine muskuläre Funktionsstörung im Darmbereich oder infolge einer Darmerkrankung ebenfalls beeinträchtigt werden kann.

Symptome bei Verstopfung

Wann genau spricht man von einer Verstopfung? Es wird allgemein zwischen einer akuten und einer chronischen Verstopfung unterschieden.

chronische Obstipation

Unter chronischer Obstipation wird laut Definition verstanden:

  • Stuhlhäufigkeit < 3/Woche

  • Harter Stuhlgang

  • Gefühl der unvollständigen Entleerung

  • Gefühl einer Blockade

  • Starkes Pressen beim Stuhl lassen

  • Manuelle (bspw. durch die Reibung des Darms mit den Händen) Unterstützung bei der Darmentleerung bei > 25 Prozent der Stuhlgänge

Treffen mindestens zwei dieser Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwölf Wochen innerhalb der letzten sechs Monate zu, spricht man von einer Verstopfung.

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Akute Obstipation

Die sogenannte akute Obstipation ist nicht an so strenge Kriterien geknüpft wie die chronische Verlaufsform. Oftmals tritt eine akute Verstopfung situationsabhängig auf. Beispielsweise durch eine Reise oder eine Ernährungsumstellung.

Achtung: Wichtig bei einer Verstopfung ist, dass eine harmlose akute Obstipation eindeutig von einem Notfall, dem sogenannten Ileus, unterschieden wird.

Notfallsituation: Darmverschluss

Jeder hatte schon einmal mit Bauchschmerzen und Verstopfungen zu kämpfen. Gerade im stressigen Alltag kann das schnell passieren. Doch nicht jede Verstopfung ist harmlos. Es gibt einige Warnsignale, die auf einen akuten Notfall hinweisen.

Bei diesen Symptomen sollten Sie umgehend zum Arzt oder direkt in die Notaufnahme:

  • Fieber

  • Übelkeit

  • Erbrechen

  • Aufgeblähter Bauch

  • Kein Stuhlgang über vier bis fünf Tage

  • extreme Bauchschmerzen, insbesondere im Darmbereich

  • Abwehrspannung der Bauchdecke

Diese Anzeichen können durch einen Darmverschluss, lat. "Ileus", hindeuten. Dabei handelt es sich um einen ernst zu nehmenden Notfall, der umgehend ärztlich behandelt werden muss.

Verstopfung: Ursachen

Bei den Ursachen wird zwischen einer primären, funktionellen Obstipation und einer sekundären Obstipation unterschieden.

Primäre, funktionelle Obstipation:

  • Normal-transit constipation (NTC): Verstopfung unklarer Ursache bei normaler Darmpassagezeit

  • Slow-transit constipation (STC): Verstopfung infolge eines nervlichen Leidens im enterischen Nervensystem (Magen-Darm-Trakt)

  • Beckenbodendyssynergie: Blockade durch Anspannen der Schließmuskeln beim Stuhlgang

Sekundäre Obstipation:

  • durch äußere Faktoren verursacht, wie eine Reise, Ernährungsumstellung, Medikamente, psychischen Stress aber auch infolge von Erkrankungen, wie z. B. Anorexia nervosa, Demenz und Multiple Sklerose

Therapie bei Verstopfung

Die Therapie der primären Obstipation gliedert sich in unterschiedliche Stufen, die immer invasiver werden. Bei einer funktionellen Obstipation sollte zunächst durch konservative Methoden (Stufe I) versucht werden, die Darmtätigkeit zu regulieren. Dazu zählen beispielsweise:

  • eine Ernährungsumstellung auf ballaststoffreiche Kost

  • ausreichend Flüssigkeitsaufnahme

  • vor allem körperliche Aktivität und Bewegung

Sollten diese Maßnahmen zu keiner Besserung führen, können die Verstopfungen auch medikamentös (Stufe II-IV) behandelt werden, beispielsweise mit sogenannten Laxantien. Aber Achtung: Eine dauerhafte Einnahme bei chronischen Obstipationen kann zu Laxantienabhängigkeit führen.

Wenn keinerlei Maßnahmen wirken, kann zur Therapie ein chirurgischer Eingriff in Betracht gezogen werden. Allerdings sollte dafür eine eindeutige Indikation vorliegen, da es sich dabei um eine sehr extreme Maßnahme handelt.

Generell sollte zunächst probiert werden, so viele Ansätze wie möglich in die Therapie mit einzubeziehen. Dazu gehören u. a.:

  • Probiotika (mit speziellen Mikroorganismen angereicherte Lebensmittel zur Verbesserung der Magen-Darm-Flora)

  • Dickdarm-Massagen

  • Ernährungsumstellung

  • Diäten

Bei einer sekundären Obstipation, also einer Verstopfung infolge einer primären Erkrankung, gilt es diese Erkrankung zu therapieren, um dauerhaft eine Verbesserung zu bewirken. Weiterhin kann auch ein sogenanntes Biofeedback-Training hilfreich sein. Dabei wird versucht, unbewusst ablaufende Vorgänge im Körper unter Kontrolle zu bringen, um so Verstopfungen vorzubeugen.

Was kann man selbst tun bei Verstopfung?

Auch von zu Hause aus kann präventiv sehr viel gemacht werden, um die Darmtätigkeit gesund zu halten.

  • Angefangen mit einer ausgewogenen Ernährung mit viel Obst und Gemüse und ausreichend Ballaststoffen. Dazu zählen Nahrungsmittel aus Vollkorngetreide oder Hülsenfrüchten. Aber Achtung: Gewöhnen Sie Ihren Magen langsam an neue Nahrungsmittel, um ihn nicht zu überfordern.

  • Auf verstopfende Lebensmittel Weißbrot sollte bei vermehrt auftretender Verstopfung verzichtet werden.

  • Weiterhin ist viel Bewegung eine wunderbare Möglichkeit, die Darmbewegung zu aktivieren und nachhaltig zu fördern. Bewegung regt die Darmmuskulatur und Durchblutung an und fördert somit die Passage des Darminhalts und verhindert Stillstand und somit Verstopfungen.

Hilft Apfel bei Verstopfung?

“An apple a day keeps the doctor away.” - Ist das wirklich wahr?

Dieses Sprichwort ist jedem bekannt. Auf Deutsch heißt es: “Ein Apfel am Tag hält den Arzt fern.” Doch stimmt es tatsächlich? Viele Forscher haben sich diese Frage gestellt. Es ist allgemein bekannt, dass der Apfel mit seinen vielen Vitaminen ein gesunder Snack ist, der den Ernährungsplan wunderbar ergänzt.

Allerdings konnte bisher noch nicht bestätigt werden, ob Apfelesser tatsächlich seltener zum Arzt müssen als Nicht-Apfelesser. Was aber in einer Studie bestätigt wurde ist, dass Apfelesser im Durchschnitt weniger verschreibungspflichtige Medikamente benötigen, als Nicht-Apfelesser. An der Aussage ist also vielleicht doch etwas Wahres dran.

Insbesondere im Bezug auf eine Verstopfung wird dem Apfel eine positive Wirkung zugeschrieben. Empfohlen wird, den Apfel gerieben auf nüchternen Magen zu essen. Auf diese Art und Weise können die Inhaltsstoffe ihre volle Wirkung entfalten

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Quellen

  • Amboss (13.09.2019), Übersicht des Verdauungssystems (Verdauungstrakt), unter https://www.amboss.com/de/library#xid=qK0ChS&anker=Zcdf752897ea6419dc3ec84ebab4026c8 [abgerufen am 10.03.2020]

  • Feichter, M. (12.09.2016), Net Doktor, Probiotika, unter https://www.netdoktor.de/ernaehrung/probiotika/ [abgerufen am 10.03.2020]

  • Amboss (15.01.2020), Obstipation, unter https://www.amboss.com/de/library#xid=CM0qIg&anker=Zabdb9d83caae1e88100b1f95c5a5ce2c [abgerufen am 10.03.2020]

  • Dr. med. Osthoff, C. (23.04.2019), Apotheken Umschau, Verstopfung (Obstipation), unter https://www.apotheken-umschau.de/Verstopfung [abgerufen am 10.03.2020]

  • Dr. Kerckhoff, A. (23.09.2019), Universität Witten/Herdecke, An apple a day - was ist dran?, unter https://www.uniambulanz-witten.de/blog/an-apple-a-day-was-ist-dran [abegrufen am 10.03.2020]

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