Inhaltsverzeichnis
  1. Hausmittel gegen Blasenentzündungen sind:
  2. Bei Blasenentzündung den Erregern keinen Nährboden bieten
  3. Was bringen die Klassiker Apfelessig und Cranberrys?
  4. Wirken Kräutertees gegen Harnwegsinfekte?
  5. Können Radieschen und Petersilie Blasenentzündungen vorbeugen?
  6. Wie verändert sich der pH-Wert des Urins bei einer Blasenentzündung?
  7. Blasenentzündung mit Antibiotika zu behandeln kann notwendig werden
  8. Ärztliche Hilfe gegen Blasenentzündung
  9. Kuriose Tipps gegen Blasenentzündung - Der Faktencheck unserer Ärztin
  10. Gesundheit geht durch den Magen? - Ernährung
  11. Kleider machen ... gesund?
  12. Sauber, aber auch gesund?
  13. Skurril - oder vielleicht doch hilfreich?

Bei einer Blasenentzündung (auch Zystitis genannt) können Hausmittel häufig ergänzend zu einer antibiotischen Behandlung helfen oder vorbeugend gegen erneute Infektionen angewendet werden. Dafür eignen sich vor allem natürliche Mittel die harntreibend, antibakteriell oder säuernd wirken. Bei mild verlaufenden Blasenentzündungen ist auch ein ausschließlich auf Hausmitteln basierender Therapieversuch möglich.


ICD-Code für Blasenentzündung: N30


Studien haben gezeigt, dass es sinnvoll ist eine Behandlung ohne Antibiotika, nur mit Hausmitteln, in den ersten Tagen mit einem antientzündlich wirkenden Schmerzmittel zu kombinieren.

Hausmittel gegen Blasenentzündungen sind:

bildliche Darstellung
Ärztliche Hilfe gegen Blasenentzündung
Ärztliche Hilfe gegen Blasenentzündung


Unsere Fernärzte beraten Sie gerne und verschreiben Ihnen ein für Sie individuell passendes Mittel.

Kuriose Tipps gegen Blasenentzündung - Der Faktencheck unserer Ärztin

Gesundheit geht durch den Magen? - Ernährung

Ernährung


In vielen Foren sind sich die User uneinig, was jetzt genau besser ist: ein saurer oder ein basischer Urin. Häufig wird empfohlen auf eine basische Ernährung zu achten und säurehaltige Lebensmittel wie Limonaden, Kaffee oder Zitrusfrüchte zu vermeiden. Auch Entsäuerungskuren wird eine heilende Wirkung zugesprochen. Gleichzeitig sollen Zitronensaft oder Apfelessig Abhilfe schaffen und präventiv wirken.

Bei einer Sache scheinen sich jedoch die User sicher zu sein: Eine Reduktion von Zucker nimmt den Bakterien den Nährboden und sollte daher unbedingt Bestandteil der Behandlung sein. Zusätzlich bitter: Auch künstliche Süßstoffe sind laut Reddit & Co. keine Alternative.

Das sagt die Ärztin

Während einer Blasenentzündung steigt der pH-Wert des Urins - er wird basischer. Für die meisten Bakterien, wie auch E.coli, ist ein basischer Urin das optimale Umfeld, um sich schnell zu vermehren. Es ist daher eher empfehlenswert, den Säuregehalt im Urin zu erhöhen, anstatt diesen zu senken. Doch Vorsicht - sehr saurer Urin kann das Risiko zur Bildung von Harnsteinen erhöhen.

Tipps

  • Täglich einen Teelöffel Apfelessig mit Wasser verdünnen und trinken
  • Joghurt wirkt probiotisch und erhöht den pH-Wert
  • Wasser mit Natrium- oder Kaliumcitrat entwässert, was zur erhöhten Bikarbonatausscheidung führt und somit den pH reduziert

In den Tiefen des Internets verschwimmen die Barrieren zwischen Naturheilkunde und Homöopathie gerne einmal. Besonders häufig werden Uva-Ursi (Echte Beerentraube), Goldrutenkraut und Kamillentee empfohlen. Doch auch Hibiskusextrakt, Meerrettich, Bittermelone und Indischer Wassernabel sollen bei akuten Blasenentzündungen helfen. Oreganoöl, Tee aus italienischer Petersilie oder Chanca Piedra sollen außerdem präventiv gegen Blasenentzündungen helfen.

Das sagt die Ärztin

Nur weil etwas vermeintlich seit Jahrtausenden Teil der traditionellen thailändischen oder chinesischen Medizin ist, bedeutet das nicht zwingend, dass es auch hilft. Dennoch haben einige Naturheilverfahren und Hausmittel einen Platz in der Medizin verdient.

Viele Kräuter und andere Pflanzen können tatsächlich bei der Prävention und Behandlung von Blasenentzündungen helfen. Wichtig ist: Schlagen die Mittel nicht an und innerhalb von 24 Stunden wird keine Besserung der Symptome bemerkt, dann ab zum Arzt. Vor allem bei lang anhaltendem Fieber und Blut im Urin. Antibiotika sind in solchen Fällen der sicherste Weg, die Infektion zu behandeln und eine Ausbreitung auf die Nieren zu verhindern.

Tipps

  • Viel Tee trinken! Entwässerung beziehungsweise viel Wasserumsatz in der Niere hilft dabei, die Niere durch zu spülen und im Idealfall lästige Bakterien auszuscheiden. Bei Tees ist weiterhin vorteilhaft, dass bestimmte Kräuter eine heilende Wirkung erzielen können. Folgende Pflanzen können in in Form von Tee oder auch als Bestandteil pflanzlicher Fertigarzneimittel zu sich genommen werde.
  • Bärentraubenblätter: enthalten die Substanz Arbutin, die vom Körper in einen Wirkstoff mit antibakteriellen Eigenschaften umgewandelt wird, der auch in der Blase Erreger bekämpfen kann. Den Tee am besten vor dem Schlafengehen trinken, damit sich die Wirkstoffe in der Blase anreichern können.
  • Schachtelhalmkraut / Zinnkraut: enthält sogenannte Flavonoide, die harntreibend wirken, und durch die Durchspülung der Niere und Blase Krankheitserreger schneller aus dem Körper heraus spülen
  • Goldrutenkraut: hat entzündungshemmende, krampflösende und harntreibende Eigenschaften
  • Birkenblätter: erhöhen die Durchblutung in den Nieren. Das führt wiederum zu erhöhter funktionalität der Nieren, was die ableitenden Harnwege durchspült und zur Ausschwemmung der Krankheitserreger führen kann

Egal ob als Saft, Extrakt, Kapseln oder Pulver - kein Hausmittel wird bei Blasenentzündungen so häufig empfohlen wie Cranberries. Geradezu literweise soll man den Saft trinken - aber ohne Zuckerzusatz.

Das sagt die Ärztin

Cranberries enthalten Vitamin C und Eisen, damit macht man grundsätzlich schon einmal nichts falsch. Die Beeren enthalten außerdem einen Wirkstoff, der die Krankheitserreger umhüllt, wodurch sie sich nicht mehr an den Schleimhäuten der Harnwege festmachen können.

Aktuelle Studien zeigen aber, dass die benötigte Menge Cranberries nur schwerlich auf natürlichem Wege konsumiert werden kann und zumindest die Wirkung von Cranberry-Saft bestenfalls fraglich ist. Wer bis zu zwei Gläser Cranberry-Schorle täglich trinkt, fügt sich zumindest keinen Schaden zu. Doch auch hier gilt: Werden die Symptome nach 24 Stunden nicht besser, ist man beim Arzt am besten aufgehoben.

Tipps

  • Alternativ zu Cranberrysaft können Pulver oder Kapseln helfen. Diese beinhalten die nötige Konzentration der hilfreichen Inhaltsstoffe.

D-Mannose muss der neue Cranberry-Saft sein - zumindest wenn man der “Crowd” glaubt. Bei D-Mannose handelt es sich um einen Zucker und natürlichen Bestandteil vieler pflanzlicher Polysaccharide.

Das sagt die Ärztin

“The science is in” - wäre wohl übertrieben. Aber es gibt durchaus Studien, die D-Mannose eine überdurchschnittliche Wirkung bei der Prävention von Harnwegsinfektionen bescheinigen. Auch wenn die Ergebnisse wissenschaftlich noch nicht eindeutig sind, scheint das Mittel vielen Frauen zu helfen. Wer sich regelmäßig mit Blasenentzündungen rumschlagen muss, kann auf jeden Fall mal einen Versuch wagen.

Tipps

  • D-Mannose bekommt man rezeptfrei als Pulver oder Kapseln in Apotheken oder Drogeriemärkten.

Tatsächlich entstammt dieser Vorschlag keinem Reiseführer für Transsilvanien, sondern den Tasten einiger verzweifelter Betroffenen. Für die einen brachte eine Knoblauchkur die lange ersehnte Heilung gegen anhaltende oder immer wiederkehrende Infektionen, für andere ist sie die Standardbehandlung bei Blasenentzündungen.

Mit bis zu drei Zehen alle zwei Stunden jedenfalls nichts für einen schwachen Magen.

Das sagt die Ärztin

Wenn alle Stricke reißen, kann eine Knoblauchkur tatsächlich eine Lösung sein. Diese Behandlung ist aber im wahrsten Sinne kein Zuckerschlecken - über mehrere Wochen müssen täglich mindestens drei Knoblauchzehen verzehrt werden. Das hält Krankheitserreger und Parasiten fern, dürfte aber auch für den zwischenmenschlichen Kontakt nicht förderlich sein.

Wenig revolutionär ist die Erkenntnis, dass man insbesondere während einer Blasenentzündung ausreichend trinken sollte. Besonders harntreibende Tees und Wasser sind hilfreich - von Kaffee und Limonaden sollte man erstmal die Finger lassen.

Besonders soll man angeblich darauf achten, dass das Wasser chlor- und fluoridfrei ist. Destilliertes Wasser soll die Lösung sein?

Das sagt die Ärztin

In Deutschland, sowie den meisten anderen mitteleuropäischen Ländern, stellt der Chlor- und Fluoridgehalt im Trinkwasser in der Regel kein Problem dar. Leitungswasser ist also auch während einer Harnwegsinfektion völlig hinreichend.

Entgegen häufiger Behauptungen kann destilliertes Wasser in kleineren Mengen aber durchaus ohne Gesundheitsrisiko getrunken werden. Mehrwert sollte man sich aus der Investition aber nicht erhoffen.

Tipps

  • Anders sieht das Ganze aus, wenn man die Infektion im Ausland erleidet. Die meisten Länder verfügen nicht über dieselbe Trinkwasserqualität wie Deutschland. In solchen Fällen sollte unbedingt Wasser in Flaschen gekauft werden.
Kleider machen ... gesund?

Kleidung


Schlechte Nachrichten - Bakterien lieben eine dunkle feucht-warme Umgebung, da bilden auch unsere Harnwege keine Ausnahme. Um den Heilungsprozess zu beschleunigen, empfehlen viele Nutzerinnen daher synthetische Unterwäsche durch atmungsaktive Baumwollunterwäsche zu ersetzen.

Außerdem wird empfohlen diese mindestens einmal täglich zu wechseln. Einige empfehlen komplett auf Unterwäsche zu verzichten, besonders beim Schlafen bietet sich dies an.

Apropos Unterwäsche - auch das Tragen von Slipeinlagen soll Blasenentzündungen vorbeugen, denn diese fangen Feuchtigkeit auf die ansonsten Infektionen begünstigen würde.

Das sagt die Ärztin

Tatsächlich sollte man seinem Körper gelegentlich etwas Freiraum gönnen. Im Falle einer Blasenentzündung wirkt sich der Verzicht auf synthetische Unterwäsche sowie enge Hosen oder Jeans durchaus positiv aus.

Komplett weglassen muss man Unterwäsche natürlich nicht. Diese zumindest täglich zu wechseln ist aber grundsätzlich sinnvoll und wünschenswert.

Mehr als nur ein altes Ammenmärchen? Das Gerücht, dass Blasenentzündungen von zu dünner, leichter, nasser oder fehlender Kleidung kommen hält sich auch online hartnäckig - doch steckt darin auch ein wahrer Kern?

Socken, Pullovern & Co. werden zwar keine Heilkräfte zugeschrieben, aber sie sollen durchaus Infektionen verhindern können.

Das sagt die Ärztin

Wie in den meisten Fällen, ist die Kälte nicht der Grund für die Infektion, sondern ein begünstigender Faktor. Bereits vorhandene Bakterien haben es leichter wenn der Körper aufgrund von niedrigen Temperaturen geschwächt ist. Auch führt Kälte zur reduzierten Durchblutung, und somit auch zu weniger Zellen des Immunsystems an Ort und Stelle. Somit ist es immer von Vorteil, wenn man sich nicht unterkühlt und im Falle einer Infektion den Körper zum Schwitzen zu bringen, um das Immunsystem anzukurbeln.

Sauber, aber auch gesund?

Hygiene


Wenn Frauen eine Blasenentzündung haben, wird oft eine verminderte Sauberkeit vermutet. Aus diesem Grund übertreiben es viele Frauen leider mit der Hygiene. Die Verwendung von zu viel Seife oder Intimwaschlotion kann jedoch die natürliche Schutzfunktion der Schleimhäute beeinträchtigen. In diesen Fällen ist es für die Erreger leichter, sich an den Schleimhäuten festzusetzen.

Das sagt die Ärztin

Man sollte den Intimbereich generell, nicht nur im Falle eine Blasenentzündung, mit so wenig Produkten wie möglich pflegen. Am besten funktioniert er nämlich, wenn er in seinem natürlichen Zustand ist. Der Intimbereich sollte ein leicht saures Milieu (ca pH von 4,5) haben, und wird deshalb durch die etwas basischen Seifen (zwischen 9 und 10) oft aus dem Gleichgewicht gebracht. Besser ist es, entsprechende Intimpflege zu verwenden, oder einfach lauwarmes Wasser. Die Zusätzlichen Inhaltsstoffe wie Farbstoffe spielen dabei eine kleinere Rolle, sind aber meistens in Seifenprodukten enthalten, die einen höheren pH haben.

Immer wieder wird es als altbekanntes Mittel für die Vorbeugung von Blasenentzündungen erwähnt: Direkt nach dem Sex pinkeln gehen. ZWar kann es oft einen romantischen Moment zerstören, wenn es aber hilft wird es trotzdem gemacht. Doch ist das wirklich notwendig und sinnvoll?

Das sagt die Ärztin

Frauen haben eine wesentlich kürzere Harnröhre als Männer, so erreichen die Bakterien viel schneller die Blase, in der sie sich festsetzen können, wenn sie nicht ausgespült werden. Insofern ist es sinnvoll regelmäßig und vor allem direkt nach dem Geschlechtsverkehr durch den Gang auf die Toilette die Harnröhre “durchzuspülen”, und danach darauf zu achten, nicht von hinten nach vorne “abzuwischen”, um erneut Bakterien in die Nähe der Harnröhre zu wischen. Viel trinken kann generell nicht schaden. Entwässerung bzw viel Wasserumsatz in der Niere hilft dabei, die Niere durch zu spülen und im Idealfall lästige Bakterien auszuscheiden.

Tipps

  • Am Besten vor dem Sex ein Glas Wasser trinken. Dann können Sie gleich nach dem Geschlechtsverkehr auf Toilette gehen. Sind während des Aktes Bakterien in die Blase gelangt, werden diese dann direkt wieder ausgespült und eine Infektion wird vermieden.

Schön heiß duschen und mit einem Luffaschwamm ordentlich abschrubben. Das ist optimale Vorstellung von vielen Leuten, um richtig sauber zu werden. Was viele jedoch nicht wissen: Luffaschwämme können ein wahres Sammelbecken für krankmachende Bakterien, Schimmel und Pilze sein. Schuld daran scheint zu sein, dass die Schwämme dauerhaft feucht sind und selten richtig trocknen.

Das sagt die Ärztin

Warme Sitzbäder und Duschen sind zu empfehlen, denn diese regen die Durchblutung an und sind deshalb förderlich gegen Blasenentzündungen. Sie sollten es allerdings auch nicht übertreiben - viel Duschen und “Pflege” können das Intim Milieu auch aus dem Gleichgewicht bringen und der Heilung entgegenwirken. Man sollte den Intimbereich generell, nicht nur im Falle eine Blasenentzündung, mit so wenig Produkten wie möglich behandeln.

Besser ist es, entsprechende Intimpflege zu verwenden, oder einfach lauwarmes Wasser. Am besten funktioniert er nämlich, wenn er in seinem natürlichen Zustand ist. Die Sache mit dem Schwamm ist, dass dieser nicht nur oft durch Bakterien belastet ist aufgrund seiner feuchten Umgebung, aber auch den natürlichen Schutzfilm den die Haut in dem Bereich produziert, weg rubbelt. Wenn Sie einen Schwamm verwenden wollen, achten Sie darauf, ihn immer anständig trocknen zu lassen. Verzichten Sie außerdem auf übermäßiges Reiben im Intimbereich, um das Gleichgewicht nicht allzusehr zu stören.

Tipps

  • Die Schwämme öfter wechseln, mindesten einmal im Monat.
  • Den Schwamm immer komplett trocknen lassen. Das geht am besten außerhalb vom Bad, denn im Bad ist die Luftfeuchtigkeit meist zu hoch.

Viele Frauen sind besonders während ihrer Periode anfällig für Blasenentzündungen. Das kann auch an den Damenhygieneprodukten liegen. Tampons beinhalten oft synthetische Zusätze und sind alles andere als schonend. Aber heißt das man sollte die Blutung einfach laufen lassen und keine Tampons mehr benutzen?

Das sagt die Ärztin

Solange Sie ihre Tampons regelmäßig wechseln, sollten diese keine Probleme darstellen. Achten Sie darauf, dass Ihre Hände immer vorher frisch gewaschen sind und verwenden sie immer lieber viele kleine Tampons, als wenige große, vor allem wenn Sie zur Blasenentzündung neigen. Außerdem sind Tampons aus Bio-Baumwolle weniger reizvoll, womit Sie zusätzliche Irritation im Intimbereich vermeiden können.

Tipps

  • Es gibt mittlerweile auf dem Markt einige Methoden, um das Periodenblut aufzufangen. Versuchen sie doch einmal die Menstruationstasse aus medizinischem Silikon, um gegen unverträgliche Stoffe vorzubeugen. Auch Periodenpanties klnnen schonender sein, da bei diesen nichts eingeführt werden muss.
Skurril - oder vielleicht doch hilfreich?

Skurriles


Die beste Behandlung einer Krankheit ist dieser möglichst vorzubeugen - die Ursache zu bekämpfen. Im Falle von Blasenentzündungen ist diese Ursache in 80 - 90 % aller Fälle das Bakterium Escherichia coli (E.coli). Dieses ist aber “böser” Erreger, sondern kommt natürlich im Magen-Darm-Trakt vor und findet besonders häufig während dem Geschlechtsverkehr seinen Weg in den bei Frauen nahegelegenen Eingang der Harnröhre. Da ist es nur logisch diese Übertragung zu verhindern.

Tatsächlich beziehen sich viele Tipps und Hausmittel darauf zu Verhindern, dass Darmbakterien in die Harnwege gelangen oder sich dort festsetzen. Deshalb sollte Frau nach dem Geschlechtsverkehr auch die Toilette aufsuchen, um Bakterien auszuspülen und von “vorne nach hinten” abwischen um zu vermeiden Bakterien in Richtung Scheide und Harnröhre zu verschleppen.

Viele praktische Tipps, wie das Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr oder “von vorne nach hinten” abwischen, zielen darauf ab Blasenentzündungen vorzubeugen indem man verhindert, dass die Bakterien überhaupt in die Harnwege gelangen oder sich dort festsetzen können. Immerhin werden rund 80 - 90 Prozent aller Blasenentzündungen durch das Bakterium Escherichia coli (E.coli) aus dem eigenen Darm-Trakt ausgelöst.

Das sagt die Ärztin

Die Bakterien, die in der Regel eine Blasenentzündung auslösen, finden sich ganz natürlicherweise im Anal- als auch Scheidenbereich. Durch sexuelle Aktivität wird die generelle Flora mechanisch als auch biochemisch durcheinander gebracht, und hängt so mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit an einer Blasenentzündung zu erkranken, zusammen. Frauen haben eine wesentlich kürzere Harnröhre als Männer, so erreichen die Bakterien viel schneller die Blase, in der sie sich festsetzen können wenn sie nicht ausgespült werden. Insofern ist es sinnvoll nach dem Geschlechtsverkehr durch den Gang auf die Toilette die Harnröhre “durch zu spülen”, und danach darauf zu achten, nicht von hinten nach vorne “abzuwischen”, um erneut Bakterien in die Nähe der Harnröhre zu wischen. Die Art des Verkehrs spielt dabei eine untergeordnete Rolle, da sich die Bakterien bereits im Analbereich am Darmausgang befinden, und diese ebenfalls für eine Entzündung ausreichen.

Ja, es gibt offensichtlich wirklich Menschen die “rückwärts” auf der Toilette sitzen und die “Methode” hat mit Slater Dump sogar einen eigenen Namen erhalten. Während unzählige User online mit Kopfschütteln reagieren, argumentieren Fans der Technik mit ihren vielen Vorteilen.

Nicht zuletzt soll das weitere Spreizen der Beine und die gezwungenermaßen aufrechte Haltung dabei helfen die Blase zu entleeren und so Infektionen vorbeugen und helfen diese schnell auszukurieren.

Das sagt die Ärztin

Jeder kann gerne sich auf der Toilette so platzieren, wie es für Ihn/Sie gemütlich ist. Die natürliche Position in der der Darm und die Blase am besten entleert werden kann ist tatsächlich in der Hocke, wie es in asiatischen Ländern noch Gang und Gäbe ist. In dieser Position sind die Organe gerade und gestreckt, und die Fäkalien können am besten passieren. Die Beine können dabei gespreizt oder zusammen sein, das ist geschmackssache. Ebenfalls ist es relativ unerheblich, ob man diese Position nun mit dem Gesicht nach vorne oder hinten gerichtet einnimmt. Wichtig ist, dass man im Anschluss auf die Wischrichtung achtet, um die Bakterien vom Analbereich nicht wieder nach vorne zu wischen, und darauf, dass alles generell schön sauber ist.

Ein Schemel oder eine Fußbank sollen auch auf dem Klo Erleichterung schaffen. Tatsächlich soll die erhöhte Position der Füße helfen eine hockende Position auf dem WC einzunehmen und und so einen Knick im Enddarm verhindern und die Entleerung erleichtern. Angeblich soll dieser Trick auch bei Blasenentzündungen helfen indem das Wasserlassen erleichtert und so Schmerzen gemindert werden.

Das sagt die Ärztin

Die natürliche Position in der der Darm und die Blase am besten entleert werden kann ist tatsächlich in der Hocke, wie es in asiatischen Ländern noch Gang und Gäbe ist. In dieser Position sind die Organe gerade und gestreckt, und die Fäkalien können am besten passieren. Somit würden Schmerzen, die durch eingeengte Urinpassage verursacht werden, reduziert. Allerdings werden die Schmerzen selten wegen einem Einknick in der Harnröhre verursacht, vor allem bei den 4 cm harnröhre bei Frauen. Wichtig ist auch, dass man im Anschluss auf die Wischrichtung achtet, um die Bakterien vom Analbereich nicht wieder nach vorne zu wischen, und darauf, dass alles generell schön sauber ist.

Besonders durch Reibung beim Geschlechtsverkehr können Bakterien in die Harnwege gelangen und so Infektionen auslösen. Doch auch die Wahl der Stellung soll maßgeblichen Einfluss auf das Risiko haben.

Das sagt die Ärztin

Die Bakterien die eine Blasenentzündung begünstigen befinden sich im Anal- als auch Scheidenbereich. Anatomisch befinden sich die Harnröhrenöffnung, Vagina und Darmende sehr nah beieinander, und kann deshalb beim Geschlechtsverkehr kaum umgangen werden. Allerdings kann man beispielsweise in der Seitenlage den Kontakt zur Harnröhrenöffnung verringern. Auch empfiehlt es sich, nach dem Analverkehr nicht direkt in die Nähe der Öffnung zu kommen. So verringert man die Keimbelastung und die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Frauen sollten nach dem Verkehr möglichst die Blase leeren, und den Bereich mit pH-neutralen Mitteln reinigen. Außerdem sollte möglichst viel Wasser getrunken werden, um die Blase und Harnröhre durchzuspühlen. Auch sollte mechanische Reibung durch enge Unterwäsche und Hosen vermieden werden, weil diese auch Keime in die Öffnung “hin reiben” kann.

Kokosöl wurde in den letzten Jahren eine Unzahl positiver Eigenschaften zugeschrieben - da dürfen Heilkräfte gegen Harnwegsinfektionen nicht außen vor gelassen werden.

Angeblich soll eine Messerspitze, vor dem Sex in die Vagina eingeführt, Blasenentzündungen dank Laurinsäure verhindern. Manche gehen noch weiter und nutzen das Öl direkt als natürlichen Ersatz für Gleitmittel.

Das sagt die Ärztin

Kokosöl kann anstatt von Gleitmittel verwendet werden, sollte aber nicht zur Durchspülung verwendet werden. Nach dem Verkehr kann man es mit lauwarmen Wasser abspülen; wenn es sich ohne Seife nicht entfernen lässt, achten Sie darauf, pH-neutrale Seifen im Intimbereich zu verwenden, sonst begünstigen sie wiederum eine Infektion. Zusätzlich wurde dem Kokosöl eine Wirksamkeit gegen Vaginalpilz zugeschrieben, weil es das Milieu im Intimbereich positiv beeinflusst. Auch sorgen der hohe Gehalt an Vitamin C und Kupfer zur erhöhten Durchblutung, was die generelle Immunabwehr tendenziell erhöht. Allerdings ist das kein Schutz gegen eine Blasenentzündung. Wichtig ist auch zu wissen, dass Kokosöl die integrität der Latexkondome beeinträchtigen kann, was bedeutet dass es schneller reissen kann.

Bier (am besten mit Honig) auf ca. 40 Grad erwärmt soll vor allem bei Erkältungen helfen. Doch auch bei Blasenentzündungen wird es gelegentlich empfohlen unter anderem weil es harntreibend wirken soll.

Das sagt die Ärztin

Viel trinken kann generell nicht schaden. Entwässerung bzw viel Wasserumsatz in der Niere hilft dabei, die Niere durch zu spülen und im Idealfall lästige Bakterien auszuscheiden. Bier hat allerdings keine nachgewiesene antibakterielle Wirkung, auch wenn diese der Hefe immer wieder zugeschrieben wird. Hefe verfügt über viele B-Vitamine, die den Stoffwechsel und das Immunsystem fördern. Um diese Wirkung zu entfalten, muss die Hefe allerdings vorher aus ihrer geschützten Form befreit werden, was der Körper selbstständig nicht kann. Deshalb ist Hefe vor allem für die Darmflora von Vorteil und wird in der Regel entsprechend bei Durchfallerkrankungen eingesetzt.

Gehackte Zwiebel mit hilfe eines Stücks Verbandmull an den Fußsohlen anbringen, Socken drüber und ab unter die Decke. Eine etwas andere Art der Abendroutine die angeblich besonders gut bei akuten Blasenentzündungen helfen soll.

Das sagt die Ärztin

Zwiebeln sind eins der altbekanntesten Hausheilmittel überhaupt. Und da ist was dran: durch Inhaltsstoffe wie diverse Vitamine, ätherisches Öle, schwefelartige Verbindungen wie Alliin und Mineralstoffe kann die Zwiebel ihre antibakteriellen, entzündungshemmenden und antiallergischen Wirkungen entfalten. Zusätzlich wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Inhaltsstoffe vor allem Gefäßerkrankungen vorbeugen können indem sie Gefäße stärken und die Blutfettwerte senken.

Im Fall der Zwiebelsocken entfalten die Stoffe ihre Wirkung über die Haut: sie reizen die Haut, was zur erhöhten Durchblutung führt. Die erhöhte Durchblutung im Fußbereich führt automatisch zur erhöhten Durchblutung im Beckenbereich, um das Blut in Richtung Herz abtransportieren zu können. Erhöhte Durchblutung führt zu mehr Zellen des Immunsystems in dem Bereich, was eine erhöhte Bekämpfung eines beginnendem oder bestehendem Harnwegsinfekt bedeuten kann. Zwiebelsocken kann man bis zu vier Stunden tragen, sollen aber vorher entfernt werden, sollten sie unangenehm werden.

Wechselduschen soll bekanntlich das Immunsystem stärken. Angeblich soll Frau auch Harnwegsinfekten vorbeugen können indem man den Unterleib durch abduschen mit kaltem Wasser abhärtet.

Das sagt die Ärztin

Im Falle einer Entzündung sollte man Kälte vermeiden. Das stockt die Durchblutung und somit die Zufuhr von Zellen des Immunsystems, und führt zur allgemeinen muskulären Verspannung. Warme Sitzbäder sind mehr zu empfehlen, oder auch ein warmes Fußbad. Diese regen die Durchblutung an und sind deshalb förderlich gegen Blasenentzündungen. Auch können Sie bestimmte Heilmittel in das Sitzbad rein tun, was zusätzlich antibakteriell und immunfordernd wirken kann. Sie sollten es allerdings auch nicht übertreiben - viele Sitzbäder können das Intim Milieu auch aus dem Gleichgewicht bringen und der Heilung entgegenwirken.

Quellen

  • Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten (S3-Leitlinie). Deutsche Gesellschaft für Urologie. Stand April 2017.
  • Micali et al.: Cranberry and recurrent cystitis: more than marketing? Crit Rev Food Sci Nutr. 2014;54(8):1063-75.
  • Deutsche ApothekerZeitung: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2012/daz-42-2012/gesundheitstees-in-der-kritikAbgerufen am 18.10.2019.
  • Schlicher et al.: Leitfaden Phytotherapie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; Auflage: 4 (18. Oktober 2010).
  • Kulchavenya: Acute uncomplicated cystitis: is antibiotic unavoidable? Ther Adv Urol. 2018 Jun 20;10(9):257-262.
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