Ödeme
Ödeme

Ursachen, Diagnose, Behandlung & Prävention

Ursachen für Ödeme

Die Ursachen für Wassereinlagerungen können sehr unterschiedlich sein. Wie bereits beschrieben, kann alles, was die feinen Wasserkreisläufe und deren Regulierung beeinflusst, Auslöser für Ödeme sein.

Nach langem Sitzen oder Stehen fühlen sich die Beine dicker an und können auch mal weh tun. Das ist allerdings ganz normal, weil das Wasser der Erdanziehung folgt. Außerdem fördert Bewegung durch Muskelkontraktionen den Abtransport von Blut über die relativ weichen Venen. Sommerliche Hitze begünstigt ebenfalls den Wasseraustritt in das Gewebe, weil Hitze die Gefäße erweitert.

Der Blutdruck entsteht durch die natürlich Erdanziehungskraft und so f__ührt zu viel sich aufstauendes Blut zu erhöhten Blutdruck__. Erkrankungen die das verursachen haben meistens mit dem Herz Kreislaufsystem zutun.

Beispielsweise Herzinsuffizienzen können hierzu führen. Das Herz ist dafür zuständig, das Blut effektiv durch das Kreislaufsystem zu pumpen. Ist es geschwächt, staut sich Blut an und tritt nach außen in das Gewebe. Dies passiert meistens in den Beinen, da es der Schwerkraft nach unten folgt.

Wenn die Niere geschwächt ist bei Niereninsuffizienzen (geschwächte Niere allgemein), dem Nephrotischen Syndrom (geschwächte Nierenkörperchen) oder der Glomerulonephritis (chronische Nierenenkörperchen-Entzündung) kommt es auch zu generalisierten Wassereinlagerungen. Das liegt entweder daran, dass die Niere zu viele Eiweiße mit dem Urin ausscheidet, die normalerweise im Blut Wasser binden und dort behalten. Dieses Wasser ist dann auf einmal auf sich selbst gestellt und wird in das Gewebe gedrückt, um Ausgleich zu schaffen. Bei einer Niereninsuffizienz, bei der die Funktion stark eingeschränkt ist, kommt es zu weniger Wasserausscheidung und somit zu mehr Wasser im Blut. Das muss auch wieder irgendwo hin und wird in das umliegende Gewebe gedrückt.

Auch kann die Nebennierenrinde ihren Beitrag leisten, weil sie ein Hormon produziert, das über die Niere den Blutdruck erhöht. Es gibt Sensoren in Herznähe, die bei niedrigem Blutdruck die Nebennierenrinde dazu veranlassen, mehr von dem Hormon zu erzeugen. Das kann oft Teil eines Teufelskreises werden, weil das Blut unten in den Beinen austritt und oben das Signal gesendet wird, dass nicht genug Blutvolumen vorhanden ist. Die Niere produziert weniger Urin, der Blutdruck steigt und tritt in den Beinen weiter aus.

Die Leber hat viele Funktionen, eine davon ist es, Eiweiße und andere Proteine zu produzieren und zu filtern, die im Blut das Wasser binden und wichtige Stoffe transportieren. Bei einer Leberzirrhose funktioniert das nicht mehr richtig. Das venöse Blut wird aufgestaut, wenn sie nicht mehr richtig funktioniert. Das venöse oder blaue Blut, also ohne Sauerstoff, läuft von den Bauchorganen nämlich zuletzt durch die Leber, bevor es in das rechte Herz läuft. Wenn die Leber nicht richtig funktioniert, kann es manchmal dazu kommen, dass das Blut “liegen bleibt” und sich bis in die Organe im Bauchinnenraum aufstaut und raus gedrückt wird.

Ähnliches passiert auch bei Malnutrition; aufgrund des Mangels an wichtigen Stoffen kommt es zu Eiweißmangel im Blut. Wenn das Blut nicht mehr genug Eiweiße enthält, kann das dazu führen, dass das Wasser in den Bauchinnenraum angesammelt wird. Daher wird das Wasser aus dem Blut nach außen bewegt, um das “Gleichgewicht” zu halten. Deshalb sieht man in Entwicklungsländern oft kleine Kinder, die stark unterernährt sind, aber trotzdem einen großen runden Bauch haben: das sind die Wasseransammlungen im Bauchinneren.

Das Blut wird in den Kapillaren, also den kleinsten Formen von Gefäßen, in das umliegende Gewebe gedrückt. Anschließend wird das Wasser entweder mit der Lymphe oder über die venösen Gefäße wieder im Kreislauf abtransportiert. Wenn die Venen dann kaputt sind, führt das ebenfalls zur Aufstauung und zur Entstehung von Wassereinlagerungen.

Krankheiten, die Venen kaputt machen, sind zum Beispiel die chronisch venöse Insuffizienz oder das postthrombotische Syndrom. Auch eine Thrombose kann den venösen Abfluss zu behindern, sodass ein Ödem entsteht. Bei den ersten beiden Fällen werden die Gefäßklappen, die normalerweise für den Abfluss von Blut zuständig sind, so geschädigt, dass sie das nicht mehr können. Das kann alle möglichen Gründe haben: es kann angeboren sein, kann durch Bindegewebsschwächen, Entzündungen oder auch Verletzungen entstehen oder eben durch komplizierte Thrombosen.

Die Thrombose selbst behindert den Abfluss dadurch, dass sie das komplette Gefäß verstopft. Das Blut kann nirgends mehr hin und wird nach außen gedrückt.

Im Rahmen von Schilddrüsenüber- als auch -unterfunktionen können in besonders komplizierten Fällen Myxödeme auftreten. Ihr Name wird von ihrem Aussehen abgeleitet: “Myxa-” für Schleim und “Ödema” für die Schwellung.

Diese Schwellungen treten auf Hautebene auf, sind wesentlich fester und hinterlassen keine Delle nach dem Eindrücken. Manchmal verfärbt sich die Haut auch rötlich. Der Mangel an Schilddrüsenhormonen führt höchstwahrscheinlich zu einem verminderten Abbau von Glykosaminoglykanen, speziell wasserbindenden Molekülen wie Hyaluronsäure. Diese lagern sich ab, binden Wasser und führen zu einem generalisiert aufgeschwemmten Erscheinungsbild. In ganz fortgeschrittenen Fällen kann es auch zu Pleuraergüssen kommen.

Das schlimmste Erscheinungsbild ist das Myxödemkoma, was weniger mit den Ödemen zutun hat als mit dem gemeinsamen Grund. Durch äußere extreme Faktoren wie Kälte, Erkrankung oder Medikamente kann bei nicht therapierten Patienten ein komatöser Zustand auftreten mit extrem niedriger Körpertemperatur, Hypoventilation, niedrigem Puls und Blutdruck. Ein generalisiertes Myxödem kann zusätzlich auftreten.

Bei einer Hyperthyreose, speziell dem autoimmun bedingten Morbus Basedow, kann ein spezielles Myxödem um die Augen oder an den Schienbeinen auftreten. Das unterliegt einem anderen Mechanismus. Die Antikörper die auch die Schilddrüse in dieser Erkrankung angreifen, reagieren auch auf Rezeptoren in diesen beiden Körper Arealen. Bestimmte Zellen werden überstimuliert, die zu einer Vergrößerung oder Anschwellung des Gewebes führt.

Es gibt mehrere Ursachen, die zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Gefäße für Flüssigkeit führen. Diese Wassereinlagerungen sind dann in der Regel sehr lokalisiert um die Ursache herum. Hier gehören Verletzungen dazu, Entzündungen, allergische Reaktion als auch Verbrennungen. Auch Erkrankungen der Gefäße oder Autoimmunerkrankungen der Haut können zu einer erhöhten Wasserdurchlässigkeit führen; diese weisen allerdings auch generalisierte Ödeme auf.

Wenn Gefäße durch diese Verbrennungen oder Verletzungen beeinträchtigt werden, kann man sich das fast wie ein Loch im Fahrradreifen vorstellen. Bei Allergischen Reaktionen oder Entzündungen, führen allerdings die körpereigenen Substanzen dazu, dass Gefäße erweitert werden, die Durchlässigkeit erhöht wird als Teil des Entzündungsprozesses. Das kann aber auch im Bereich des Rachens passieren und so weit anschwellen, dass keine Luft mehr passieren kann. Das ist dann ein Notfall.

Autoimmunerkrankungen der Gefäße schädigen diese so nachhaltig, dass irgendwann die Grundfunktion der Wände nicht mehr gewährleistet ist. Somit wird auch der Wasserhaushalt nicht richtig reguliert und Wasser tritt unkontrolliert an Stellen, wo es nicht hin soll.

Auch können Tumore oder Bestrahlung zu unkontrolliertem Wasserfluss führen. Tumore können Gefäße blockieren, was zur Aufstauung führt. Sie können aber auch Gefäßwände manipulieren oder verletzen. Bei Bestrahlungen sind Beeinträchtigungen der kleinen Gefäße häufige Nebenwirkung, weil sie sehr oberflächlich liegen und sensibel sind.

Auch unterschiedlichste Medikamente können zu Wassereinlagerungen führen. Das ist ganz individuell abhängig vom Wirkungsmechanismus des jeweiligen Medikaments. Hier gehören unter anderem Antidepressiva dazu, aber auch Bluthochdruckmedikamente, Hormonersatztherapie, Glukokortikoide oder Entzündungshemmer. Wenn Sie das betrifft, konsultieren Sie ihren Arzt wegen einer Alternativtherapie oder Dosierung.

bildliche Darstellung
Häufig gestellte Fragen über Wassereinlagerungen

Kalium wirkt entwässernd. Somit ist es sinnvoll, kaliumhaltige Tees zu trinken, oder kaliumhaltige Lebensmittel zu sich zu nehmen. Hierzu gehören zum Beispiel Brennessel oder Grüner Tee, als auch Johanniskrauttee. Dieser sollte aber von Frauen vermieden werden, die mit oralen Kontrazeptiva verhüten.

Bei folgenden Situationen ist es wichtig, sobald wie möglich zum Arzt zu gehen: 1. Die Schwellung ist warm oder gerötet oder sehr schmerzhaft 2. Wenn die neue Schwellung mit Fieber einher geht 3. Bei Atemnot oder Bewusstlosigkeit 4. Wenn die Gliedmaßen bläulich bis rötlich verfärbt sind oder 5. sich sehr kalt anfühlen.

Die Ursachen für Wassereinlagerungen können sehr unterschiedlich sein. Wenn sie nach ein paar Tagen nicht wieder weg gehen, kann die Ursache durchaus langfristig gefährlich sein. In dem Fall empfiehlt es sich in jedem Fall, einen Arzt aufzusuchen.

Quellen

  • Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012.
  • Hahn: Checkliste Innere Medizin. 6. Auflage. Thieme 2010.
  • Flasnoecker (Hrsg.): TIM, Thieme's Innere Medizin. Thieme 1999.
  • Wiggli, B., Imhof, E., Meier, Ch. A., Laifer, G.: Water, water, everywhere. In: The Lancet, März 2013, Bd. 381, Nr. 9868, S. 776.
  • Burton D. Rose: Pathophysiology and etiology of edema in adults. In: UpToDate. Nr. 15.2, 2007 (Artikel).
  • Robert W. Schrier: Decreased Effective Blood Volume in Edematous Disorders: What Does This Mean? In: J Am Soc Nephrol. Nr. 18, 2007, S. 2028–2031.
  • https://www.lecturio.de/magazin/wasser-und-natriumhaushalt/#der-natriumhaushalt
  • Martin Wehling: Klinische Pharmakologie. Thieme, 2011.