Spannungskopfschmerzen sind die häufigsten Kopfschmerzen
  1. Was sind Spannungskopfschmerzen?
  2. Symptome von Spannungskopfschmerzen
  3. Ursachen - woher kommen die Kopfschmerzen?
  4. Wie wird bei Spannungskopfschmerzen diagnostiziert?
  5. Spannungskopfschmerzen behandeln
Spannungskopfschmerzen sind die häufigsten Kopfschmerzen
Auf einen Blick
  • Im Gegensatz zu Migräne haben Spannungskopfschmerzen keine Begleitbeschwerden außer Muskelverspannungen.
  • Sie können über wenige Minuten bis zu Tagen andauern. Ab 15 Tagen im Monat gilt die Krankheit als chronisch.
  • In der Regel reichen rezeptfreie Schmerzmittel zu Behandlung aus. Diese sollten aber nicht an mehr als 10 Tagen im Monat eingenommen werden.

Was sind Spannungskopfschmerzen?

Spannungskopfschmerzen sind milde bis mäßige dumpf-drückende Kopfschmerzen. Sie gelten als die häufigste Kopfschmerzerkrankung in Deutschland. Je nach Studie sollen 40 bis 90 % der erwachsenen Bevölkerung zumindest gelegentlich unter betroffen sein.

Am häufigsten treten sie im dritten Lebensjahrzehnt auf, wobei auch bereits Kinder betroffen sein können. Frauen leiden etwas häufiger unter diesem Krankheitsbild als Männer.

Neben dem Spannungskopfschmerz sind die beiden anderen häufigen Formen von primärem Kopfschmerz, d.h. Kopfschmerz ohne zugrunde liegender Erkrankung, die Migräne und der Cluster-Kopfschmerz.

Symptome von Spannungskopfschmerzen

Spannungskopfschmerzen präsentieren sich typischerweise als dumpf-drückende Kopfschmerzen milder bis mäßiger Intensität, die den gesamten Kopf, die beidseitige Stirnregion oder das Hinterhaupt betreffen. Einige Patienten vergleichen die Schmerzen mit dem Gefühl, einen zu engen Hut zu tragen.

Die Schmerzepisoden können von 30 Minuten bis zu 7 Tagen andauern und treten meist beidseitig, in seltenen Fällen aber auch einseitig auf. Häufige Lokalisationswechsel sind typisch. Die Schmerzen treten also bei unterschiedlichen Episoden in der Regel an unterschiedlichen Regionen auf.

Anders als bei Migräne verstärken sich die Kopfschmerzen nicht bei körperlicher Tätigkeit und es treten bis auf häufig berichtete Muskelverspannungen keine Begleitbeschwerden auf (wie etwa Erbrechen). Höchstens eine Lärm- oder Lichtempfindlichkeit und bei chronischen Spannungskopfschmerzen auch eine leichte Übelkeit können auftreten. Neurologische Ausfälle wie Seh- oder Empfindungsstörungen wie sie z. B. bei der Migräne mit Aura vorkommen, schließen Spannungskopfschmerzen aus und sollten stets von einem Arzt untersucht werden. Allerdings können Personen auch an Spannungskopfschmerzen und Migräne leiden.

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Es wird zwischen episodischen und chronischen Spannungskopfschmerzen unterschieden. Episodische Spannungskopfschmerzen liegen bei einer Frequenz von mindestens 10 Kopfschmerzepisoden an insgesamt weniger als 15 Tagen pro Monat vor, dies über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten. Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen hingegen leiden an mindestens 15 Tagen pro Monat an Kopfschmerzen, auch mindestens über einen Zeitraum von drei Monaten. Dies entspricht Spannungskopfschmerzen an über 180 Tagen im Jahr. Etwa drei Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an chronischen Spannungskopfschmerzen, die meist aus der episodischen Form hervorgehen.

Ursachen - woher kommen die Kopfschmerzen?

Die Ursachen von Spannungskopfschmerzen sind weitestgehend ungeklärt. Die möglichen Auslöser sind vielfältig, dazu zählen Begleiterkrankungen wie:

  • Depressionen

  • Angststörungen

  • Stress

  • Muskelverspannungen

Bei vielen Betroffenen lässt sich eine erhöhte Empfindlichkeit der Muskeln im Kopf-, Hals- und Schulterbereich feststellen.

Wie wird bei Spannungskopfschmerzen diagnostiziert?

Die ärztliche Diagnostik basiert auf der genauen Befragung des Patienten zu seinen Beschwerden sowie möglichen Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme.

Für die Diagnose sind folgende Kriterien wichtig:

  • bereits mindestens 10 aufgetretene Episoden

  • Dauer zwischen 30 Minuten und sieben Tagen

  • zwei der folgenden Kriterien: beidseitige Lokalisation, drückende oder pressende Schmerzqualität (nicht pulsierend), milde bis moderate Intensität, nicht durch körperliche Aktivität verschlimmert

  • keine Übelkeit oder Erbrechen (bei chronischen Spannungskopfschmerzen leichte Übelkeit möglich, aber keine stärkere Ausprägung)

  • höchstens Licht- oder Lärmempfindlichkeit

Wie oben beschrieben liegen episodische Spannungskopfschmerzen an <15 Tagen/Monat und chronische Spannungskopfschmerzen an ≥ 15 Tagen/Monat über mindestens drei Monate vor.

Es erfolgt zudem eine ausführliche neurologische Untersuchung. Weiterführende Untersuchungen wie bildgebende Verfahren oder Laboruntersuchungen werden in der Regel nur durchgeführt, wenn der Arzt in der Anamneseerhebung oder Untersuchung Hinweise auf neurologischen Auffälligkeiten oder eine andere zugrunde liegende Ursache findet, und diese ausschließen möchte.

Besonders wichtig ist es, andere möglicherweise therapierbare Kopfschmerzformen auszuschließen. Hierzu gehören eine Migräne, eine Erhöhung des Liquordrucks oder sogenannte Medikamenten-induzierte Kopfschmerzen. Die übermäßige Selbstmedikation von Spannungskopfschmerzen mit Schmerzmitteln kann mit der Zeit zu chronischen Kopfschmerz führen und so einen Teufelskreis auslösen.

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Spannungskopfschmerzen behandeln

An erster Stellen stehen nicht-medikamentöse Maßnahmen, um der Chronifizierung vorzubeugen. Dazu zählen ein leichtes Ausdauertraining (z. B. Schwimmen, Joggen), die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Entspannungstechniken sowie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen (z. B. Schreibtischhöhe). Im Gespräch mit einem Arzt kann ein umfassendes Therapiekonzept zur Vorbeugung von Kopfschmerzepisoden erarbeitet werden.

Falls eindeutige Auslöser wie Begleiterkrankungen identifizierbar sein, sollten diese behandelt werden.

Kopfschmerztagebuch führen

Ärzte raten ihren Patienten oft ein Kopfschmerztagebuch zu führen. Darin sollen die Kopfschmerz- und eventuelle Begleitsymptomatik sowie ggf. angewandte Hausmittel oder Medikamente und ihre Wirkung notiert werden.

Somit können sich Betroffene einen Überblick darüber verschaffen, wie häufig sie an den Spannungskopfschmerzen leiden und was Ihnen hilft.

Es gibt einige Anzeichen bei Kopfschmerzen, bei denen Sie einen Arzt zur Abklärung aufsuchen sollten. Dazu zählen unter anderem:

  • begleitende psychische Symptome wie z. B. Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses oder der Orientierung

  • erstmaliges Auftreten nach dem 40. Lebensjahr

  • Auftreten nach Kopfverletzungen

  • hohes Fieber

  • Zunahme der Frequenz, Dauer oder Intensität trotz Medikation

  • ungewöhnliche Dauer, Intensität oder Lokalisation

  • Auftreten während oder nach körperlicher Aktivität und/oder sehr starker Intensität mit Ausstrahlung vom Hals

  • begleitende Krampfanfälle oder Einschränkungen des Bewusstseins

  • Kopfschmerzen reagieren nicht mehr auf zuvor wirksamen Medikamente

Im Zweifel sollte immer ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Therapiemöglichkeiten

Viele Patienten behandeln Spannungskopfschmerzen mit rezeptfreien Schmerzmitteln in Selbstmedikation. Dies kann bei gelegentlichen Beschwerden sinnvoll sein.

Bei häufigen Kopfschmerzepisoden birgt eine übermäßige Selbstmedikation jedoch die Gefahr die Beschwerden im Sinne eines Medikamenten-induzierten Kopfschmerzes zu verstärken. Freiverkäufliche Schmerzmedikamente sollten daher an nicht mehr als zwei bis drei Tagen pro Woche eingenommen werden.

Einige Studien konnten zeigen, dass bereits das Auftragen von Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen zu einer Besserung der Beschwerden führt.

Eine Kombination von Verhaltenstherapie und medikamentöser Behandlung hat sich als besonders wirkungsvoll in der Vorbeugung von Kopfschmerzepisoden des Spannungstyps erwiesen.

Quellen

  • Straube A et al.: Therapie des episodischen und chronischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp und anderer chronischer täglicher Kopfschmerzen. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Stand März 2015. Abgerufen am 26.04.2019.

  • Hufschmidt A et al.: Neurologie compact – Für Klinik und Praxis. 7. Auflage. Thieme, September 2017.

  • Gelbe Liste Pharmaindex: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Amitriptylin_21901. Abgerufen am 26.04.2019.

  • Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS) (2018). The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition. Cephalalgia, 38(1), 1–211, unter: https://doi.org/10.1177/0333102417738202 [abgerufen am 29.05.2020]

  • Amboss (05.12.2019): Spannungskopfschmerz, unter https://next.amboss.com/de/article/3i0Srf#Zcfe8fe93e7e85c8df5c0fd7a19e5cb94 [abgerufen am 29.05.2020]

  • Haag G., Diener H.C., May A. (2011). Self-medication of migraine and tension-type headache: summary of the evidence-based recommendations of the Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), the Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), the Österreichische Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG) and the Schweizerische Kopfwehgesellschaft (SKG). J Headache Pain, 12(2):201‐217, unter doi:10.1007/s10194-010-0266-4

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