Schuppenflechte behandeln

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Was ist eine Schuppenflechte?

Die Schuppenflechte, fachsprachlich auch Psoriasis genannt, ist eine häufige Hauterkrankung. Sie ist durch eine Entzündung und Schuppung der Haut gekennzeichnet ist. Der Name Psoriasis wurde abgeleitet vom griechischen Wort „psao“, was „kratzen“ bedeutet und für die Betroffenen in der Regel ein vordergründiges Problem einer Schuppenflechte darstellt.

Es handelt sich zum Teil um eine erbliche Erkrankung die durch verschiedene Auslöser ausbricht. Meistens verläuft die Erkrankung schubförmig, wobei die Form und Schwere können sehr unterschiedlich sein.

Neben dem Juckreiz leiden Patienten vor allem am Aussehen der betroffenen Hautstellen. Im Fall eines Ausbruchs sollte daher schnell gehandelt werden. Mit der passenden Therapie, die in der Regel auch Medikamente beinhaltet, lassen sich Schuppenflechten meist gut behandeln. Komplett ist Psoriasis bisher jedoch nicht heilbar.

Warum entsteht Schuppenflechte?

Etwa ein bis zwei Prozent aller Deutschen sind von einer Psoriasis betroffen. Männer und Frauen leiden gleich häufig and Schuppenflechten. Das erste Auftreten ist in jedem Alter möglich. Typ Eins beginnt häufig im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt und Typ Zwei eher nach dem fünften Lebensjahrzehnt.1-3

Die Erkrankung hat eine genetische Ursache, wobei gleich mehrere Gene verantwortlich sind.4, 5 Es ist bisher noch nicht geklärt ob beide Eltern betroffen sein müssen, oder ob die Psoriasis auch von nur einem Elternteil vererbt werden kann.

Damit es zu einem Ausbruch und dem Erscheinen von Hautläsionen kommt, sind aber auch sogenannte „Triggerfaktoren“ nötig. Das bedeutet, dass die Symptome erst durch einen Auslöser entstehen. Auch die Stelle und die Stärke des Ausbruchs hängen von diesen Triggerfaktoren ab.

Derselbe Faktor kann immer wieder zu Ausbrüchen führen. Es ist somit ratsam, die Triggerfaktoren zu identifizieren um sie zu vermeiden oder Ausbrüche schnell behandeln zu können.

Häufige Trigger einer Schuppenflechte sind6-9

  • Reibungen oder Verletzungen der Haut wie Tattoos, Schnitt- oder Schürfwunden oder reibende Kleidung,
  • Entzündungen wie Erkältungen oder Infekte der oberen Atemwege,
  • Medikamente (z.B.: Betablocker, Lithium, Chloroquin),
  • Alkohol,
  • Rauchen,
  • Übergewicht,
  • Wetterbedingungen - häufig ist eine Verschlechterung bei Kälte und Verbesserung bei Wärme zu erkennen,
  • Psychische Einflussfaktoren wie Stress und starke Belastung.


Die Psoriasis ist häufig mit anderen Erkrankungen vergesellschaftet. Betroffene leiden daher meist auch an anderen Erkrankungen. Besonders häufig sind es Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn, Zöliakie, Vitiligo oder kreisrundem Haarausfall.

Wie erkennt man eine Schuppenflechte?

Die Schuppenflechte entsteht, weil die Zellen der Oberhaut plötzlich siebenmal schneller wachsen als im gesunden Zustand. Dieses rasante und unkontrollierte Wachstum führt zur Entstehung der Schuppenschicht. Normalerweise dauert die Hauterneuerung 28 Tage, bei einem Psoriasis Ausbruch sind es nur noch circa drei Tage.

Wie sehen die Hauterscheinungen aus?

Meistens handelt es sich bei der Schuppenflechte um scharf begrenzte Rötungen mit starker und fest anhaftender Schuppung, die grob und weiß-silbrig ist.

Häufig von Schuppenflechten betroffen sind:

  • Ellenbogen
  • Knie
  • Kopfhaut
  • Unterer Rücken
  • Bauchnabelregion
  • Gesichtshaut und Ohren
  • Hand- und Fußflächen
  • Genitalien

Zusätzlich haben etwa die Hälfte der Betroffenen auch Symptome an den Nägeln. Es kommt zu sogenannten „Tüpfelnägeln“. Die Nägel bekommen kleine runde Einziehungen. Auch eine Abhebung der Nagelplatte oder „Ölflecken“ sind möglich. Dabei handelt es sich um gel-braune Flecken auf dem Nagel.10

Besonders störend finden viele Betroffene den dauerhaften Juckreiz. Durch Kratzen und das Reizen der Hautstelle wird zusätzlich die Heilung verlangsamt und die Schuppenflechte wir aufrechterhalten.

Unterschiedliche Arten von Schuppenflechten

Es gibt zwei Formen von Psoriasis, Typ Eins und Typ Zwei. Der Hauptunterschied ist, dass Typ Eins früher beginnt als Typ Zwei.

Typ Eins beginnt meistens zwischen dem zehnten und dem dreißigsten Lebensjahr. Mit 60 – 70 Prozent ist sie deutlich häufiger als Typ Zwei. Meistens sind mehrere Personen in einer Familie betroffen. Der Verlauf kann schwerwiegend sein.

Typ Zwei tritt in der Regel ab dem vierzigsten Lebensjahr auf. Es kommt seltener vor, dass mehrere Familienmitglieder betroffen sind und die Krankheit verläuft meist leichter als beim Typ Eins.

Da es sich bei der Schuppenflechte um eine chronische Erkrankung handelt, kann es immer wieder zum Ausbruch kommen. Meistens verläuft die Erkrankung schubweise, also mit Zeiträumen ohne Hautläsionen zwischen den Ausbrüchen.

Spezielle Formen der Psoriasis

Es gibt noch einige Sonderformen der Psoriasis. Bei der Psoriasis inversa kommt es vor allem zu Ausbrüchen in Hautritzen und Innenseiten von Gelenken und es gibt wenig Schuppung. Andere Formen führen nur zu münzgroßen Ausbrüchen oder betreffen nur Hände und Füße.

Bei der Sonderform der Psoriasis pustulosa kommt es zusätzlich zu weißen Punkten. Dabei handelt es sich um Ansammlungen von Immunzellen. Auch ein Befall von bis zu 75 Prozent der gesamten Haut ist möglich und bedarf einer schnellen Behandlung im Krankenhaus.

Wichtig ist außerdem die sogenannte Psoriasis-Arthritis.11, 12 Dabei kommt es zu Gelenkentzündungen, meist der Hände, Füße oder der Wirbelsäule, die gemeinsam mit der Hauterkrankung auftreten. Oft kommt es zur Gelenkentzündung erst nach jahrelangem Leiden an der Schuppenflechte der Haut.

Bei der Psoriasis Arthritis kommt es zu schmerzhaften Schwellungen um die Gelenke und im Verlauf zu einer langsamen Zerstörung der Gelenke. Betroffene berichten außerdem oft, dass ihre Gelenke morgens steif sind.

Etwa jeder fünfte Psoriasis Patient in ärztlicher Behandlung leidet auch an Psoriasis-Arthritis. Bei leichten Schmerzen der Gelenke sollte der Verdacht überprüft werden. Häufig ist die Gelenkzerstörung oft schon weit fortgeschritten, obwohl die Schmerzen noch nicht stark sind. Durch bildgebende Verfahren wie das CT kann die Psoriasis Arthritis erkannt werden.

Wie wird die Schuppenflechte diagnostiziert?

Meistens reicht das typische Hautbild und die Familiengeschichte für die Diagnosestellung aus. Es gibt jedoch einige Phänomene, die typischerweise bei der Psoriasis auftreten.

Beim Kerzenwachs-Phänomen wird vorsichtig eine Schuppenlamelle entfernt. Das ähnelt dem Ablösen eines Stücks getrockneten Wachses von einer Tischdecke, es ist also möglich, bedarf aber ein wenig Geduld. Das Phänomen des letzten Häutchens beschreibt, dass nach Entfernen der Schuppenlamelle eine letzte dünne Hautschicht vorhanden ist. Diese scheint transparent und darunter ist bereits eine Schicht mit vielen kleinen Blutgefäßen sichtbar.

Das Auspitz-Phänomen wiederum beschreibt, dass nach Abkratzen der letzten Schuppe oder Epidermis-Lamelle das „Phänomen des blutigen Taus“ auftritt. Unter der abgenommenen Schuppen-Lamelle kommt es zu kleinen Blutungen, die den Namensgeber an Morgentau auf Blättern erinnert haben.

Die Symptome einer Schuppenflechte sind meistens sehr eindeutig und Fehldiagnosen sind sehr unwahrscheinlich.

Wie kann die Schuppenflechte behandelt werden?

Eine Schuppenflechte kann bisher nicht komplett geheilt werden. Das Ziel der Behandlung bei Schuppenflechte ist daher das Lindern der Beschwerden um so die Lebensqualität zu steigern.

Auch wenn Psoriasis nicht heilbar ist, können die Symptome mit der richtigen und schnellen Behandlung gut kontrolliert werden.

Die Therapie beruht auf drei Prinzipien:13-18

  • Die Hautschuppen sanft auflösen
  • Die Schuppenproduktion unterbrechen
  • Die Entzündung der Haut mindern

Zusätzlich sollten die Schmerzen gemindert werden.

Generell lassen sich drei Behandlungsmethoden unterscheiden: lokal, systemisch und physikalisch. Lokal bedeutet die direkte Behandlung der Haut mit Cremes oder Salben, systemisch meint medikamentös über Mund oder Venenzugang und physikalische Therapien sind Methoden wie die Phototherapie.

Direkte Therapie

Für die direkte Therapie der betroffenen Hautstelle gibt es verschiedene Optionen. Das Fundament stellt die sogenannte „Basistherapie“ dar. Dabei handelt es sich um pflegende Salben, Harnstoff und Salicylsäure. Die Anwendung ist immer zu empfehlen und auch in Phasen ohne Schuppenflechtenausbruch ist eine gute Hautpflege wichtig.

Außerdem gibt es Cortison oder „Glucocorticoide“, wie sie fachsprachlich genannt werden. Cortison ist ein bekannter Wirkstoff, der sehr vielseitig eingesetzt wird. Es kann bei einer starken allergischen Reaktion schnell helfen, aber auch chronische Erkrankungen wie die Schuppenflechte lindern.

Bei der Anwendung auf der Haut muss allerdings bedacht werden, dass es Nebenwirkungen geben kann bei zu langem Gebrauch. Die Haut kann dann dünner werden und man sieht kleine Blutgefäße. Dadurch wird die Haut anfälliger für Entzündungen.

Bei der Schuppenflechte kann es außerdem zum sogenannten „rebound“-Phänomen kommen. Es kommt also zu einem Wiederauftreten des Ausbruchs nach Absetzen der Behandlung.

Weiterhin gibt es die Vitamin-D-Analoga. Dieser Wirkstoff kommt eigentlich aus der Osteoporose-Behandlung und es wurde durch Zufall entdeckt, dass er auch Patienten mit Schuppenflechte hilft. Als Salbe oder Creme wirkt die Arznei indem die Produktion der Schuppen gehemmt wird.

Wenn der Wirkstoff nur äußerlich angewendet wird, kommt es nicht zu den Nebenwirkungen, die von der Osteoporose-Therapie bekannt sind. Vorsichtig sollte man nur sein, wenn bestimmte Stoffwechselerkrankungen vorliegen. Bei Calciumstoffwechselstörungen kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen.

Aus dieser Arzneimittelgruppe ist über Fernarzt Curatoderm erhältlich. Darin ist der Wirkstoff Tacalcitol enthalten, ein Vitamin-D-Analogon. Curatoderm gibt es als Salbe oder Emulsion, wobei die Salbe einen geringeren Wasseranteil hat.

Bei Daivonex handelt es sich ebenfalls um ein Arzneimittel mit einem Wirkstoff aus der Gruppe der Vitamin-D-Analoga, der Calcipotriol genannt wird. Zu dieser Gruppe gehört auch das Medikament Silkis.

Daivobet stellt eine Kombination aus Vitamin-D-Analogon und Cortisonpräparat dar. Es werden also die beiden Wirkmechanismen kombiniert, was für einige Patienten sehr gut geeignet ist. Dovobet enthält eine ähnliche Kombination und kann als Gel bei Fernarzt bestellt werden.

Auch Diprosalic zählt zu den Kombinationspräparaten, allerdings wird die Wirkung über ein Cortison und Salicylsäure erzielt. Wobei letztere vor allem entzündungshemmend wirkt und vielen als Kopfschmerzmittel bekannt ist. Auch die Wirksamkeit von Elosalic beruht auf dieser Kombination.

Zusätzlich gibt es die synthetischen Teerderivate, wie das Dithranol. Auch dieser Wirkstoff hemmt die Schuppenproduktion und mildert die Entzündung. Es kann allerdings zu Nebenwirkungen wie starker Hautrötung und Brennen kommen.

Behandlung mit systemischer Therapie

Eine systemische Therapie, also Medikamenteneinnahme in Tablettenform oder als Veneninfusion, ist nur bei einem sehr schweren Ausbruch der Schuppenflechte angebracht.

Diese Behandlungsform kann häufig nur während eines Krankenhausaufenthaltes verwendet werden. Die zusätzlich eingesetzten Wirkstoffe schwächen beispielsweise das Immunsystem ab, sodass die Entzündung, die der Schuppenflechte zugrunde liegt, vermindert wird.

Physikalische Behandlungsmöglichkeiten

Bei den physikalischen Therapiemethoden ist die Phototherapie besonders wichtig.19 Dabei wird künstliches Sonnenlicht verwendet, um die Schuppenflechte zu behandeln, was bei einigen Patienten sehr erfolgreich ist. Das Licht führt dabei zu einem langsameren Wachstum der Hautzellen und weniger Schuppenbildung. Allerdings kann sich abhängig von der Dosierung das Hautkrebsrisiko erhöhen.

Was kann vorbeugend gemacht werden?

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist das Vermeiden der auslösenden Faktoren, der “Trigger”. Nikotin und Alkoholkonsum können vermindert werden und weiche,__ komfortable Kleidung__ sollte bevorzugt werden. Auch viel frische Luft und moderates Sonnenbaden mit UV-Schutz können helfen.

Eine Gewichtsreduktion und körperliche Aktivität haben nachweislich einen positiven Einfluss, denn das Fettgewebe des Menschen produziert Botenstoffe, sogenannte „Cytokine“, die zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes führen können. Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts belastet viele Betroffene besonders die Stigmatisierung und die fehlende Aufklärung über die Krankheit in der Gesellschaft. Es ist leider nicht allgemein bekannt, dass die Schuppenflechte nicht ansteckend ist. Es gibt jedoch ähnlich aussehende ansteckende Krankheitsbilder.

Bei einer Befragung zur Lebensqualität unter Betroffenen, die zusätzlich zur Psoriasis noch an Diabetes oder Asthma litten, wurde angegeben, dass die Psoriasis den größten Leidensdruck verursacht. Dadurch entsteht schnell ein Teufelskreis, denn der verursachte Stress kann wiederum ein Auslöser von Ausbrüchen sein. Es ist also aus mehreren Gründen sinnvoll, sich bei psychischer Belastung und Problemen Unterstützung zu suchen. Dies kann durch das soziale Umfeld geschehen, aber auch durch professionelle Psychotherapeuten.20, 21

Es gibt viele Artikel und Produkte, die gezielt die Ernährung bei Psoriasis ansprechen. Allerdings ist eine wissenschaftlich Wirkung bei den wenigsten nachgewiesen. Eine normale gesunde Ernährung reicht in der Regel aus Ausbrüche zu reduzieren.

Eine Möglichkeit das erste Auftreten der Schuppenflechte zu verhindern gibt es nicht. Heilbar ist die Erkrankung leider auch nicht, sie ist „chronisch“, bleibt also für den Rest des Lebens. Obwohl es immer wieder zu Schüben kommen kann, die auch mal stärker und langanhaltender sein können, wirken sich eine gute Kenntnis der Erkrankung und eine schnelle Behandlung jedoch positiv auf den gesamten Verlauf aus.

Quellen

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  2. Michalek IM, Loring B, John SM. A systematic review of worldwide epidemiology of psoriasis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology : JEADV. 2017;31(2):205-12.
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  4. Strange A, Capon F, Spencer CC, Knight J, Weale ME, Allen MH, et al. A genome-wide association study identifies new psoriasis susceptibility loci and an interaction between HLA-C and ERAP1. Nature genetics. 2010;42(11):985-90.
  5. Mahil SK, Capon F, Barker JN. Genetics of psoriasis. Dermatologic clinics. 2015;33(1):1-11.
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  7. Poikolainen K, Karvonen J, Pukkala E. Excess mortality related to alcohol and smoking among hospital-treated patients with psoriasis. Archives of dermatology. 1999;135(12):1490-3.
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