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Interstitielle Zystitis

Die interstitielle Zystitis ist ein seltenes, chronisches, noch weitgehend unerforschtes und schmerzhaftes Syndrom, das durch eine Entzündung der Harnblasenwand hervorgerufen wird.

Was unterscheidet die interstitielle Zystitis von einer Blasenentzündung?

Eine Blasenentzündung ist in den meisten Fällen die Folge einer bakteriellen Selbstinfektion, bei der Bakterien aus dem Darm in die Harnblase gelangen und dort eine Entzündung auslösen. In 80 % der Fälle handelt es sich bei dem Erreger der Blasenentzündung um Escherichia coli. Die interstitielle Zystitis hingegen ist abakteriell, wird also nicht durch Bakterien ausgelöst.

Ebenso wie bei der bakteriellen Blasenentzündung sind deutlich mehr Frauen als Männer von einer IC betroffen. Auch die Symptome sind ähnlich, jedoch meist deutlich quälender. Die Betroffenen klagen über scharfe, stechende Schmerzen im Bereich der Blase und der Harnröhre sowie im Genitalbereich. Diese Schmerzen, die mitunter in den gesamten Unterleib ausstrahlen, können sowohl beim Wasserlassen in Verbindung mit Krämpfen als auch im Ruhezustand auftreten.

Häufig kommt auch nächtlicher Harndrang hinzu – bis zu 60 Mal in 24 Stunden. Diese Symptome können dazu führen, dass der Alltag der Betroffenen von Unterleibsschmerzen und dem Gang zur Toilette bestimmt wird, wodurch die Lebensqualität durch die chronische Erkrankung erheblich beeinträchtigt. Da es bisher leider noch keine kausale, ursächliche Therapie gibt, erkranken PatientInnen im Laufe der Zeit häufig zusätzlich an Depressionen oder sind aufgrund ihrer Erkrankung sozial isoliert.

Wodurch wird eine interstitielle Zystitis ausgelöst?

Die Ursache der IC ist bisher noch unklar. Unter anderem werden in der Fachwelt vorhergehende Infektionen, giftige Stoffe sowie allergische, neurologische, hormonelle oder autoimmune Störungen diskutiert.

Die Schleimhaut der Harnblase scheint eine entscheidende Rolle in der Entstehung der IC zu spielen. Sie besitzt normalerweise eine schützende Glykosaminoglykan-(GAG)-Schicht. Wenn diese defekt ist, können aggressive Stoffe aus dem Harn in direkten Kontakt mit der Blasenwand kommen. Dort aktivieren sie Mastzellen, woraufhin Histamin und andere entzündungsfördernde Substanzen freigesetzt werden. Dadurch, dass die freigesetzten Substanzen wiederum die Mastzellen aktivieren, entsteht ein chronischer Entzündungsprozess. Auch psychischer Stress kann diesen weiter begünstigen.

Wie wird eine interstitiellen Zystitis diagnostiziert?

Da die Auslöser einer IC bisher nicht wissenschaftlich geklärt sind, tappen Betroffene und Ärzte häufig lange im Dunkeln, bevor die Diagnose gestellt wird. „Es handelt sich um eine Ausschlussdiagnose“, sagt Prof. Dr. med. Arndt van Ophoven. Er ist leitender Arzt der Abteilung für Neuro-Urologie des Universitätsklinikums in Bochum, die als Kompetenzzentrum für interstitielle Zystitis und Beckenschmerz gilt.1 Das bedeutet, dass die Diagnose gestellt wird indem andere mögliche Erkrankungen schrittweise ausgeschlossen werden.

Um eine IC endgültig festzustellen, fordert der behandelnde Arzt die betroffene Person normalerweise dazu auf, ein Miktionstagebuch zu führen. Das heißt, dass Patienten ihr Toilettengänge aufzeichnen.

Des Weiteren kann eine Zystoskopie (Blasenspiegelung) durchgeführt werden, bei der die charakteristischen Schleimhautblutungen einer einer interstitiellen Zystitis erkennbar werden.

Wie kann einer interstitiellen Zystitis behandelt werden?

Da es bisher keine kausale Therapie gibt, versuchen Ärzte, die Symptome unter anderem mit Analgetika, Antidepressiva, Antiallergika oder Immunsuppressiva zu lindern.3 Auch die intravesikale Therapie ist eine Möglichkeit. Hierbei werden Wirkstoffe (z. B. Pentosanpolysulfat, Heparin, Dimethylsulfoxid, Clorpactin) direkt in die Blase injiziert, sodass die zu 100 % in der Blase ankommen. Bei oral verabreichten Medikamenten sind das hingegen nur 5 - 10 %. Außerdem treten durch die direkte injektion weniger Nebenwirkungen im restlichen Körper auf. Betroffene können sich auf der Seite des gemeinnützigen Vereins ICA über aktuelle Forschungsergebnisse informieren und mit anderen Betroffenen in Kontakt treten: https://www.ica-ev.de/.

Quellen

  1. https://www.marienhospital-herne.de/fachbereiche/klinik-fuer-urologie-abteilung-fuer-neuro-urologie/abteilung-fuer-neuro-urologie.html, 12.03.19
  2. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-102011/staendige-qualen-in-der-blase/, 12.03.19
  3. https://www.aerzteblatt.de/archiv/30183/Chronische-interstitielle-Zystitis, 12.03.19
  4. https://www.amboss.com/de/library#xid=7i04Gf&anker=Z30afbabbcd57b8255d840489ca1dc17e, 12.03.19
  5. https://flexikon.doccheck.com/de/Interstitielle_Zystitis, 12.02.19
  6. Richard Hautmann, Jürgen E. Gschwend: Urologie, Springer Verlag, 5. Auflage, S. 352f
  7. von Heyden, B. ; Schmid, H.-P.: Intravesikale Therapie bei interstitiellerZystitis; Der Urologe A, 2000, Vol.39(6), S.542-544
  8. https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s001200050406.pdf, 15.03.19