Er ist eine Frau und ein Mann zu sehen. Sie hält einen Schwangerschaftstest, er hält ein Kondom.
  1. Verbreitetste Methode: Kondom
  2. Operative Maßnahmen
  3. Hormonelle Verhütung für den Mann
  4. Natürliche Verhütung für den Mann
  5. Häufige Fragen zur Verhütung für den Mann
Er ist eine Frau und ein Mann zu sehen. Sie hält einen Schwangerschaftstest, er hält ein Kondom.

Die beliebtesten Verhütungsmittel der Deutschen sind die Antibabypille und Kondome. In Langzeitbeziehungen liegt die Verantwortung für die Verhütung meist bei der Frau. Seit Einführung der Pille in den 1960er Jahren wurden mehr und mehr Verhütungsmittel für Frauen entwickelt. Es gibt auch Möglichkeiten wie der Mann die Verhütung selbst in die Hand nehmen kann.

Bei der Verhütung für den Mann gibt es drei verschiedene Ansätze:

  • Kontakt von Spermien und Eizellen unterbinden

  • Spermienproduktion beeinflussen

  • Reifung der Spermien in den Nebenhoden beeinträchtigen

Verbreitetste Methode: Kondom

Die wohl bekannteste und meistgenutzte Methode zur Verhütung für Männer sind Kondome. Die Latex- oder Kunststoff-Hüllen werden während des Geschlechtsverkehrs über den Penis gestülpt. Die Kondome verhindern, dass das Ejakulat in die Vagina gelangt. Der Vorteil gegenüber anderen Verhütungsmitteln ist, dass Kondome auch Schutz vor Geschlechtskrankheiten bieten. Bei richtiger Anwendung sind Kondome ein sehr sicheres Verhütungsmittel. Wichtig ist, dass sie während des gesamten Geschlechtsakts getragen werden und Sie die richtige Größe verwenden. Auch die Lagerung spielt eine entscheidende Rolle.

Kondome sollten vor der Nutzung nicht der Sonne oder Wärme im Allgemeinen ausgesetzt werden. Dazu zählen auch Körperwärme und Reibung. Von der Aufbewahrung in Hosentaschen oder Portmonees ist daher unbedingt abzuraten. Sie sollten stets das Haltbarkeitsdatum beachten und die Verpackung vor der Verwendung prüfen. Diese sollte unbeschädigt sein. Sonst besteht ein hohes Risiko, dass auch das enthaltene Kondom beschädigt wurde.

Operative Maßnahmen

Wer langfristig verhüten möchte, da kein Kinderwunsch besteht oder die Familienplanung abgeschlossen ist, kann operative Maßnahmen in Betracht ziehen. In diesem Bereich hat die Verhütung für den Mann klare Vorteile gegenüber den Möglichkeiten der Frau, da der Eingriff deutlich unkomplizierter ist.

Vasektomie

Bei der Vasektomie werden die Samenleiter durchtrennt. Der Hoden produziert weiterhin Samen, welche jedoch nicht im Ejakulat nachweisbar sind. Die Libido oder Potenz werden durch den Eingriff nicht eingeschränkt. Die Operation erfolgt meist mit lokaler Betäubung. Es gibt verschiedene Methoden. Oft wird ein kleiner Einschnitt in den Hodensack vorgenommen, bei dem die Samenleiter durchtrennt oder gekürzt werden. Die Enden werden abgebunden, durch Hitze verödet oder mit Titanclips geschlossen und in entgegengesetzte Richtungen fixiert.

Nach dem Eingriff muss sich der Patient einige Tage schonen und darf vorerst keinen Geschlechtsverkehr vollziehen. Sportliche Aktivität ist für 2 Wochen untersagt. Es kann in schwierigeren Fällen nach der Operation zu Hämatomen, Infektionen und Schmerzen des Hodens kommen.

Die Vasektomie ist erst einige Wochen nach dem Eingriff wirksam. Vorerst muss weiterhin auf andere Verhütungsmittel zurückgriffen werden.

Etwa 3 Monate nach dem Eingriff wird ein Spermiogramm erstellt. Damit wird festgestellt, wie viele befruchtungsfähige Spermien sich im Ejakulat befinden. Damit die Vasektomie als erfolgreich gilt, muss eine Azoospermie erzielt werden. Das bedeutet, dass sich keine lebenden Spermien im Ejakulat befinden.

Im Gegensatz zur Sterilisation der Frau ist die Vasektomie ein deutlich risikoärmeres Verfahren. Es kommt seltener zu Komplikationen und es ist möglich den Eingriff rückgängig zu machen. Eine Umkehr des Eingriffs ist in 85 Prozent der Fälle möglich. Die Vasektomie gilt jedoch offiziell als irreversibles Verfahren, da die Reversibilität nicht garantiert werden kann. Jungen Männern wird daher häufig von einer Vasektomie abgeraten.

Circa 5 Prozent der US-amerikanischen verheirateten Männer im zeugungsfähigen Alter haben eine Vasektomie durchführen lassen.

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Samenleiterverschluss

Mit dem Samenleiterverschluss wird eine operative Maßnahme geboten, die mit deutlich weniger Aufwand rückgängig gemacht werden kann als die Vasektomie. Durch die Injektion eines Polymergels werden die Samenleiter verschlossen. Um den Verschluss rückgängig zu machen wird ein Lösungsmittel injiziert, dass das Gel zersetzt.

Diese Methode soll bereits 10 Tage nach Injektion des Gels Wirksamkeit zeigen. In Indien wurde eine Studie abgeschlossen, deren Ergebnisse die Effektivität der Methode stützen. Auch in den USA wurde das Verfahren mittlerweile zugelassen. In Europa wird die Methode noch kontrovers diskutiert.

Hormonelle Verhütung für den Mann

Bisher ist das Pendant zur Antibabypille, die “Pille für den Mann”, nicht am Markt erhältlich.

Zahlreiche Studien haben verschiedene Möglichkeiten einer hormonellen Verhütung für den Mann überprüft. Das Anforderungsprofil konnte jedoch noch keines der getesteten Verhütungsmittel erfüllen.

Anforderungsprofil für hormonelle Verhütung für den Mann
  • Schnelle Wirksamkeit
  • Geringe Nebenwirkungen
  • Keine Nachwirkung für potenziellen Nachwuchs
  • Reversibilität
  • Wirtschaftlichkeit
  • Leichter Zugang
  • Alltagstauglichkeit

Bei der hormonellen Verhütungsmethode für den Mann soll durch die Suppression der Gonadotropine die Spermienproduktion unterbunden werden. Dies sollte mithilfe einer Kombination aus Testosteron und Gestagenen gelingen. Die Verbindung der beiden Wirkstoffe sollte die Nebenwirkungen des Testosterons eingrenzen.

In den meisten Studien konnten vorerst keine orale Darreichungsformen getestet werden. Stattdessen wurden Untersuchungen mit täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Hormonspritzen oder Implantaten getätigt.

Aus den zahlreichen Studien in 1990er Jahren konnten keine zufriedenstellenden Lösungen erarbeitet werden. Die Probanden klagten über starke Nebenwirkungen wie Akne, Gewichtszunahme und depressive Verstimmung. Bei einigen wurde nach der Testphase eine Vergrößerung der Prostata festgestellt. Die getesteten Methoden wurden als zu kostenintensiv und vor allem umständlich verzeichnet. Daher kam es nie zur kommerziellen Umsetzung.

Eine WHO-Studie, welche von 2009 bis 2011 durchgeführt wurde, teste die hormonelle Kontrazeption für den Mann erneut. Etwa 10 Prozent der Testpersonen hatten mit Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, Depression, Akne und veränderter Libido zu kämpfen. Die Studie wurde abgebrochen.

Da die Antibabypille eine ähnliche Bandbreite an Nebenwirkungen aufweist, hat die Studie eine Diskussion ausgelöst, ob für Männer und Frauen im Sinne der Zumutbarkeit unterschiedliche Maßstäbe gesetzt werden. Die Pille würde unter heutigen Voraussetzungen nicht mehr zugelassen werden. Die Forschung und Entwicklung für die Verhütung für den Mann gehen langsam oder kaum von statten. Der Markt scheint für die Pharmaindustrie wenig lukrativ zu sein.

"In einer Phase-I-Studie aus dem Jahr 2019 wurde das orale Kontrazeptivum 11-beta-MNTD getestet. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um eine modifizierte Form von Testosteron, welches zwei hormonelle Aktivitäten vereint. Die Spermienproduktion soll verringert werden, ohne die Libido zu beeinflussen. Erst nach 60 bis 90 Tagen setzt die Wirkung ein und nimmt Einfluss auf die Spermatogenese. In der Studie wurden ähnliche Nebenwirkungen wie bei zuvor getesteten Kontrazeptiva für Männer festgestellt, jedoch in deutlich schwächerer Intensität.

Natürliche Verhütung für den Mann

Vorweg ist zu sagen, dass keine Wirkung natürlicher Verhütungsmethoden für den Mann wissenschaftlich bewiesen wurde. Die wohl einzig verlässliche wirksamensame, natürliche Methode ist der Verzicht auf Geschlechtsverkehr.

In Indonesien wird die Heilpflanze Justicia gendarussa als Verhütungsmittel genutzt. Eine weitere Methode, die häufiger genannt wird, ist die tägliche Einnahme von Papayakernen.

Die Industriedesignerin Rebekka Weiß aus München hat in einem Designprojekte eine ultraschallbasierte, hormonfreie Verhütungsmethode für Männer entwickelt. Um die tatsächliche Umsetzbarkeit zu überprüfen, sucht sie aktuell nach einem Team aus WissenschaftlerInnen und Forschungsgeldern. In einer klinischen Studie soll eine mögliche Wirksamkeit des Produkts erforscht werden.

Neben der Verhütung durch Ultraschall wurde auch die Verhütung durch Hitze untersucht. Es gibt jedoch kaum Studien, die die Sicherheit der Methoden bestätigen. Hier ist die Verhütung durch Hodenbäder oder Thermounterwäsche zu nennen. Auf dem deutschen Markt gibt es hierfür keinerlei zugelassene Produkte. Durch die Anwendung von Hitze wird die Spermienqualität nachhaltig beeinflusst.

Häufige Fragen zur Verhütung für den Mann

Eine Vasektomie kostet in Deutschland zwischen 300 bis 500 Euro. Die Erstattung einer Vasektomie durch die gesetzlichen Krankenkassen erfolgt nur in sehr selten Fällen.

Auf Seiten des Mannes sind die Verhütungsmethoden begrenzt. Bisher gibt es keine hormonelle Verhütung, die anstelle des Kondoms verwendet werden kann. Durch einen operativen Eingriff, der Vasektomie, kann unterbunden werden, dass Spermien in das Ejakulat gelangen. Die Samenleiter werden durchtrennt und verschlossen, sodass keine befruchtungsfähigen Spermien hindurch gelangen.

Es wird vereinzelt an einer hormonellen Verhütungsmethode für den Mann geforscht. Zahlreiche Studien, die in den letzten Jahrzehnten diesbezüglich stattgefunden haben, wurden abgebrochen. Bisher wurde noch keine erfolgsversprechende und kommerziell-umsetzbare Methode gefunden. Eine zeitnahe Lösung für die hormonelle Verhütung für den Mann erweist sich als eher unwahrscheinlich.

Die bisher getesteten Verfahren gingen mit zu intensiven Nebenwirkungen einher oder waren mit nicht zumutbarem Aufwand verbunden, wie beispielsweise einer täglichen Injektion. Die Bemühungen auf Seiten der Pharmakonzerne gehen zunehmend zurück, da der Markt für die Pille für den Mann wenig lukrativ erscheint.

Die Erstattung einer Vasektomie durch die gesetzlichen Krankenkassen erfolgt nur in sehr selten Fällen. Dafür muss nachgewiesen werden, dass die Vasektomie medizinisch notwendig ist. Das ist dann der Fall, wenn die Ehepartnerin durch eine Schwangerschaft gefährdet wird und aus gesundheitlichen Gründen keine Sterilisation auf Seiten der Frau möglich ist.

Eine Vasektomie geht in seltenen Fällen mit Komplikationen einher. Es kann wenige Tage nach dem Eingriff zu Hodenschmerzen oder in extremen Fällen zu Hämatomen kommen. Um Schmerzen zu vermeiden und die Regeneration zu gewährleisten, sollte in den unmittelbaren Tagen nach dem Eingriff auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Sportliche Aktivität sollte erst zwei Wochen nach der Operation wieder aufgenommen werden.

Quellen

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