Gürtelrose behandeln

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Die Behandlungsgebühr des Arztes schließt die Rezeptausstellung mit ein und beträgt 9 Euro. Die Kosten für das Medikament sind in der Behandlungsgebühr noch nicht enthalten.

Was ist eine Gürtelrose?

Die Gürtelrose, auch Herpes zoster oder verkürzt Zoster genannt, ist eine Erkrankung, bei der ein gürtelförmiger Hautausschlag am Körper auftritt. Dieser ist durch Rötungen und Bläschen gekennzeichnet ist und kann starke Schmerzen verursachen. Auslöser der Gürtelrose sind reaktivierte Windpocken-Viren (Varicella-Zoster-Virus), die bis zu 70 % aller Menschen zwischen 60 - 65 Jahren ruhend in sich tragen.

Fast jeder zweite Mensch erkrankt daher mindestens einmal bis zum 85. Lebensjahr an einem Zoster. Insbesondere Menschen über 50 oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystems, haben eine erhöhte Erkrankungsgefahr1. Das geschwächte Abwehrsystem oder auch Stress ermöglichen den im Körper befindlichen Viren sich erneut zu vermehren und nach außen zu wandern.

Die Gürtelrose kann am ganzen Körper auftreten; auch das Gesicht und Organe wie die Augen oder das Gehirn können betroffen sein. Komplikationen wie bleibende Schmerzen an den betroffenen Stellen können durch eine schnelle Behandlung vermieden werden.

Ursachen der Gürtelrose

Auslöser einer Gürtelrosen-Erkrankung sind die Windpocken-Viren, in der Fachsprache Varicella-Zoster-Viren genannt, die auch die häufige Kinderkrankheit auslösen.

Infektion mit Herpes-Zoster

Die meisten Menschen tragen das Virus bereits seit ihrer Kindheit in sich, da sich dieses nach einer Windpockeninfektion in den Hirnnerven und den Nervenwurzeln des Rückenmarks (Spinal- und Hirnnervenganglien) einnistet2.

Die Viren werden entweder durch eine Tröpfcheninfektion übertragen (zum Beispiel beim Atmen oder Husten) oder durch eine Schmierinfektion beim Kontakt mit dem Inhalt der Bläschen oder mit den Krusten.

Ausbruch von Gürtelrose

Ein Ausbruch von Gürtelrose erfolgt durch die Reaktivierung der Windpocken-Viren - meist ausgelöst durch Stress oder eine Immunschwäche. Aber auch Traumata, UV-Strahlung und Medikamente die die Immunabwehr schwächen können einen Ausbruch der Krankheit befördern. In manchen Fällen tritt Gürtelrose auch bei jungen, gesunden Menschen auf.

Besonders vorsichtig sollten Betroffene sein, deren Immunsystem bereits stark belastet ist, beispielsweise durch Rheuma, HIV oder aufgrund einer Chemotherapie. Windpocken-Viren können bei ihnen einfacher reaktiviert werden und selbst eine leichte Infektion kann schwerwiegende Folgen haben.

Eine Erkrankung ohne eine vorherige Windpockenerkrankung ist nicht möglich. Auch nach Impfung gegen das Windpocken-Virus kann es nicht zu einer Infektion kommen.

Wie genau die Viren im Körper überleben ist noch nicht abschließend erforscht3. Man geht davon aus, dass sie entlang der Nerven von der Haut in Richtung Gehirn wandern und dort dauerhaft verbleiben4, 5. Bei der Reaktivierung der Viren, also dem Ausbruch des Herpes Zoster, gelangen die Viren über sensible Nerven wieder in die Haut und verursachen dort die Bläschen und die Schmerzen.

Symptome und Folgen einer Herpes-Zoster-Infektion

Typisch für Gürtelrose sind die örtlich begrenzten Symptome. Die schmerzhaften Hautrötungen und Bläschen breiten sich nur im Hautareal aus, das von jenem Hirn- oder Rückenmarksnerv versorgt wird, in welchem sich die Windpocken-Viren eingenistet haben. In den meisten Fällen tritt die Gürtelrose einseitig im Brust- und Lendenbereich auf6.

Verlauf der Erkrankung

Die ersten Anzeichen eines Ausbruchs sind jenen einer Erkältung ähnlich: Die Betroffenen fühlen sich abgeschlagen, kriegen eventuell leichtes Fieber und die entsprechenden Hautgebiete schmerzen und jucken mitunter.

Bereits ein paar Tage später bildet sich die typische Rötung mit Bläschen aus. Die Bläschen können in Gruppen oder auch in Form von Rosetten zusammenstehen und mit Blut gefüllt sein. Die betroffene Stelle schmerzt meist stark, was durch Berührung verstärkt wird. Es kann auch zu Missempfindungen kommen und in selten Fällen sogar zur Bewegungsunfähigkeit.

Nach einigen Tagen platzen die Bläschen auf und verkrusten. In manchen Fällen kommt es danach zu einer Verfärbung oder Entfärbung der betroffenen Hautstellen. Auch bleibende Narben können sich bilden. Es kann bis zu einem Monat dauern, bis die Symptome vollständig zurückgegangen sind.

Folgen und Komplikationen der Erkrankung

In manchen Fällen kann eine Infektion mit Gürtelrose auch zu Komplikationen führen. Insbesondere bei älteren Menschen können die starken Nervenschmerzen, die mit der Erkrankung einhergehen, selbst nach dem Abheilen der Hautrötung für Wochen, Monate oder Jahre anhalten. Diese Schmerzen werden in der Fachsprache Post-Zoster-Neuralgie genannt. Etwa 10 – 15 % aller Patienten sind davon betroffen.

Zwei weitere Komplikationen sind der Befall eines Auges oder eines Ohrs. Wenn das Auge befallen ist, beim sogenannten Zoster ophthalmicus, kann es zu einer dauerhaften Erblindung kommen. Dieser beginnt mit starken Schmerzen und Bläschen auf der Nase. Bei dem fachsprachlichen Zoster oticus, also einem betroffenen Ohr, kann es zu dauerhafter Schwerhörigkeit und Gesichtslähmung kommen. Beide Komplikationen sind jedoch sehr selten.

Diagnose und Behandlung einer Gürtelrose

Diagnose

Bei einem Ausbruch von Gürtelrose ist eine frühzeitige Behandlung wichtig, um bleibende Nervenschmerzen oder andere Komplikationen zu verhindern. Die Therapie sollte innerhalb von 72 Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome geschehen. Leider sind die Symptome anfangs noch sehr unspezifisch, weshalb eine Behandlung häufig zu spät eingeleitet wird7.

Behandlung

Zur Behandlung der Gürtelrose werden antivirale Medikamente eingesetzt, die die Virusvermehrung hemmen. Sie wirken indem die Viren falsche Bausteine erhalten und sich mit diesen nicht weiter vermehren können. Klassischerweise werden Medikamente mit den Wirkstoffen Aciclovir und Valaciclovir verwendet4, 8, 9.

Ein früher Therapiebeginn mit antiviralen Medikamenten kann den Krankheitsverlauf verkürzen und das Risiko für Komplikationen reduzieren10. Bei Betroffenen über 50 oder starker Ausprägungen einer Gürtelrose besteht immer eine Indikation für einen schnellen Behandlungsbeginn mit antiviralen Medikamenten.

Wie bei allen Medikamenten kann es zu Nebenwirkungen kommen. Dazu zählen unter anderem:

  • allergische Reaktionen
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Schwindel

Eine Vorerkrankung der Nieren oder eine bekannte Schwäche der Nieren sollte vor der Auswahl der Medikamente immer genannt werden.

Die antiviralen Medikamente können bei sehr schweren Erkrankungen auch direkt über eine Vene gegeben werden. Dazu ist in der Regel ein Krankenhausaufenthalt nötig.

Zusätzlich zur antiviralen Therapie können schmerzlindernde Medikamente bei der Behandlung helfen. Je nach stärke der Schmerzen können frei in der Apotheke erhältliche Medikamente, wie Ibuprofen oder Paracetamol, eingesetzt werden oder auch die stärkeren Opioide, die von einem Arzt verschrieben werden müssen. Medikamente oder Cremes, die den Juckreiz verringern, können ebenfalls eine sinnvolle Ergänzung sein.

Die Therapie sollte auf jeden Fall folgende Ziele verfolgen11:

  • Schnelle Verbesserung des Hautausschlags
  • Verringerung der Schmerzen
  • weniger Ansteckungsgefahr
  • Verhinderung von Komplikationen

Tipps zur Prävention

Die Windpockenimpfung kann auch im Alter schützen

Um einer Zoster Erkrankung vorzubeugen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), Kinder und Jugendliche gegen Windpocken zu impfen12. Dasselbe gilt für schwangere Frauen, für nicht-geimpfte Frauen mit Kinderwunsch, für Patienten ohne Impfung, die vor einer Organtransplantation oder einer immunsuppressiven Therapie stehen sowie für Patienten mit Neurodermitis.

Trotz der Impfung kann es in manchen Fällen zu einem Ausbruch der Krankheit kommen. Jedoch zeigen Studien, dass die Krankheit bei Patienten mit einer Windpocken-Impfung in der Regel insgesamt harmloser verläuft als bei Erkrankten, die nicht geimpft wurden. Darüber hinaus kann die Impfung einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf und eine darauffolgende Post-Zoster-Neuralgie verhindern13.

Übertragungsrisiko minimieren

Um andere Personen nicht anzustecken, sollten Betroffene vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Der Ausschlag sollte abgedeckt werden bei Kontakt zu anderen Personen und man sollte sich nicht an den entzündeten Stellen kratzen. Sobald die Bläschen aufplatzen, kann die enthaltene ansteckende Flüssigkeit an die Hände der Betroffenen gelangen und so einfach auf andere übertragen werden. Gemeinschaftlich genutzte Gegenstände sollten nach Gebrauch durch eine erkrankte Person desinfiziert werden.

Besonders der Kontakt zu Neugeborenen, Schwangeren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollte möglichst ganz vermieden werden14.

Immunsystem stärken

Zusätzlich zu anderen Maßnahmen können insbesondere ältere Menschen einer Gürtelrosen-Erkrankung vorbeugen, indem sie ihr Immunsystem stärken. Eine optimale Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen ist dabei essenziell.

Auch Stress kann den Ausbruch der Krankheit befördern, da er das Immunsystem des Körpers schwächt. Hier helfen Entspannungsmethoden und Maßnahmen zur Stressbewältigung wie Meditation, autogenes Training, Tai Chi oder Yoga. Zudem sollten man darauf achten ausreichend Schlaf zu erhalten.

Quellen

  1. Civen R, Marin M, Zhang J, Abraham A, Harpaz R, Mascola L, et al. Update on Incidence of Herpes Zoster Among Children and Adolescents After Implementation of Varicella Vaccination, Antelope Valley, CA, 2000 to 2010. The Pediatric infectious disease journal. 2016;35(10):1132-6.
  2. Ku CC, Besser J, Abendroth A, Grose C, Arvin AM. Varicella-Zoster virus pathogenesis and immunobiology: new concepts emerging from investigations with the SCIDhu mouse model. Journal of virology. 2005;79(5):2651-8.
  3. Abendroth A, Kinchington PR, Slobedman B. Varicella zoster virus immune evasion strategies. Current topics in microbiology and immunology. 2010;342:155-71.
  4. Dworkin RH, Johnson RW, Breuer J, Gnann JW, Levin MJ, Backonja M, et al. Recommendations for the management of herpes zoster. Clinical infectious diseases : an official publication of the Infectious Diseases Society of America. 2007;44 Suppl 1:S1-26.
  5. Levin MJ, Cai GY, Manchak MD, Pizer LI. Varicella-zoster virus DNA in cells isolated from human trigeminal ganglia. Journal of virology. 2003;77(12):6979-87.
  6. Civen R, Chaves SS, Jumaan A, Wu H, Mascola L, Gargiullo P, et al. The incidence and clinical characteristics of herpes zoster among children and adolescents after implementation of varicella vaccination. The Pediatric infectious disease journal. 2009;28(11):954-9.
  7. Leung J, Harpaz R, Baughman AL, Heath K, Loparev V, Vazquez M, et al. Evaluation of laboratory methods for diagnosis of varicella. Clinical infectious diseases : an official publication of the Infectious Diseases Society of America. 2010;51(1):23-32.
  8. Beutner KR, Friedman DJ, Forszpaniak C, Andersen PL, Wood MJ. Valaciclovir compared with acyclovir for improved therapy for herpes zoster in immunocompetent adults. Antimicrobial agents and chemotherapy. 1995;39(7):1546-53.
  9. Tyring SK, Beutner KR, Tucker BA, Anderson WC, Crooks RJ. Antiviral therapy for herpes zoster: randomized, controlled clinical trial of valacyclovir and famciclovir therapy in immunocompetent patients 50 years and older. Archives of family medicine. 2000;9(9):863-9.
  10. Wood MJ, Kay R, Dworkin RH, Soong SJ, Whitley RJ. Oral acyclovir therapy accelerates pain resolution in patients with herpes zoster: a meta-analysis of placebo-controlled trials. Clinical infectious diseases : an official publication of the Infectious Diseases Society of America. 1996;22(2):341-7.
  11. Gnann JW, Jr., Whitley RJ. Clinical practice. Herpes zoster. The New England journal of medicine. 2002;347(5):340-6.
  12. Marin M, Guris D, Chaves SS, Schmid S, Seward JF. Prevention of varicella: recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP). MMWR Recommendations and reports : Morbidity and mortality weekly report Recommendations and reports. 2007;56(Rr-4):1-40.
  13. Oxman MN. Immunization to reduce the frequency and severity of herpes zoster and its complications. Neurology. 1995;45(12 Suppl 8):S41-6.
  14. Lamont RF, Sobel JD, Carrington D, Mazaki-Tovi S, Kusanovic JP, Vaisbuch E, et al. Varicella-zoster virus (chickenpox) infection in pregnancy. BJOG : an international journal of obstetrics and gynaecology. 2011;118(10):1155-62.
Herpes Zoster

Herpes Zoster ist vielen Menschen als Gürtelrose bekannt. Er betrifft vor allem ältere Menschen und Personen mit einem geschwächtem Immunsystem. Als Auslöser der Windpocken ist der Virus aber auch bereits ab dem Kindesalter vielen geläufig.

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