Junge Frau sitzt mit gesenktem Blick und Hand auf der Brust vor ihrem Laptop.
  1. Online-Psychotherapie versus Face-to-Face-Therapie
  2. Vorteile von Online-Therapie
  3. Grenzen von Online-Psychotherapie
Junge Frau sitzt mit gesenktem Blick und Hand auf der Brust vor ihrem Laptop.

Mit der Corona-Pandemie gewann auch die Online-Psychotherapie enorm an Anerkennung und Zuwachs. Durch das Infektionsgeschehen waren PsychotherapeutInnen gezwungen eine Alternative zur Präsenztherapie zu schaffen, um ihre PatientInnen weiterhin zu behandeln. Mit der psychischen Belastung der Bevölkerung durch die Pandemie stieg auch die Nachfrage nach therapeutischen Angeboten.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV-Spitzenverband) haben im März 2020 Richtlinien erlassen, die Psychotherapie online per Videosprechstunde vermehrt zulassen. Zuvor durfte diese Form der Therapie lediglich 20 Prozent der PatientInnen angeboten werden, die sich bei den jeweiligen PsychotherapeutInnen in Behandlung befinden. Die Menge der Leistungen, die per Videosprechstunde angeboten werden dürfen, war ebenfalls auf 20 Prozent beschränkt.

Zahlreiche Psychotherapien werden seitdem online fortgesetzt oder begonnen. Neben Videosprechstunden gibt es auch immer mehr begleitete oder alleinstehende therapeutische Online-Programme, die die PatientInnen in Selbstverwaltung durchführen.

Aber funktioniert Online-Therapie genauso gut wie die Psychotherapie vor Ort? Ist sie für jeden geeignet? Wann wird Online-Psychotherapie von der Krankenkasse übernommen? Fernarzt informiert.

Anwendungsbereiche von Online-Therapie

Online-Therapiesitzungen

Die klassische Face-to-Face-Therapie wird online unter möglichst ähnlichen Bedingungen umgesetzt. Trainings und Gespräche werden in einem Video-Chat durchgeführt.

Blended Therapy

“Blended Therapy” ist eine Kombination digitaler und traditioneller Methoden, wie beispielsweise Online-Sprechstunden und Präsenztermine vor Ort.

Selbstgesteuerte Online-Programme

Es gibt verschiedene therapeutische Online-Programme, die ein festes Behandlungsschema verfolgen. PatientInnen absolvieren dabei selbstständig Trainings. Es gibt ungeleitete Programme, geläufiger ist jedoch, dass die PatientInnen durch TherapeutInnen unterstützt werden.

Digitale Angebote ohne TherapeutInnen können Isolationseffekte nach sich ziehen, daher wird eher auf eine Kombination aus Online-Programm in Selbstorganisation und therapeutische Sitzungen gesetzt. Sie werden vor allem in der Verhaltenstherapie, bspw. bei Depressionen oder Angststörungen, eingesetzt. Diese Angebote können auch zur Überbrückung bis zum Therapiebeginn genutzt werden.

Online-Psychotherapie versus Face-to-Face-Therapie

Mit der Notwendigkeit, die mit Corona aufkam, mussten viele PsychotherapeutInnen sich erstmalig mit Fernbehandlung auseinandersetzen. Eine große Problematik, die sich daraus ergibt, ist der

Setting-Wechsel von Präsenztherapie zu Online-Therapie. Die Atmosphäre während der Sitzung hat Einfluss auf die therapeutische Beziehungsebene.

Es existiert noch wenig Forschung zum Aufbau der Therapeutenbeziehung in der Videosprechstunde. Bewiesen ist jedoch, dass es auch in diesem Format möglich ist, eine positive und gefestigte Beziehung zwischen PatientInnen und TherapeutInnen aufzubauen – im besten Fall sogar auf Niveau der Sprechstunde in der Praxis.

Das ist allerdings abhängig von der entsprechenden Schulung der therapeutischen Fachkräfte. Die digitale Affinität von PsychotherapeutInnen und PatientInnen spielt ebenfalls eine Rolle.

Wichtig ist, dass die Online-Sprechstunde ähnlichen Voraussetzungen unterliegt wie die Sprechstunde vor Ort. Störungen sind zu vermeiden. PatientInnen sollten allein im Raum sein, in dem sie die Online-Therapie durchführen. Es sollte entsprechende Ruhe herrschen und die technischen Voraussetzungen müssen gegeben sein. Im Falle der Videosprechstunde bedeutet das eine gute Bild- und Audioqualität sowie eine unterbrechungsfreie Video-Übertragung. Beide Parteien sollten gut sichtbar und verständlich sein. Außerdem ist es wichtig, dass die PatientInnen fokussiert sind und sich nicht durch andere Aktivitäten wie beispielsweise essen ablenken.

Um eine Bindung zu PsychotherapeutInnen aufzubauen ist es, wie auch in der Face-to-Face-Therapie, wichtig, dass keine ständigen Therapeutenwechsel erfolgen. Die Therapie sollte durchgängig mit ein und derselben Fachkraft durchgeführt werden.

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Oft müssen PatientInnen mit dringenden psychischen Anliegen monatelang auf freie Termine warten. Die psychotherapeutische Versorgung kann dank Telemedizin direkt am Wohnort des Patienten erfolgen.

Fernarzt ermöglicht den schnellen Zugang zu spezialisierter psychotherapeutischer Beratung.

Vorteile von Online-Therapie

Die Therapie ist standortunabhängig und kann so auch in Zeiten der Pandemie erfolgen. Weniger mobilen PatientInnen kann der Weg in die Praxis erspart werden. Die Online-Betreuung ist zu dem niedrigschwelliger, da Anfahrtswege entfallen. Mit Videosprechstunden ist die Organisation von Nachsorgeuntersuchungen deutlich einfacher, beispielsweise bei der Therapie von Essstörungen. Potenzielle Risiko- und RückfallpatientInnen können besser überwacht und behandelt werden. Der Wiederzugang zu therapeutischer Hilfe ist deutlich vereinfacht.

Digitale Angebote sind nicht nur Alternativangebote, sondern eine Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten. PatientInnen können langfristiger und regelmäßiger unterstützt werden. Der therapeutische Spielraum vergrößert sich. So können beispielsweise zusätzliche Online-Programme neben den Therapiesitzungen die Trainingsfrequenz erhöhen und Lerneffekte verbessern.

Grenzen von Online-Psychotherapie

Die Umsetzung der Online-Therapie erfordert eine entsprechende digitale Affinität und Kompetenz und ist nicht von jeder therapeutischen Fachkraft qualitativ umsetzbar oder kann auf Seiten der PatientInnen Probleme bereiten. Aus- und Weiterbildungsangebote für Fachkräfte in der Online-Psychotherapie müssen ausgebaut werden, um die Qualität zu gewährleisten.

Besonders die therapeutische Behandlung von Kindern in der Online-Sprechstunde wird von PsychotherapeutInnen als schwierig eingestuft. Auch für KrisenpatientInnen z.B. bei suizidale PatientInnen, also solche mit Selbstmordgedanken, ist Online-Therapie nicht geeignet und macht weiterhin Besuche in der Praxis notwendig.

Häufige Fragen

In einer ersten Sprechstunde wird durch PsychotherapeutInnen eingeschätzt, ob eine Richtlinientherapie oder Kurztherapie notwendig ist. Im Anschluss ist ein Antrag zur Kostenübernahme an die Krankenkasse zu übermitteln. Von gesetzlichen Krankenkassen werden die Kosten in der Regel übernommen, private Krankenkassen unterscheiden sich im Angebot. Dies gilt für Präsenztherapie sowie für Online-Therapie.

Anstelle der Präsenztherapie wird eine Online-Sprechstunde per Video-Chat durchgeführt. Auch das selbstständige Durchführen von Online-Programmen ist möglich. Diese bieten verschiedene Trainings an und können durch TherapeutInnen unterstützt werden. Entweder durch Videosprechstunden, aber auch durch Telefonate oder den Austausch von Nachrichten.

Entsprechend der Gebührenordnung für Psychotherapeuten kostet eine Therapie-Sitzung von 50 Minuten circa 115 Euro. Bei bestätigtem Antrag auf Kostenübernahme fallen keine Kosten für PatientInnen an.

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen i. d. R die Kosten für Online-Psychotherapie, insofern das Erfordernis einer Richtlinientherapie durch einen Psychotherapeuten oder eine Psychotherapeutin bestätigt wird. Bei privaten Leistungsträgern unterscheidet sich das Angebot für die Kostenübernahme von Behandlungen je nach Krankenkasse.

Quellen

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