Mann sitzt im Flugzeug und hält sich die Hände vor das Gesicht.
  1. Was ist Flugangst?
  2. Strategien zur Angstbewältigung
  3. Häufige Fragen zu Flugangst
Mann sitzt im Flugzeug und hält sich die Hände vor das Gesicht.

Soeben haben Sie die Anweisung erhalten Ihren Sicherheitsgurt anzulegen. Die Flugbegleitenden zeigen Ihnen die Notausgänge, die Sauerstoffmasken und die Rettungswesten. Ihnen läuft der Angstschweiß. Sie klammern sich an Ihrer Sitzlehne fest, Sie zittern und Ihr Herz rast. Die Flugangst hat Sie gepackt. Sie erhalten eine Sicherheitseinweisung aber Sie fühlen sich alles andere als sicher. Dabei sind Sie es.

Im Jahr 2021 kam es auf der ganzen Welt zu 20 Flugzeugunglücken. Insgesamt sind dabei 176 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Verkehrstoten sinkt seit Jahren. Dennoch kamen im Jahr 2021 allein in Deutschland 2562 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Trotzdem hätten Sie wohl kaum eine Reaktion wie diese, wenn es darum ginge, in ein Auto zu steigen.

Flugangst ist weit verbreitet. Dabei gibt es verschiedene Ausprägungen von leichtem Unbehagen bis hin zu panischer Flugangst. Fernarzt gibt Ihnen Tipps gegen Flugangst an die Hand und zeigt, wie Sie Ihre Flugangst überwinden können.

Was ist Flugangst?

Bei Flugangst handelt es sich in starker Ausprägung um eine Phobie, die als Aviophobie bezeichnet wird. Flugangst ist eine Form der Angststörung, die im Zusammenhang mit dem Fliegen auftritt – also beim Flugzeugstart, Aufenthalt in einem Flugzeug, am Flughafen oder sogar bereits beim Gedanken an das Fliegen.

Aviophobie kann durch eine Kombination aus Ängsten verstärkt werden, wie zum Beispiel Platz- und Höhenangst oder sozialer Angst.

Bei den Betroffenen führt es häufig dazu, den Flugverkehr vollständig zu meiden oder nur zu fliegen, wenn es nicht anders geht. Müssen Menschen mit Flugangst in ein Flugzeug steigen, kommt es häufig zu Angstzuständen mit körperlichen Symptomen wie:

Einige haben sogar mit Panikattacken zu kämpfen und müssen bei Flugreisen auf Beruhigungsmittel zurückgreifen.

Medikamentöse Therapie von Flugangst

Was tun bei panischer Flugangst? Es gibt verschiedene Mittel gegen Flugangst vorzugehen. Eine temporäre Lösung ist es, Flugangst mit Tabletten zu behandeln. Rezeptfreie Beruhigungsmittel sind beispielsweise Baldrian, Passionsblumenkraut oder Bachblüten. In extremen Fällen von Flugangst können Benzodiazepine wie Diazepam oder Lorazepam verschrieben werden.

Strategien zur Angstbewältigung

Zur Behandlung von Flugangst setzen PsychotherapeutInnen meist auf kognitive Verhaltenstherapie, um langfristige Erfolge zu erzielen. Phobien gehen häufig auf erlerntes Verhalten zurück, das man auch wieder verlernen kann. Um die alten Verhaltensmuster abzulegen und die neuen zu erlernen, wird in drei Bereichen geschult: Konfrontation, der Umstrukturierung der Gedanken und Entspannungstechniken. Die PatientInnen erwerben Fähigkeiten und erlernen Bewältigungsstrategien, um sich in Situationen der Angst selbst zu helfen.

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Konfrontation

Bei der Methode der Konfrontation unterteilt man in graduierte und massierte Konfrontation.

Werden PatientInnen stufenweise konfrontiert, müssen sie in Gedanken die Situation durchgehen, die die Angst auslöst. Die Konfrontation wird nach und nach intensiver und soll den PatientInnen helfen, sich an die Situation zu gewöhnen. Man spricht hierbei von systematischer Desensibilisierung. Die PatientInnen müssen sich mit den Gedanken befassen, am Flughafen zu sein, im Flugzeug zu sitzen und sich mit den Vorstellungen ihrer Angst beschäftigen. Sie müssen gedanklich durch die Situation des Fliegens gehen und ihre Emotionen dabei schildern.

Um den Effekt zu verstärken, sollten alle Schritte des Fliegen notiert werden. So können Sie diese in Gedanken nach und nach durchgehen: Das Buchen des Flugtickets, das Packen der Koffer, der Weg zum Flughafen, das Einchecken am Gate usw.

Um sich noch intensiver in die Situation zu versetzen, kann es helfen Eindrücke, Gerüche und Geräusche festzuhalten. Kreieren Sie eine möglichst detaillierte Vorstellung. Diese Konfrontationsübung wiederholen Sie. So kann es gelingen sich an den Vorgang zu gewöhnen und die Angst zu nehmen.

Von massiver Konfrontation spricht man, wenn sich der Patient oder die Patientin tatsächlich in ein Flugzeug setzt und der Flugangst ausgesetzt ist. Hier werden die Betroffenen erstmalig meist durch einen Psychotherapeuten oder eine Psychotherapeutin begleitet. Zur massiven Konfrontation gehört auch die Methode des “Flooding”. Hierbei spricht man von einer Konfrontation durch Reizüberflutung. Flooding sollte nie ohne therapeutische Begleitung durchgeführt werden.

Virtuelle Therapie

Bei der Konfrontationstherapie im Zusammenhang mit Ängsten muss der Mensch lernen mit dem Angstauslöser umzugehen und wird dafür seiner Angst gedanklich oder real ausgesetzt.

Die “virtual reality exposure therapy” macht sich den Effekt des Flooding zu Nutze. Das Training zur Angstbewältigung kann auch in einem Flughafen- oder Flugsimulator erfolgen. Mehrere Studien konnten mit Konfrontationstherapie mithilfe virtueller Realität (VR) Erfolge erzielen.

Die Umstrukturierung der Gedanken

Flugangst ist in den meisten Fällen erlerntes Verhalten. Bei vielen Menschen mit Flugangst steht der Kontrollverlust im Mittelpunkt. Es gibt jedoch verschiedenste Wege, wie Flugangst entsteht. Sie kann aus schlechten Flugerfahrungen hervorgehen, dem Verlust eines Menschen in einem Flugunglück, medialen Eindrücken oder auch durch Unbehagen, dass durch Unwissenheit zu Stande kommt. Die Wege zur Flugangst sind sehr individuell. Betroffene haben sie im Laufe ihres Lebens erlernt. Niemand wird mit Flugangst geboren.

Bei der Umstrukturierung der Gedanken gilt es vorerst zu erkennen, wann sich ein intrusiver Gedanke nähert. Intrusiv meint in diesem Fall, dass der Gedanke eine Katastrophe prophezeit, Angst auslöst und den Betroffenen schadet. Im Zusammenhang mit Flugangst könnte das sein: Das Flugzeug wird abstürzen! Es wird in Turbulenzen geraten. Die Triebwerke werden ausfallen und die PilotInnen verlieren die Kontrolle. Wichtig ist es sich in solchen Momenten selbst zu stoppen. Dieser Gedanke hilft Ihnen nicht weiter und wird dazu beitragen, dass Sie sich in die Angst hineinsteigern.

Vielen Betroffenen hilft es, der Angst die Argumente zu nehmen. Beispielsweise kann man ihr mit Fakten und Statistiken über Flugzeugabstürze entgegentreten. Flugzeuge sind im Gegensatz zu anderen Verkehrsmitteln extrem sicher. Die Zahl der Menschen, die in Flugzeugunglücken ums Leben kommen, ist klein. Sie fokussieren sich auf die Argumente und können sich so selbst beruhigen.

Gleiches gilt für Wissen über Panik- und Angstreaktionen. Es kann enorm zur Beruhigung beitragen, die körperlichen Reaktionen von Angst zu erkennen, verstehen und einzuordnen. Das vermeidet ein Hineinsteigern in die Angstsymptome. Das Atmen fällt aufgrund der Panik schwer. Das Herzrasen ist kein Herzinfarkt, sondern dem Stress geschuldet.

Entspannungstechniken

Angst geht meist mit Muskelverspannung einher. Gelingt die körperliche Entspannung der Muskeln, schwächt meist auch das Angstgefühl ab.

Im Flugzeug könnte eine Entspannungsübung folgendermaßen aussehen: Spannen Sie einzelne Muskelgruppen bewusst an und entspannen Sie sie nach wenigen Sekunden wieder. Fokussieren Sie sich auf die An- und Entspannung. Dies kann einen meditativen Effekt erzielen, der sich positiv auf die Angstbewältigung auswirken kann.

Im Flugzeug ist es schwieriger eine Atmosphäre zur Meditation zu schaffen. Machen Sie es sich etwas einfacher. Ohrstöpsel oder Noise-Cancelling-Kopfhörer können Ihnen die Ruhe verschaffen, die Sie brauchen. Eine Schlafmaske kann die visuellen Reize ausblenden. Vielen hilft der Fensterplatz, da sie nicht für andere Passagiere aufstehen müssen oder im Gang angerempelt werden. Finden Sie die kleinen Hilfsmittel, um einen Raum der Ruhe für sich zu schaffen.

Tipps gegen Flugangst
  • Systematische Desensibilisierung: Regelmäßig mit den Gedanken des Fliegens auseinandersetzen
  • Konfrontation durch Detail: Bei gedanklichem Ablauf Schritt für Schritt die Flugsituation durchgehen und möglichst die Sinne einbeziehen
  • Virtual Reality: Unterstützung der Konfrontationsübung durch Bild oder VR-Programme verstärken Effekt
  • Fakten übers Fliegen: Zur Beruhigung Statistiken und Fachwissen über das Fliegen aneignen
  • Kenntnisse über Angst: Die eigene körperliche Reaktion verstehen
  • Entspannungstechniken: Atemübungen und Meditation zur Beruhigung einsetzen
  • Hilfsmittel zur Ruhe: Reize vermindern, um Entspannungsübungen zu unterstützen, Raum der Ruhe schaffen
  • Pflanzliche Helfer: Beruhigung durch Baldrian, Bachblüten oder Passionsblumenkraut

Häufige Fragen zu Flugangst

Rezeptfreie Beruhigungsmittel gegen Flugangst sind Baldrian, Passionsblumenkraut oder Bachblüten. In extremen Fällen können Benzodiazepine wie Diazepam oder Lorazepam verschrieben werden.

Bei Flugangst sitzt man am besten in der Nähe der Notausgänge, um sich mit dem Gedanken beruhigen zu können, im Falle eines Flugzeugunglücks schnell flüchten zu können. Außerdem kann es helfen, Fensterplätze zu wählen. So kann man der Interaktion mit anderen Menschen aus dem Weg gehen und sich auf die Entspannungsübungen konzentrieren.

Fliegen ist eines der sichersten Fortbewegungsmittel, die es gibt. Im Jahr 2021 kamen weltweit 176 Menschen bei Flugzeugunglücken ums Leben. Im Vergleich dazu: Allein in Deutschland starben im gleichen Jahr 2562 Menschen bei Autounfällen.

Wichtig ist es, die Panikattacke als solche zu identifizieren. Vielen Betroffenen hilft es, zu verstehen, was gerade mit ihnen passiert. Die körperlichen Symptome, die durch die Panik entstehen, sind selbst nicht gefährlich. Diese sind lediglich auf den Kampf-und-Flucht-Mechanismus zurückzuführen. Die Dauer einer Panikattacke ist meist auf maximal 30 Minuten beschränkt. Es kann helfen, sich den Zustand zu erklären: Was löst die Panik aus? Ist die gefühlte Angst berechtigt? Sollte dies keine Besserung bringen, können entspannende oder ablenkende Tätigkeiten helfen, wie beispielsweise Atemübungen oder Aufschreiben der Emotionen.

Angst ist eine natürliche Emotion, um uns in Gefahrensituationen auf Flucht oder Kampf vorzubereiten. Von allen Fortbewegungsmitteln ist das Flugzeug das sicherste. Die PilotInnen werden auf Gefahrensituationen trainiert, Ausstattung und Sicherheitsvorkehrungen auf den Ernstfall ausgelegt. In Jahr 2021 kam es weltweit zu 20 Flugzeugunglücken. Flugzeugabstürze sind also eher eine Seltenheit.

Quellen

  • Anderson P, Jacobs CH, Lindner GK: Cognitive behavior therapy for fear of flying: sustainability of treatment gains after September 11. Behav Ther 2006; 37: 91–7.

  • Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie e.V. (DGPM): S3-Leitlinie "Behandlung von Angststörungen". Kurzversion. AWMF Register Nr. 051-028. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-028k_S3_Angstst%C3%B6rungen_2014-05_1.pdf

  • Kim S, Palin F, Anderson P: Use of skills learned in CBT for fear of flying: Managing flying anxiety after September 11th. J Anxiety Disord 2008; 22: 301–9.

  • Korzilius H: Flugangst: Stress über den Wolken. Dtsch Arztebl 2003; 100: 15.

  • Rothbaum BO, Anderson P, Zimand E: Virtual reality exposure therapy and standard (in vivo) exposure therapy in the treatment of fear of flying. BehavTher2006; 37: 80–90.

  • Saadat SH, Izadi M, Ahmadi K, et al.: Non-Pharmacologic Treatments for Fear of Flying. Int J Travel Med Glob Health 2014; 2: 31–7.

  • Statistiken zum Thema Flugzeugabsturz. Statista. 2022. https://de.statista.com/themen/129/flugzeugabsturz/ (zugegriffen 08. August 2022)

  • Verkehrsunfälle 2021: Neuer Tiefststand bei Verkehrstoten und Verletzten. Statistisches Bundesamt. 2022. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/07/PD22_286_46241.html (zugegriffen 08. August 2022)

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