Frau auf Couch mit Händen über dem Kopf
  1. Was ist eine vestibuläre Migräne?
  2. Wann und bei wem tritt eine Schwindelmigräne auf?
  3. Vestibuläre Migräne: Symptome
  4. Ursachen von Schwindelmigräne
  5. Wie wird eine vestibuläre Migräne diagnostiziert?
  6. Behandlung und Prävention bei Schwindelmigräne
  7. Häufig angefragte Medikamente gegen Migräne
Frau auf Couch mit Händen über dem Kopf

Etwa 30 bis 50 % aller Migränepatienten leiden unter wiederkehrendem Schwindel.

Auf einen Blick
  • Vestibuläre Migräne ist eine Sonderform der Migräne, welche mit attackenförmig auftretendem Schwindel einhergeht
  • Etwa 1 % der Normalbevölkerung erkrankt in ihrem Leben (Lebenszeit-Prävalenz) an einer vestibulären Migräne
  • Auslöser der vestibulären Migräne sind dieselben wie die der klassischen Migräne
  • Zur Vorbeugung sollte eine medikamentöse Therapie stets mit einem verhaltenstherapeutischen Therapieansatz kombiniert werden

Was ist eine vestibuläre Migräne?

Eine Migräne wird als vestibuläre Migräne bezeichnet, wenn ein regelmäßiger Zusammenhang zwischen einer bestehenden Migräneerkrankung und einer Schwindelsymptomatik in mindestens der Hälfte aller Migräneanfälle besteht. Sie wird daher auch Schwindelmigräne genannt.

Wann und bei wem tritt eine Schwindelmigräne auf?

Etwa 1 % der Bevölkerung erkrankt in ihrem Leben (Lebenszeit-Prävalenz) an einer vestibulären Migräne.

Der Erkrankungsgipfel liegt im höheren Lebensalter, oft setzt der Schwindel viele Jahre nach Beginn der eigentlichen Migräne-Symptomatik ein. Patienten ohne Aura scheinen häufiger betroffen zu sein als Patienten mit Aura.

Frau hat Migräne
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Vestibuläre Migräne: Symptome

Das Krankheitsbild der vestibulären Migräne wird erst seit Kurzem als eigene Krankheitsentität im Rahmen der Migräneerkrankungen wahrgenommen und untersucht.

  • Die Schwindelattacken präsentieren sich in knapp 70 % der Fälle als Drehschwindel.

  • Sie können wenige Sekunden bis mehrere Stunden andauern.

  • Der Schwindel kann hierbei vor, während, nach oder völlig unabhängig von den Kopfschmerzepisoden der Migräneerkrankung auftreten.

  • Bewegung verstärkt sowohl die Kopfschmerzen als auch den Schwindel während eines Anfalls.

  • Patienten mit vestibulärer Migräne reagieren meist empfindlich auf Schwindel-erregende Bewegungen (z.B. Karussellfahren).

Ursachen von Schwindelmigräne

Die Ursachen der vestibulären Migräne sind bisher nicht vollständig erforscht. Es wird davon ausgegangen, dass bei Patienten mit vestibulärer Migräne die der Migräne zugrundeliegende neuronale Übererregbarkeit in besonderem Maße Hirnareale betrifft, die für das Gleichgewicht zuständig sind. Eine Dysregulation dieser Gebiete kann folglich zu Schwindel führen. Im Vergleich, sind bei Migräne Patienten mit Aura die Bereiche im Gehirn betroffen, die beispielsweise für das Sehen zuständig sind.

Die Auslöser der vestibulären Migräne sind dieselben wie die der klassischen Migräne. Zu diesen Triggern gehören:

  • Schlafmangel

  • Stress

  • Menstruation

  • Alkohol

  • Nikotin

  • Wetterumschwung

Wie wird eine vestibuläre Migräne diagnostiziert?

Die Diagnose der vestibulären Migräne ist vielschichtig und beruht vor allem auf dem zeitlich zusammenhängenden Auftreten von Schwindel und Migräne-typischen Kopfschmerzen sowie Aura-Phänomenen wie Lärm- und Lichtscheue und Seh- und Empfindungsstörungen.

Die Erkennung einer vestibulären Migräne basiert in Abwesenheit verlässlicher anderer diagnostischer Mittel größtenteils auf der Einschätzung des Arztes. Während einer Schwindelattacke können in der neurologischen Untersuchung Augenbewegungsstörungen auftreten, die der Patienten nicht bewusst wahrnimmt, von einem Arzt aber erkannt werden können.

Besonders wichtig ist es im ärztlichen Gespräch und der Untersuchung, eine vestibuläre Migräne von anderen Schwindelerkrankungen abzugrenzen. Hierzu zählt unter anderem der Morbus Menière, bei dem zusätzlich zu einem Schwindel eine Schwerhörigkeit auftritt.

Auch der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel stellt eine Differentialdiagnose dar. Die Schwindelanfälle bei dieser Erkrankung verlaufen Attacken-artig und lassen sich durch bestimmte Lagerungsmanöver auslösen. Dies hilft dem Arzt bei der diagnostischen Abgrenzung.

Frau mit Kopfschmerzen / Migräne beim Arzt
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Behandlung und Prävention bei Schwindelmigräne

Die Behandlung der vestibulären Migräne gleicht der etablierten Therapie der klassischen Migräneform.

In der Akutbehandlung leichterer bis mittelschwerer Migräneanfälle werden hochdosiert nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Aspirin eingesetzt. Patienten, die unter schweren Migräneattacken leiden, können Triptane und bei Rezidiven oder langer Dauer der Anfälle auch weitere regelmäßige Medikation erhalten.

Triptane wirken antientzündlich und führen zu einer Verengung der Gefäße. Bei zu häufiger Einnahme können sie einen Medikamenten-induzierten Kopfschmerz begünstigen. Zu weiteren Nebenwirkungen der Triptane zählen ein erhöhter Blutdruck, Kältegefühle und Missempfindungen in Händen und Füßen und Schwindel.

Zur Vorbeugung von häufigen oder bei lang anhaltenden Migräneanfällen werden oft Betablocker oder Calciumkanalblocker verschrieben. Calciumantagonisten sind in der Regel gut verträglich. Zu den mit diesem Medikament im Zusammenhang stehenden Nebenwirkungen gehören Müdigkeit und Gewichtszunahme. Betablocker können ein vorbestehendes Asthma verschlimmern. Gegen den Schwindel können Antiemetika verabreicht werden.

Patienten, bei denen Gleichgewichtsstörungen und Schwindel im Vordergrund steht und die eine nur sehr geringe Kopfschmerzsymptomatik vorweisen, kann außerdem eine Behandlung mit Antiepileptika in Erwägung gezogen werden.

Wie auch zur Vorbeugung der klassischen Migräne sollte eine medikamentöse Therapie stets mit einem verhaltenstherapeutischen Therapieansatz kombiniert werden. Es werden Muskelentspannungstechniken, Akupunktur und Ausdauersport empfohlen.

Quellen

  • Diener H-C et al.: Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Stand Januar 2018. [abgerufen am 26.04.2020]

  • Obermann M et al.: Vestibuläre Migräne. Stand Oktober 2013. Abgerufen am [abgerufen am 26.04.2020]

  • Lempert T et al.: Vestibular migraine: Diagnostic crtieria. Stand Juli 2012. [abgerufen am 26.04.2020]

  • Gelbe Liste Pharmaindex: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen. [abgerufen am 26.04.2020]

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