Es ist eine junge Frau mit einem Korb voll mit Gemüse zu sehen. Sie steht auf einem Feld und es ist sonnig.
  1. Was ist nachhaltige Ernährung?
  2. Nachhaltig essen – So funktioniert’s
Es ist eine junge Frau mit einem Korb voll mit Gemüse zu sehen. Sie steht auf einem Feld und es ist sonnig.

Was ist nachhaltige Ernährung?

Als nachhaltige Ernährung gilt ein Essverhalten, welches auf der einen Seite dem Wohlbefinden und der Gesundheit des Menschen dient. Auf der anderen Seite zieht sie eine möglichst niedrige Umweltbelastung nach sich. Man versteht darunter eine zukunftsfähige Ernährungsweise, die Fehlernährung und damit zusammenhängende Erkrankungen vorbeugt. In der heutigen Zeit nimmt der Welthunger stetig zu, während die Anzahl von Menschen mit Übergewicht sowie chronischen Erkrankungen in Zusammenhang mit Ernährung wie Diabetes, Bluthochdruck und Gicht steigt. Dieser Entwicklung versucht nachhaltige Ernährung entgegenzuwirken.

Im gleichen Zuge sollen die Ressourcen des Planeten geschützt werden. Die Lebensmittelproduktion beansprucht zahlreiche Ressourcen wie Boden, Wasser, Energie und Treibstoff.

Die Lebensmittelindustrie hat negativen Einfluss auf:
  • Klimawandel
  • Biodiversität
  • Meere, fließende Gewässer, Süßwasser
  • Nutzbarkeit der Böden
  • Schadstoffanteil in der Luft
  • Erhalt der Ozonschicht
  • Waldsterben
  • Lebensräume von Mensch und Tier

Durch die vorherrschenden Ernährungsweisen steht es bereits um vier dieser Bereiche kritisch: Durch Düngung versauern die Weltmeere. Der Stickstoffgehalt in Gewässern steigt. Immer mehr chemische Bestandteile gelangen ins Grundwasser. Ein großer Teil des Treibstoffausstoßes geht auf die Lebensmittelproduktion zurück. Nicht nur durch die Erzeugung, besonders bei Verpackung, Transport, Lagerung sowie Zubereitung wird hohe Emission ausgestoßen und so der Klimawandel beschleunigt.

Mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung muss die Ernährungsversorgung langfristig gesichert werden, um zukünftigen Generationen ein gesundes Leben zu ermöglichen. Das Konzept der nachhaltigen Ernährung befasst sich nicht nur mit gesundheitlichen Aspekten und Umweltschutz, sondern auch mit sozialen Faktoren.

Lebensmittel sollen bezahlbar bleiben, aber auch fair gehandelt werden. Die Arbeitsbedingungen der Arbeitenden in der Lebensmittelproduktion und in den Lieferketten müssen menschenrechtlich vertretbar sein.

Nachhaltig essen – So funktioniert’s

Wir als Einzelpersonen machen einen recht kleinen Teil der Belastung durch die Lebensmittelindustrie aus. In ihrer Gesamtheit haben die individuellen Entscheidungen der KonsumentInnen jedoch großen Einfluss darauf, wie sich Lebensmittelindustrie und ihre Angebote entwickeln. Ein gutes Beispiel dafür ist der Anstieg von vegetarischen und veganen Produkten innerhalb der letzten 10 Jahre. Immer mehr Fleischersatzprodukte und Milchalternativen erobern die Supermarktregale. Beinahe jedes Restaurant bietet vegetarische Optionen an, während sich der Vegetarier oder die Vegetarierin von damals mit Beilagen zufriedengeben musste.

Wer sich nachhaltig ernähren möchte, muss sich bewusstwerden, welche Faktoren des eigenen Lebensmittelkonsums sich negativ auf die Umwelt auswirken. Der Lebensmittelkauf beruht oft auf Gewohnheiten und unterbewussten Entscheidungen. Ernährungswissenschaftler Karl von Koerber hat in diesem Zusammenhang das Konzept der Vollwert-Ernährung geschaffen. Karl von Koerber definiert nachhaltige Ernährung als überwiegend pflanzlich. Neben Obst und Gemüse sollten hauptsächlich Hülsenfrüchte, Vollkorn- sowie Milchprodukte und Kartoffeln auf dem Speiseplan stehen.

Die Ernährung ist dann vollwertig, wenn sie gesundheits-, sozial-, umwelt- und wirtschaftsverträglich ist. Sprich nachhaltig ist man dann, wenn die Ernährung die Gesundheit fördert, die Umwelt schont sowie faire Wirtschaftsbeziehungen und soziale Gerechtigkeit stützt.

Wie können Sie sich nachhaltiger ernähren? Fernarzt hat es in 5 Tipps für Sie zusammengetragen.

1. Augen auf beim Obst- und Gemüsekauf

Bei Obst und Gemüse gibt es große Unterschiede mit Blick auf Qualität und Umweltverträglichkeit. Achten Sie darauf, möglichst saisonales Obst und Gemüse zu sich zu nehmen.

Es ist ein Saisonkalender für Obst und Gemüse zu sehen.

Obst und Gemüse aus Ihrer Region hat kürzere Transportstrecken hinter sich. Für Lagerung und Kühlung muss weniger Energie aufgebracht werden, da die Zeit für den Import entfällt. Zudem können Sie bei regionalen Produkten von einem gewissen Standard hinsichtlich fairer Arbeitsbedingungen ausgehen.

Achten Sie daher beim Lebensmittelkauf auf das Herkunftsland. Lassen Sie die Weintrauben aus Brasilien vielleicht öfter mal stehen und greifen Sie zu Produkten, die in Deutschland oder in Nachbarländern produziert wurden. Reduzieren Sie den Genuss von Obst- und Gemüsesorten, welche stets einen langen Weg hinter sich haben, da sie hier nicht wachsen. Als eine der größten Umweltsünden ist hier wohl die Avocado zu nennen.

Wer frisches, regionales, umweltfreundliches Obst und Gemüse möchte, sollte auch die Möglichkeit nutzen, selbst anzubauen – Stichworte: Urban Gardening und Gemeinschaftsgärten. Immer mehr Menschen bauen in kleinen Mengen selbst an, selbst wenn es nur ein paar Pflanzen auf dem eigenen Balkon sind. Auch der Schrebergarten der Großeltern und dessen Ernte kann sich mit Blick auf die Umweltbilanz sehen lassen. Im Supermarkt muss man die Augen für regionale Produkte weit offenhalten. Auf dem Wochenmarkt kann man meist deutlich umweltverträglichere Waren erwerben.

Es sind verschiedene Kräuter in Blumentöpfen zu sehen.

2. Möglichst unverarbeitete Lebensmittel zu sich nehmen

Greifen Sie auf möglichst natürliche und frische Lebensmittel zurück. Auch die Landwirtschaft beansprucht Ressourcen wie Böden und Wasser und schädigt durch Pestizide und Nutzfahrzeuge Luft, Grundwasser und Biodiversität, besonders in der Massentierhaltung. Trotz dessen sind diese Lebensmittel noch deutlich umweltfreundlicher als verarbeitete Lebensmittel. In der Herstellung wird hier eine Vielzahl an Ressourcen verbraucht. Je länger und undurchsichtiger die Zutatenliste, desto eher sollten Sie auf das jeweilige Lebensmittel verzichten. Weniger Farb- und Konservierungsstoffe zu sich zu nehmen, dankt Ihnen nicht nur der Planet, sondern auch Ihr eigener Körper.

3. Reduktion von Verpackungsmüll

Ein großer Faktor sind nicht nur die Lebensmittel selbst, sondern ihre Verpackungen. Versuchen Sie Plastik zu vermeiden, wo es nur geht. Verzichten Sie auf die Plastiktüte beim Obst- und Gemüsekauf. Bringen Sie Ihr eigenes Obstnetz mit und haben Sie für spontane Einkäufe stets eine Tragetasche parat. Vermeiden Sie Wegwerfprodukte. Auf Nachfrage können Sie in zahlreichen Läden, Imbissen oder Cafés Ihre mitgebrachten Gefäße befüllen lassen – egal ob Tupperbox oder To Go-Kaffeebecher.

In immer mehr Städten gibt es Unverpacktläden. In diesen werden Lebensmittel ohne Verpackungen angeboten.

Auf dem Bild ist ein Coffee-To-Go-Becher zu sehen, der  im Wald hinterlassen wurde.

4. Vermeiden von Lebensmittelverschwendung

Lebensmittel verbrauchen in der Herstellung viele Ressourcen. Daher trifft es die Umwelt doppelt, wenn Lebensmittel verschwendet werden.

Mithilfe von Apps wie “Too Good To Go” können Sie Lebensmittel von Restaurants und Bäckereien günstig ergattern, die sonst im Müll landen würden. Firmen wie Etepetete bieten Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern an, die es nicht in die Supermärkte geschafft haben.

Aber auch immer mehr Supermärkte bieten als “Mangelware” degradiertes Gemüse zu günstigerem Preis an. Ist Gemüse nicht mehr so knackig, lässt es sich perfekt in einer Suppe verwerten. Riskieren Sie öfter einen Blick in den Kühlschrank und fragen Sie sich: Was muss weg? Es kann helfen von vornherein nicht zu viel einzukaufen und Mahlzeiten zu planen.

Viele Lebensmittel verderben schneller durch falsche Lagerung. Mehr zur richtigen Lagerung von Obst und Gemüse lesen Sie hier.

5. Ernährungskompetenz stärken

In der Bevölkerung herrschen große Unwissenheit und Informationsmangel hinsichtlich gesunder und nachhaltiger Ernährung. Hier ist oft nicht unzureichende Bildung die Ursache, sondern fehlende Transparenz. Für eine Vielzahl der Lebensmittel ist der Rechercheaufwand sehr hoch, um Informationen zum Ursprung oder zu den Arbeitsbedingungen zu erhalten.

Die Kennzeichnungen auf Lebensmitteln sind bisher recht mangelhaft, Lieferketten oft zu undurchsichtig. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) will sich in Zukunft für bessere Kennzeichnungssysteme stark machen. Das Regionalfenster (regionales Produkt) und das Bio-Siegel (weniger Pestizide) wurden bereits eingeführt. In Zukunft soll auch Tierwohl auf Produkten gekennzeichnet werden. Grundsätzlich lohnt sich ein Blick auf die Nährwerttabelle. Bleiben Sie aufmerksam und achten Sie auf hohen Zucker-, Fett- oder Salzanteil.

Gütesiegel
Regionalfenster der Regionalfenster Service GmbH
Regionalfenster der Regionalfenster Service GmbH
Bio-Siegel des BMEL
Bio-Siegel des BMEL
Fairtrade-Siegel des Fairtrade Deutschland e.V.
Fairtrade-Siegel des Fairtrade Deutschland e.V.

Ein weiteres bekanntes Gütesiegel ist Fairtrade. Dieses kennzeichnet Arbeitsbedingungen nach Fairtrade-Standard in der gesamten Lieferkette des Produkts. Auch mit Blick auf die Kennzeichnung wird sich der Markt hinsichtlich der Nachfrage verändern. Je mehr die KonsumentInnen auf Informationen zu Ihren Lebensmitteln bestehen, desto mehr muss der Markt nachziehen. Bis dahin gilt es, sich selbst zu informieren und Marken, die nachhaltige Standards nicht erfüllen, aktiv zu meiden.

Häufige Fragen zu nachhaltiger Ernährung

Nachhaltiges Essen dient dem Wohlbefinden und der Gesundheit des Menschen bei möglichst niedriger Umweltbelastung.

Eine nachhaltige Ernährung sollte sehr pflanzenbetont sein. Dabei sollte saisonales und regionales Obst und Gemüse bevorzugt werden. Auf verarbeitete Lebensmittel sollten Sie möglichst verzichten. Vermeiden Sie Lebensmittelverschwendung und Verpackungsmüll. Die Lebensmittel sollten unter fairen Bedingungen hergestellt worden sein. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Tierwohl. Wer sich nachhaltig ernähren möchte, sollte Fleisch und Fisch möglichst aus der Speisekarte streichen. Wer nicht auf tierische Produkte verzichten möchte, sollte auf Freilandhaltung achten und Billigfleisch in den Regalen liegen lassen.

Ein Lebensmittel ist nachhaltig, wenn es möglichst ressourcenschonend hergestellt, gelagert und transportiert sowie fair gehandelt wurde. Es sollte zudem gesund für den Menschen sein.

Obst und Gemüse, welches gerade Saison hat und in Ihrer Region angebaut wird, hat eine gute Umweltbilanz. Besonders nachhaltig sind natürliche Lebensmittel aus eigenem Anbau, beim Bauernhof um die Ecke oder vom Wochenmarkt.

Quellen

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