bildliche Darstellung
  1. Was ist Hirsutismus?
  2. Symptome von Hirsutismus
  3. Hirsutismus: Ursachen
  4. Wie wird Hirsutismus festgestellt?
  5. Hirsutismus: Welcher Arzt?
  6. Hirsutismus Behandlung
bildliche Darstellung

Fünf bis zehn Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden unter unterschiedlich starken Formen von Hirsutismus.

Was ist Hirsutismus?

Bei Hirsutismus leiden Frauen unter vermehrter Behaarung, die dem natürlichen Behaarungsmuster eines Mannes gleicht. Dies kann für die Betroffenen mit einem erheblichen psychischem Leidensdruck verbunden sein.

Symptome von Hirsutismus

Das Hauptsymptom von Hirsutismus ist dichtes, langes, grobes, dunkles Haar, das an Körperstellen wächst, an denen normalerweise feines, dünnes, transparentes Haar wächst. Typischerweise sind folgende Stellen von vermehrtem Haarwuchs betroffen:

  • Oberlippe & Kinn (Damenbart)

  • Bauch

  • Oberarme

  • Oberschenkel

Es gibt unterschiedliche Ursachen für die verstärkte Behaarung und auch Fälle, in denen der Entstehungsgrund unklar bleibt. Häufig ist Hirsutismus jedoch auf eine erhöhte Konzentrationen männlicher Hormone zurückzuführen, beispielsweise bei dem sogenannten polyzystischen Ovarialsyndrom.

Allerdings gibt es auch andere Gründe für eine zu hohe Produktion von Androgenen, also männlichen Sexualhormonen. Androgene sind Hormone, die für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale zuständig sind. Das bekannteste ist das Testosteron. Normalerweise sollten diese bei Frauen eher niedrig ausfallen, aber bei fast allen Hirsutismus-Patientinnen sind diese im Blut erhöht.

Zum Zeitpunkt der Geburt hat ein Mensch rund fünf Millionen Haarfollikel. Einige davon werden zu sogenannten Terminalhaaren und andere zu Vellushaaren, wobei erstere eher lang und dunkel pigmentiert sind und letztere eher fein und transparent bleiben. Die Verteilung dieser Haartypen kann sich im Laufe des Lebens verändern und hängt mit den Hormonen zusammen.

Zu beachten ist, dass die Herkunft und auch der Hauttyp einer Frau einen Einfluss auf die Körperbehaarung haben. Frauen mit dunklem Hauttyp und dunklem Haar haben oft auch eine stärkere Behaarung, die normal ist und nicht als Hirsutismus bezeichnet wird.

Möchten Sie ärztlichen Rat?

Hirsutismus kann gut behandelt werden. Bei Fernarzt können Sie mit einem Arzt per Telefon oder Video sprechen oder ein Rezept ganz bequem online per Fragebogen beantragen.

Hirsutismus: Ursachen

Hirsutismus kann verursacht werden durch:

  • Polyzystisches Ovarialsyndrom: Bei den meisten Frauen ist diese Erkrankung Auslöser der verstärkten Behaarung. Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine Stoffwechselstörung, die oft die folgenden drei Merkmale aufweist (es reichen aber auch nur zwei Kriterien zur Diagnose, und auch wenn der Name irreführend ist, müssen KEINE Zysten am Ovar vorliegen):

    • Störungen des Menstruationszyklus und verringerte Ovulationen

    • Hirsutismus oder andere Formen der Virilisierung (“Vermannung” der Frau) aufgrund von Hyperandrogenismus

    • Zysten in den Eierstöcken

Die Erkrankung tritt häufiger bei übergewichtigen Frauen auf. In Studien wurden Frauen mit Hirsutismus auf polyzystisches Ovarialsyndrom untersucht und bei der Mehrheit lagen weitere Kriterien dieser Erkrankung vor. Zumeist treten die Symptome mit der Pubertät oder kurz danach auf, da zu diesem Zeitpunkt die gesamte Hormonproduktion stark ansteigt.

  • Idiopathischer Hirsutismus: Diese Ausschlussdiagnose erhalten Frauen, die ein männliches Behaarungsmuster haben, aber keine erhöhten männlichen Hormone in Bluttests aufweisen und keine Menstruationsstörungen haben. Bei 90 % der betroffenen Frauen wurden in einer Studie jedoch auch Eierstockzysten nachgewiesen.

  • Nicht-klassische kongenitale Nebennierenhyperplasie: Hierbei handelt es sich um eine seit der Geburt vergrößerte Nebenniere. Da einige Hormone, wie die Androgene, hier produziert werden, kommt es zu einem Überschuss der männlichen Sexualhormone und infolge zur Ausprägung des Hirsutismus.

  • Androgen sezernierende Tumore: In sehr seltenen Fällen kann einem Hirsutismus auch ein Tumor zugrunde liegen, der Hormone produziert. Diese Ursache tritt eher in späteren Lebensabschnitten auf und es kommt zu einer schnellen Entwicklung der Symptome. Darüber hinaus gibt es noch weitere, jedoch seltene, Ursachen von Hirsutismus. Dazu gehört beispielsweise eine hormonelle Störung der Schilddrüse oder Nebenwirkungen durch die Einnahme von manchen Arzneimitteln.

  • Hirsutismus durch die Einnahme hochdosierter Medikamente wie Androgene, Gestagene, Anabolika oder Glukokortikoide

Wie wird Hirsutismus festgestellt?

Beim Hirsutismus handelt es sich um eine Erkrankung, die sich negativ auf die Psyche der Betroffenen auswirken kann. Sie ist deswegen immer ernst zu nehmen. Das männliche Behaarungsmuster ist durch die Betrachtung der betroffenen Stellen diagnostizierbar. Da ein Hirsutismus jedoch oft auf eine hormonelle Störung hinweist, ist eine weitere Diagnostik zu empfehlen. Es gibt andere Erkrankungen neben dem Hirsutismus, die zu einer verstärkten Behaarung führen:

  • Lanugo Haare: Sogenannte Lanugo Haare treten beispielsweise bei Frauen und Mädchen auf, die unter Anorexie leiden.

  • Hypertrichosis ist ein verstärktes Haarwachstum an Stellen, an denen sonst kaum Haare wachsen. Sie wird vererbt oder durch andere hormonelle Störungen bedingt.

Ziel bei der Diagnostik ist es, zwischen Hirsutismus und anderen Erkrankungen zu unterscheiden, die Ursache der Erkrankung möglichst klarzustellen und die emotionale Belastung der Betroffenen zu erkennen. Die psychische Gesundheit der betroffenen Frauen ist wichtig, da sich die ungewöhnlich starke Behaarung hierauf negativ auswirken und bis hin zur Depression führen kann.

Die Krankheitsgeschichte der Patientin ist für die Diagnose essentiell. Dazu gehören:

  • Der Beginn des Hirsutismus

  • Die Ausprägung

  • Maßnahmen, die sie selbst bereits ergriffen hat

  • Andere Grunderkrankungen

  • Familiäre Erkrankungen

Bei der Untersuchung des Behaarungsmusters kann der behandelnde Arzt beispielsweise den Ferriman-Gallwey Score verwenden, um eine genaue Klassifikation zu ermöglichen. Dieser Score berücksichtigt auch die Ethnizität der Frau. Ein Ergebnis von mehr als acht Punkten wird als Hirsutismus gewertet. Andere Anzeichen eines Überschusses männlicher Hormone können zum Beispiel ein Kopfhaarausfall wie bei einem Mann, mehr Muskelmasse und eine tiefere Stimme sein.In einem Labor kann das Blut der Frau untersucht werden, um die Testosteronkonzentration und eventuell weitere Parameter zu bestimmen.Auch eine sonographische oder andere bildgebende Untersuchung von Eierstöcken, Blase und den Nieren kann die Diagnose unterstützen.

Hirsutismus: Welcher Arzt?

Betroffene, welche vermehrten Haarwuchs feststellen oder können sich an den Hausarzt bzw. Hausärztin oder einen Frauenarzt bzw. Frauenärztin wenden. Für Ursachenforschung und Behandlung dieser Erkrankung sind ebenso Dermatologen und Endokrinologen geeignet.

Frauenärztin im Gespräch mit einem Patienten bei einer telemedizinischen Video-Sprechstunde.
Sie möchten gynäkologischen Rat?

Ärztliche Einschätzung, Rezeptausstellung und Krankschreibung per Video- oder Telefon-Sprechstunde.

Hirsutismus Behandlung

Die Behandlung hängt davon ab, wie stark die Patientin betroffen ist, welche Ursache vorliegt und wie sehr sie unter der Erkrankung leidet. Hirsutismus kann therapiert werden durch:

  • Antibabypille: Laut internationalem Leitfaden sollte die Therapie mit einem Östrogen-Progesteron-haltigen oralen Kontrazeptivum, also einer Antibabypille, begonnen werden. Das setzt voraus, dass die Frau aktuell nicht schwanger werden möchte. Bei 60 bis 100 Prozent der behandelten Frauen kommt es durch diese Behandlung zu einer Verbesserung der Symptomatik.

  • Antiandrogene: Es ist auch eine Antiandrogen-Therapie möglich. Allerdings kann es dabei zu Fehlbildungen bei einem männlichen Fötus kommen, wenn die Patientin während der Behandlung schwanger wird. Bei dieser Hormontherapie wurde in Studien eine starke Verbesserung nachgewiesen.

Eine Vergleichsstudie, die die Behandlung mit oralen Kontrazeptiva im Vergleich zu Antiandrogenen analysiert hat, hat keinen signifikanten Unterschied nachweisen können.

Die Wirkung der Medikamente kann in der Regel erst nach einer Einnahme von mehr als sechs Monaten bewertet werden. Bei stark betroffenen Frauen kann eine Kombinationstherapie mit einem oralen Kontrazeptivum, also der Antibabypille und einem Antiandrogen erwogen werden.

  • Hirsutismus Creme: Auch die direkte Behandlung der betroffenen Stellen mit einer Creme ist möglich. Der Wirkstoff hemmt ein Enzym, das für das Haarwachstum wichtig ist. In klinischen Studien wurde belegt, dass eine Behandlung mit einer Creme über mehrere Wochen zu signifikanten Verbesserungen führt.

  • Auch die direkte Haarentfernung ist eine therapeutische Option. Aufgrund der zum Teil hohen Androgenkonzentration wachsen die Haare allerdings oftmals schnell wieder nach.

  • Laserbehandlung: Die am häufigsten genutzte Methode bei Hirsutismus ist die Photoepilation mit Laser. Obwohl diese Art der Haarentfernung permanent sein soll, kommt es bei Hirsutismus-Patientinnen in der Regel zum Nachwachsen der Haare.

  • Abnehmen: Bei übergewichtigen Frauen kann eine Gewichtsreduktion positive Auswirkungen haben.

  • Auch eine Behandlung von psychischen Erkrankungen, die oft mit dem Hirsutismus assoziiert werden, ist wichtig.

Quellen

  • Ferriman D, Gallwey JD. Clinical assessment of body hair growth in women. The Journal of clinical endocrinology and metabolism. 1961;21:1440-7.

  • Knochenhauer ES, Key TJ, Kahsar-Miller M, Waggoner W, Boots LR, Azziz R. Prevalence of the polycystic ovary syndrome in unselected black and white women of the southeastern United States: a prospective study. The Journal of clinical endocrinology and metabolism. 1998;83(9):3078-82.

  • Deplewski D, Rosenfield RL. Role of hormones in pilosebaceous unit development. Endocrine reviews. 2000;21(4):363-92.

  • O'Driscoll JB, Mamtora H, Higginson J, Pollock A, Kane J, Anderson DC. A prospective study of the prevalence of clear-cut endocrine disorders and polycystic ovaries in 350 patients presenting with hirsutism or androgenic alopecia. Clinical endocrinology. 1994;41(2):231-6.

  • Azziz R, Carmina E, Sawaya ME. Idiopathic hirsutism. Endocrine reviews. 2000;21(4):347-62.

  • Moore A, Magee F, Cunningham S, Culliton M, McKenna TJ. Adrenal abnormalities in idiopathic hirsutism. Clinical endocrinology. 1983;18(4):391-9.

  • Adams J, Polson DW, Franks S. Prevalence of polycystic ovaries in women with anovulation and idiopathic hirsutism. British medical journal (Clinical research ed). 1986;293(6543):355-9.

  • Chetkowski RJ, DeFazio J, Shamonki I, Judd HL, Chang RJ. The incidence of late-onset congenital adrenal hyperplasia due to 21-hydroxylase deficiency among hirsute women. The Journal of clinical endocrinology and metabolism. 1984;58(4):595-8.

  • Moltz L, Pickartz H, Sorensen R, Schwartz U, Hammerstein J. Ovarian and adrenal vein steroids in seven patients with androgen-secreting ovarian neoplasms: selective catheterization findings. Fertility and sterility. 1984;42(4):585-93.

  • Carmina E, Rosato F, Janni A, Rizzo M, Longo RA. Extensive clinical experience: relative prevalence of different androgen excess disorders in 950 women referred because of clinical hyperandrogenism. The Journal of clinical endocrinology and metabolism. 2006;91(1):2-6.

  • Lipton MG, Sherr L, Elford J, Rustin MH, Clayton WJ. Women living with facial hair: the psychological and behavioral burden. Journal of psychosomatic research. 2006;61(2):161-8.

  • Clayton WJ, Lipton M, Elford J, Rustin M, Sherr L. A randomized controlled trial of laser treatment among hirsute women with polycystic ovary syndrome. The British journal of dermatology. 2005;152(5):986-92.

  • Martin KA, Anderson RR, Chang RJ, Ehrmann DA, Lobo RA, Murad MH, et al. Evaluation and Treatment of Hirsutism in Premenopausal Women: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. The Journal of clinical endocrinology and metabolism. 2018;103(4):1233-57.

  • Demidov VN, Lipatenkova J, Vikhareva O, Van Holsbeke C, Timmerman D, Valentin L. Imaging of gynecological disease (2): clinical and ultrasound characteristics of Sertoli cell tumors, Sertoli-Leydig cell tumors and Leydig cell tumors. Ultrasound in obstetrics & gynecology : the official journal of the International Society of Ultrasound in Obstetrics and Gynecology. 2008;31(1):85-91.

  • Burkman RT, Jr. The role of oral contraceptives in the treatment of hyperandrogenic disorders. The American journal of medicine. 1995;98(1a):130s-6s.

  • Spritzer PM, Lisboa KO, Mattiello S, Lhullier F. Spironolactone as a single agent for long-term therapy of hirsute patients. Clinical endocrinology. 2000;52(5):587-94.

  • Van der Spuy ZM, le Roux PA. Cyproterone acetate for hirsutism. The Cochrane database of systematic reviews. 2003(4):Cd001125.

  • Wolf JE, Jr., Shander D, Huber F, Jackson J, Lin CS, Mathes BM, et al. Randomized, double-blind clinical evaluation of the efficacy and safety of topical eflornithine HCl 13.9% cream in the treatment of women with facial hair. International journal of dermatology. 2007;46(1):94-8.

  • Somani N, Turvy D. Hirsutism: an evidence-based treatment update. American journal of clinical dermatology. 2014;15(3):247-66.

Zum Anfang