Allergie Frau  Taschentuch niesen
  1. Was sind Allergien?
  2. Was passiert im Körper bei einer Allergie?
  3. Typen von Allergien
  4. Verdacht auf Allergie – was nun?
  5. Welche Allergietests gibt es?
  6. Heuschnupfen: Die häufigste Allergie
  7. Häufig gestellte Fragen zu Allergien
Allergie Frau  Taschentuch niesen

In Deutschland liegt die Prävalenz für Allergien bei 29 Prozent. Das bedeutet, dass etwa 3 von 10 Deutschen an mindestens einer Allergie leiden.

Allergien könnte die Lebensqualität von Betroffenen stark einschränken. Besonders in Industrieländern leiden immer mehr Menschen unter diesen körperlichen Reaktionen, die durch eigentlich harmlose Stoffe ausgelöst werden können. Erfahren Sie hier mehr über Symptome, Entstehung und Therapie von Allergien.

Auf einen Blick
  • Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegenüber einem körperfremden Stoff.
  • Allergien werden in vier verschiedene Typen unterteilt, abhängig von der Reaktion des Immunsystems auf das Allergen.
  • Allergien vom Typ I und Typ IV treten am häufigsten auf.
  • Bei einem Verdacht auf eine Allergie sollte ein Allergologe bzw. eine Allergologin aufgesucht werden.
  • Es gibt verschiedene Tests, um die Ursache der Allergie herauszufinden.

Was sind Allergien?

Bei Allergien handelt es sich um eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegenüber sonst ungefährlichen, körperfremden Stoffen, sogenannten Allergenen. Diese Reaktion kann beispielsweise bei Pollen, Tierhaaren oder gegenüber Nahrung auftreten. Allergie ist jedoch nicht gleich Allergie: Die möglichen Symptome reichen von allergischem Schnupfen und juckenden Augen über Hautreaktionen und Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Asthma mit Luftnot – oder gar einem allergischen Schock. Die Beschwerden bleiben mindestens so lange bestehen, wie die allergieauslösende Substanz im Organismus vorhanden ist, oft auch deutlich darüber hinaus.

Was passiert im Körper bei einer Allergie?

Bei einer Allergie kommt es zu einer Abwehrreaktion des Immunsystems, da dieses auf bestimmte Stoffe außerhalb des Körpers reagiert und diese Stoffe als Eindringlinge wahrnimmt. Eine Reaktion bei einer Allergie läuft demnach ähnlich wie eine Reaktion des Körpers bei der normalen Immunabwehr gegen Eindringlinge ab.

Wenn die Allergene auf die Haut oder Schleimhäute treffen, lösen sich Peptide (winzig kleine Eiweißverbindungen). Die Peptide durchdringen die Hautbarriere und docken an Immunglobulin-E-Antikörper (IgE) an. IgE-Antikörper sind vom Immunsystem gebildete Eiweißmoleküle zur Bekämpfung von Krankheitserregern und anderen Fremdstoffen. Die Antikörper haben sich zuvor mit einer Mastzelle verbunden. Sie sind für die allergische Reaktion entscheidend. Mastzellen sind dort angesiedelt, wo häufig Kontakt mit Allergenen besteht: in der Haut, den Atemwegen oder dem Darm. Mastzellen speichern unter anderem den Botenstoff Histamin. Diese Substanz spielt bei entzündlichen Prozessen eine wichtige Rolle. Wenn ein Allergen sich mit den angelagerten IgE-Antikörpern verbindet, schüttet die Mastzelle unmittelbar das gespeicherte Histamin und andere Entzündungsbotenstoffe aus. Die ausgeschütteten Entzündungsstoffe bewirken dann die Anzeichen einer Entzündung: die Haut schwillt an, Sekret (Flüssigkeit) wird produziert, Juckreiz setzt sein, Quaddeln entstehen oder die Atemwege verengen sich.

Typen von Allergien

Allergien werden in vier verschiede Typen unterteilt, abhängig davon, auf welche Weise das Immunsystem auf einen Stoff reagiert. Die Allergietypen Typ I und Typ IV treten am häufigsten auf.

Mit einem Anteil von 90 Prozent aller Allergien, ist die Typ-I-Allergie die häufigste Allergieform. Bei diesem Typ spielen die IgE-Antikörper eine entscheidende Rolle, denn bei Menschen mit Allergien besteht ein Überschuss an IgE-Antikörpern.

Im Gegensatz zu den anderen Antikörpern, hängen sich IgE-Antikörper vorwiegend an die Oberfläche von anderen Zellen, wie zum Beispiel der so genannten Mastzelle. Dadurch kommt es zur Ausschüttung der Botenstoffe aus den Mastzellen, was wiederum Entzündungsreaktionen auslöst.

Typische Beispiele für Typ-I-Allergien sind die Nesselsucht (Urtikaria) der Haut, die allergische Bindehautentzündung (Konjunktivitis), der Heuschnupfen (Rhinitis allergica) und das allergische Asthma.

Bei der Typ-II-Allergie bilden sich innerhalb weniger Stunden Immunkomplexe zwischen zellständigen Antigenen (z. B. bestimmte Medikamente oder transfundiertes Blut, auf dessen Zelloberflächen Antigene gebunden sind) und körpereigenen, im Blutstrom kreisenden Immunglobin-Antikörpern (speziell IgG und IgM). Sie aktivieren zytotoxische Killerzellen und das Komplementsystem, eine unspezifische Immunantwort des Körpers. Es kommt dabei zur Zerstörung (Lyse) körpereigener Zellen mit dem entsprechenden Antigen auf der Oberfläche. Aus diesem Grund wird bei diesem Typ auch von einem zytotoxischen Allergietyp gesprochen, was so viel bedeutet wie "giftig für Zellen".

Dieser Reaktionstyp kann beispielsweise nach Bluttransfusionen auftreten, wenn das Transfusionsblut nicht mit der Blutgruppe des Empfängers übereinstimmt. Auch bestimmte Medikamente (z. B. Schmerzmittel und Antibiotika können zytotoxische Reaktionen auslösen. Auch bestimmte Autoimmunerkrankungen wie Myasthenia Gravis und Bullöses Pemphigoid liegen diesem Reaktionstyp zugrunde.

Bei der Typ-III-Allergie bilden sich innerhalb von mehreren Stunden Immunkomplexe zwischen zirkulierenden IgG-Antikörpern und Antigenen, die sich in Blutgefäßen oder im Gewebe von Organen ablagern können. Die abgelagerten Komplexe lösen wiederum eine weitere Reaktion des Komplementsystems aus und aktivieren weitere Zellen wie Neutrophile. Da die Immunkomplexe oft in kleinen Blutgefäßen stecken bleiben, macht sich die Allergie meist durch punktförmige, dunkelrote Einblutungen an Beinen oder am Gesäß bemerkbar.

Beispiele für die Typ-III-Allergie sind allergische Gefäßentzündungen (Vaskulitiden), die sogenannte Farmer-Lunge und die Serumkrankheit.

Bei der Typ-IV-Allergie oder Allergie vom verzögerten Typ treten erst Stunden bis Tage nach dem Kontakt mit dem Allergen Krankheitszeichen auf. An dieser Reaktion sind keine Antikörper beteiligt. Die Immunantwort wird durch eine bestimmte Unterform von Immunzellen ausgelöst, die T-Lymphozyten. Es handelt sich also um eine zellvermittelte Reaktion. T-Lymphozyten überwachen ständig, ob Fremdmaterial in den Körper eindringt, und speichern diese Information. Erkennen solche T-Gedächtniszellen das Allergen erneut im Blut, aktivieren sie das Immunsystem.

Beispiele für die Typ-IV-Allergie sind das allergische Kontaktekzem, die Transplantatabstoßung und die Tuberkulinreaktion, bei der man eine Tuberkuloseinfektion nachweist. Auch manche Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose funktionieren über T-Lymphozyten.

Verdacht auf Allergie – was nun?

Wenn sie den Verdacht haben, dass Sie unter einer Allergie leiden, kann dies bei einem Arzt oder einer Ärztin getestet werden. Fachärzte für Allergien heißen Allergologen. Dies sind meist Haus- oder Hautärzte, die sich auf diesem Fachgebiet weitergebildet haben. Bei Kindern ist meistens der Kinderarzt die erste Anlaufstelle bei einer Allergie.

Ein Allergologe kennt sich in der Regel mit den meisten Allergien aus und weiß, welchen Allergietest er bei welchen Symptomen einsetzen sollte. Erst wenn der Allergologe die Ursache der Allergie festgestellt hat, kann die geeignete Therapie und Behandlung eingeleitet werden.

Dermatologe führt Allergie Pricktest am Unterarm durch
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Welche Allergietests gibt es?

Bei einem Allergietest wird festgestellt, ob und gegen welches Allergen eine Allergie besteht. Um dies zu prüfen, sollte ein spezialisierter Allergologe bzw. Allergologin aufgesucht werden. Dieser führt zuerst ein Anamnesegespräch durch, bei dem erfragt wird, wie sich die Beschwerden äußern und in welchen Situationen sie auftreten. Der darauffolgende Test hängt von der Art des Allergieauslösers ab.

Arten von Allergietests:

Pricktest

Dieser Test wird meist bei einer Typ-I-Allergie durchgeführt. Unterschiedliche Substanzen mit Allergenen werden auf die Haut aufgetragen und die Haut leicht eingeritzt, wodurch das Allergen in die Haut eindringen kann. Bei einer allergischen Reaktion treten nach ca. 20 Minuten die ersten Pusteln oder Rötungen auf.

Bluttest

Er wird häufig ergänzend zum Pricktest eingesetzt und kann die IgE-Antikörper im Blut bestimmen, die speziell gegen bestimmte Allergene gerichtet sind.

Epikutantest

Bei Verdacht auf eine Kontaktallergie, also eine Typ-IV-Allergie, wird der Epikutantest angewendet. Dazu klebt der behandelnde Arzt das Allergen für einen bestimmten Zeitraum auf den Rücken des Patienten. Wenn eine Allergie besteht, reagiert das Immunsystem, indem sich ein Ekzem bildet oder Bläschen entstehen.

Provokationstest

Der Patient wird bei diesem Test direkt mit dem Allergen konfrontiert, so wie es in der Realität geschieht. Dazu träufelt der Mediziner zum Beispiel die Allergenlösung direkt auf Nasenschleimhaut oder Augenbindehaut. Bei einer vermuteten Nahrungsmittelallergie isst der Betroffene die verdächtigen Lebensmittel. Allerdings beinhaltet dieser Test auch Risiken und sollte unbedingt unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden, da ein allergischer Schock auftreten kann.

Heuschnupfen: Die häufigste Allergie

Die Allergie, von der die meisten Personen betroffen sind, ist die Pollenallergie. Die allergische Reaktion auf Pollen lässt sich mittlerweile schon als Volksleiden beschreiben, denn etwa 15 bis 24 Prozent aller Deutschen leiden darunter. Die typischen Symptome äußern sich durch gerötete, brennende, tränende und juckende Augen, geschwollene Schleimhäute, Niesreiz und Fließschnupfen.

Wann blühen welche Pollen?

Für Allergiker ist es meist eine sinnvolle Strategie, den Kontakt mit den Allergenen so gut wie möglich zu vermeiden. Besonders bei Heuschnupfen kann es hilfreich sein zu wissen, wann welche Pflanzen blühen, um den Pollenflug vermeiden oder sich mit einer passenden Therapie darauf vorbereiten zu können. Der Kalender gibt einen Überblick über die Zeiten, in denen die Pollen vorkommen und wann Sie demnach mit den typischen Symptomen rechnen sollten. Hier kommen sie zu unserem Pollenflugkalender.

Heuschnupfen tritt nur im Frühling auf?

Auch, wenn die wichtigste Saison für den Heuschnupfen die Monate im Frühjahr und Sommer sind, gibt es immer mehr Menschen, die über das ganze Jahr verteilt unter den Symptomen leiden. Forscher sind sich mittlerweile einig, dass der Klimawandel und Schadstoffe in der Umwelt mitverantwortlich für diese Veränderung sind. Der Klimawandel sorgt dafür, dass die Pollenflugzeit länger andauert und früher beginnt. Im November fliegen beispielsweise die letzten Gräser- und Brennnesselpollen und im Dezember bereits die ersten Haselnusspollen. Durch diesen Wandel bleibt den Betroffenen keine pollenfreie Zeit mehr, in der sie sich erholen können.

Außerdem ist auch ein Anstieg in der Menge der Pollen in den letzten Jahren zu beobachten. Forscher vermuten, dass die erhöhte Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Luft und erhöhte Temperaturen im Winter an einem vermehrten Pollenflug mitwirken. Denn durch das vermehrt ausgestoßene CO2 wachsen Pflanzen schneller, Bäume und Sträucher werden größer und produzieren mehr Blüten und somit auch mehr Pollen.

Häufig gestellte Fragen zu Allergien

Es gibt viele verschiedene Allergiearten. Zu den am weitesten verbreiteten zählen:

  • Heuschnupfen
  • Hausstaubmilbenallergie
  • Schimmelpilzallergie
  • Nahrungsmittelallergie
  • Tierhaarallergie
  • Kontaktallergie
  • Kreuzallergie
  • Arzneimittelallergie
  • Insektengiftallergie

Die Pollenallergie bzw. Heuschnupfen ist die häufigste Allergie, bis zu 24 Prozent der Deutschen leiden darunter. Auf Platz 2 der Häufigkeit folgt die Allergie gegen Staub oder Milben. Weiterhin häufig sind Allergien gegen Nahrungsmittel. Dazu zählen verschiedenste Nahrungsmittel, wie Gemüse- oder Obstsorten, Nüsse, Getreide, Fisch oder Ei.

Bei Allergien handelt es sich um eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegenüber sonst ungefährlichen körperfremden Stoffen, sogenannte Allergene. Unverträglichkeiten sind dagegen Überempfindlichkeitsreaktionen, die nicht durch das Immunsystem hervorgerufen werden. Demnach wird meist bei Nahrung von einer Unverträglichkeit gesprochen, wenn der Organismus nicht fähig ist gewisse Bestandteile der Nahrung zu verdauen.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie unter einer Allergie leiden, kann dies bei einem Allergologen getestet werden. Allergologen sind meist Hausärzte oder Hautärzte, die sich auf diesem Gebiet weitergebildet haben. Bei Kindern ist in der Regel der Kinderarzt die erste Anlaufstelle bei einer Allergie.

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Quellen

  • Biedermann T, Heppt W, Renz H, et al. (Hrsg.): Allergologie. 2. Aufl. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag 2016.

  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI): S2-Leitlinie „Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen“. 2006.

  • Fehr A, Lange C, Fuchs J, et al.: Gesundheitsmonitoring und Gesundheitsindikatoren in Europa. Journal of Health Monitoring 2017; 2: 3–23.

  • Greiner AN, Hellings PW, Rotiroti G, et al.: Allergic rhinitis. Lancet 2011; 378: 2112–22.

  • Kleine-Tebbe J, Jakob T (Hrsg.): Molekulare Allergiediagnostik. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag 2015.

  • Naef V: Das ganze Jahr Heuschnupfen. vitagate. 2020. https://vitagate.ch/de/gesund_und_schoen/ratgeber/heuschnupfen/pollenfrei (zugegriffen 30. September 2021)

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