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  1. Was sind Cluster-Kopfschmerzen?
  2. Wann und bei wem treten Cluster-Kopfschmerzen auf?
  3. Cluster-Kopfschmerzen: Symptome
  4. Cluster-Kopfschmerzen: Ursachen
  5. Wie werden Cluster-Kopfschmerzen diagnostiziert?
  6. Cluster-Kopfschmerzen: Behandlung
  7. Weitere trigeminoautonome Kopfschmerzformen
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Auf einen Blick
  • Cluster-Kopfschmerzen gehören zu primären Kopfschmerzerkrankungen
  • Typisch für Cluster-Kopfschmerzen sind Begleitbeschwerden wie Schwitzen oder Tränende Augen auf der gleichen Seite.
  • Die Ursache für Cluster-Kopfschmerzen ist bisher nicht geklärt. Entzündungen, Tumore, Fehlbildungen sowie Einrisse in Gefäßen können Gründe sein.
  • Meist treten die Kopfschmerzen erst im Alter von 30 Jahren auf.
  • Die Behandlung beinhaltet akuten und vorbeugende Maßnahmen.

Was sind Cluster-Kopfschmerzen?

Cluster-Kopfschmerzen gehören zu den trigeminoautonomen Kopfschmerz-Syndromen, einseitigen Kopfschmerzen im Bereich des fünften Hirnnervs, dem Trigeminusnerv.

Cluster-Kopfschmerzen tragen diesen Namen, weil sie nicht nur mit starken einseitigen Schmerzen im Versorgungsgebiets des Trigeminusnervs einhergehen, sondern auch mit Schmerz-unabhängigen Beschwerden, die das autonome Nervensystem betreffen. Das bedeutet, dass die einseitigen Kopfschmerzen gemeinsam mit anderen Symptomen, wie einem tränenden Auge oder Schwitzen auf der gleichen Seite auftreten. Im Folgenden soll auf die ärztliche Diagnostik auf Basis der typischen Symptome, Ursachen der Erkrankung, und Behandlungsmöglichkeiten genauer eingegangen werden.

Wann und bei wem treten Cluster-Kopfschmerzen auf?

Cluster-Kopfschmerzen beginnen meist um das 30. Lebensjahr, können aber in jedem Alter neu auftreten. Männer sind dabei dreimal so häufig betroffen wie Frauen.

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Cluster-Kopfschmerzen: Symptome

Die Kopfschmerzen treten attackenartig auf, sind von stärkster stechend-brennender Schmerzintensität und streng auf eine Seite des Kopfes beschränkt. Typischerweise werden die Schmerzen am stärksten um die Augen herum empfunden. Die Attacken können bis zu achtmal täglich auftreten, gehäuft nachts, und jeweils 15 Minuten bis drei Stunden andauern.

Typisch für Clusterkopfschmerzen ist, dass die Betroffenen zur selben Zeit auf der gleichen Körperseite unter Beschwerden des autonomen Nervensystems (ANS) leiden. Das autonome Nervensystem unterzieht sich weitestgehend der Willkür, operiert also “autonom” und reguliert nicht willentlich beeinflussbare Vorgänge.

Zu den autonomen Begleitbeschwerden gehören:

  • tränende und/oder gerötete Augen

  • Ödem (Einlagerung von Flüssigkeit) des Augenlides

  • verschlossene oder laufende Nase

  • Herabhängen des Augenlids und/oder Verengung der Pupille

  • Völlegefühl im Ohr

  • Schwitzen und Rötung des Gesichts

Ohne das Auftreten dieser Begleitbeschwerden ist die Definition des Cluster-Kopfschmerzes nicht erfüllt. Die Schmerzen gehen häufig mit einer ungewollten Bewegungsunruhe einher, die dazu führt, dass die Patienten während des gesamten Anfalls in ihrer Wohnung umherlaufen. Auch Migräne-ähnliche Symptome wie Licht- und Lärmempfindlichkeit sind möglich.

Es wird zwischen dem episodischen und dem chronischen Cluster-Kopfschmerz unterschieden, wobei die episodische Form deutlich häufiger ist (etwa 80 % aller Betroffenen). Hierbei wechseln sich symptomatische (Wochen bis Monate) und beschwerdefreie (Monate bis Jahre) Phasen ab.

Von einem chronischen Cluster-Kopfschmerz spricht man, wenn die symptomatischen Episoden für ein Jahr oder länger auftreten oder die symptomfreien Phasen kürzer als einen Monat sind.

Cluster-Kopfschmerzen: Ursachen

Die Ursache des primären oder auch idiopathischen Cluster-Kopfschmerzes ist noch ungeklärt. Primär bedeutet, dass keine andere Erkrankung zu Grunde liegt und idiopathisch, dass die Ursache nicht bekannt ist.

Es wird unter anderem vermutet, dass eine übermäßige Aktivierung des Trigeminusnervs für die Beschwerden verantwortlich ist, die wiederum zu einer reflexartigen Aktivierung des autonomen Nervensystems führt.

Vererbungsfaktoren sind nicht bekannt. Bei etwa zwei bis sieben Prozent der Betroffenen wird jedoch von einer familiären Vorbelastung ausgegangen.

In seltenen Fällen werden auch andere Ursachen für die Kopfschmerzen gefunden. Hierzu gehören:

  • Tumore

  • Gefäßmalformationen (Fehlbildungen von Blut- oder Lymphgefäßen)

  • Gefäßdissektionen (Einrisse von Gefäßschichten)

  • Entzündungen des Gehirns

In diesen Fällen wird der Cluster-Kopfschmerz als sekundäres Schmerzsyndrom bezeichnet.

Zu möglichen Auslösern einer Schmerzattacke zählen:

  • Alkohol

  • Schlafmangel

  • Histamin

  • die Einnahme von nitrathaltigen Medikamenten

Wie werden Cluster-Kopfschmerzen diagnostiziert?

Zur Diagnostik von Cluster-Kopfschmerzen gehören eine ausführliche ärztliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Bei der Erstdiagnose wird in der Regel zudem eine Bildgebung in Form einer Computertomographie (CT) des Schädels und einer Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und Halses gemacht, um zu Grunde liegende und unter Umständen behandelbare Ursachen ausschließen zu können.

Eine weitere apparative Diagnostik, also Untersuchungen mithilfe von medizinischen Geräten, erfolgt üblicherweise nicht. Die Diagnose beruht also vor allem auf der ärztlichen Einschätzung basierend auf den Beschreibungen der Symptome des Patienten.

Ausschlaggebend für die Diagnose von Cluster-Kopfschmerzen sind mindestens fünf stattgefundene Attacken, die folgende Kriterien erfüllen:

  • (sehr) starke einseitige Schmerzen im Bereich der Augen- und/oder Schläfenregion

  • unbehandelte Dauer von 15 Minuten bis drei Stunden

  • mindestens eines der oben aufgelisteten autonomen Begleitsymptome

  • und/oder Gefühl der Ruhelosigkeit

  • Attackenfrequenz: von einer Attacke alle zwei Tage bis zu acht pro Tag

  • nicht durch eine andere Diagnose besser zu erklären

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Cluster-Kopfschmerzen: Behandlung

Bei der Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen unterscheidet man zwischen der Behandlung eines akuten Anfalls und einer präventiven Therapie zur Vorbeugung weiterer Anfälle.

Behandlung von akuten Anfälle

Im Akutfall können Betroffene 100-prozentigen Sauerstoff als Inhalation über eine Gesichtsmaske einatmen (>8l/min). Dies hilft bei fast 80 Prozent der Betroffenen. Dabei sollte zunächst unter ärztlicher Überwachung überprüft werden, ob die Sauerstoff-Therapie wirkt, bevor sie verschrieben wird.

Es werden außerdem Triptane verabreicht. Triptane stimulieren Serotoninrezeptoren, genauer den 5-HT1-Rezeptor. Dies führt zur Hemmung der nervalen Schmerzweiterleitung und zu einer Verengung der Gefäße im Gehirn.

Bei vielen Kopfschmerzformen spielt die Erweiterung von Gefäßen eine Rolle im Krankheitsgeschehen. Triptane werden bei Cluster-Kopfschmerzen bevorzugt subkutan, also unter der Haut, oder als Nasenspray appliziert, da die Attacken unter drei Stunden anhalten und die Wirkung von Tabletten verzögert einsetzt.

Ein weiteres Medikament das zur Beschwerdelinderung genutzt wird, ist ein Lokalanästhetikum, das als Lösung in das Nasenloch der betroffenen Schädelseite gegeben wird. Dabei wird der Kopf 45 Grad in den Nacken gelegt und 30-40 Grad zur betroffenen Seite rotiert bevor die Lösung appliziert wird. Bei etwa einem Viertel der Betroffenen führt dies innerhalb von Minuten zu einer Linderung der Symptome.

Vorbeugung von Cluster-Kopfschmerz-Anfällen

Prophylaktisch wird häufig ein Calciumantagonist verabreicht . Da Calciumantagonisten ursprünglich in der Behandlung von kardiovaskulären (Herz-Kreislauf) Erkrankungen eingesetzt werden, sollte vor Therapiebeginn und bei relevanten Dosiserhöhungen ein EKG erfolgen, das die elektrische Aktivität des Herzens untersucht.

Bei allgemein guter Verträglichkeit können als Nebenwirkungen ein verlangsamter Herzschlag, Obstipation (Verstopfungen) und die Ausbildung von Wassereinlagerung, sogenannte Ödeme, auftreten. Zu beachten ist, dass der Genuss von Grapefruitsaft den Abbau des Wirkstoffs verhindert und somit effektiv die Dosis erhöhen kann. Die Wirkung kann mit einer Verzögerung von bis zu drei Wochen einsetzen. In der Übergangszeit können zusätzlich Kortikosteroide oder langwirksame Triptane zur Überbrückung eingesetzt werden.

Im Gegensatz zu anderen Kopfschmerzformen sind Entspannungstechniken oder eine Physiotherapie bei Cluster-Kopfschmerzen nicht wirksam. Auch herkömmliche Schmerzmittel wirken bei Clusterkopfschmerzen in der Regel nicht.

Weitere trigeminoautonome Kopfschmerzformen

Neben den Clusterkopfschmerzen gibt es weitere trigeminoautonome Kopfschmerzformen.

SUNCT-Syndrom: Beim SUNCT-Syndrom (short-lasting uniform neuralgiform headache with conjunctival injection and tearing) ist die Dauer der Attacken mit 15 Sekunden bis zwei Minuten deutlich kürzer;

Hemicrania continua: ist eine chronische Erkrankung, bei der leichte Kopfschmerzen dauerhaft auftreten und nicht von symptomfreien Episoden unterbrochen werden.

Beide Erkrankungen sind insgesamt sehr selten.

Häufiger ist die Migräne, bei der die Kopfschmerzen zum Teil ähnlich lokalisiert sind. Die Begleitsymptome und Verlauf unterscheiden sich jedoch. Mit Hilfe einer genauen Beschreibung der Beschwerden durch den Patienten und gezieltes Nachfragen kann der Arzt die verschiedenen Kopfschmerzformen voneinander abgrenzen.

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Quellen

  • May, A. et al. (2015): S1-Leitlinie Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Abgerufen am 26.05.2020.

  • May, Evers, S., Brössner, G. (2016): Leitlinie Diagnostik, Therapie und Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerz, anderen trigeminoautonomen Kopfschmerzen, schlafgebundenem Kopfschmerz und idiopathisch stechenden Kopfschmerzen.

  • Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Abgerufen am 28.05.2020.

  • Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS) (2018). The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition. Cephalalgia, 38(1), 1–211, unter: https://doi.org/10.1177/0333102417738202 [abgerufen am 27.05.2020]

  • Amboss (01.09.2019). Cluster-Kopfschmerz, unter: https://next.amboss.com/de/article/Ri0lrf [abgerufen am 27.05.2020]

  • Gelbe Liste Pharmaindex: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen/triptane. Abgerufen am 24.04.2019.

  • May, A., Schwedt, T., Magis, D. (2018) Cluster headache. Nat Rev Dis Primers 4, 18006, unter: https://doi.org/10.1038/nrdp.2018.6

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