Weibliche Hand hält eine kleine runde Pille.
  1. Was muss ich wissen, bevor ich die Pille nehme?
  2. Schwerwiegende Komplikationen
  3. Nebenwirkungen der Mikropille
  4. Nebenwirkungen der Minipille
Weibliche Hand hält eine kleine runde Pille.

Im Jahr 2015 haben 38 Prozent der Teenagerinnen (14 bis 19 Jahre) mit der Antibabypille verhütet, 2020 waren es nur noch 28 Prozent. Das ist ein Rückgang um mehr als ein Viertel innerhalb von 5 Jahren.

Immer weniger Frauen verhüten mit der Antibabypille. Vor allem unter den jungen Frauen ist der Rückgang der Verschreibungen für die Antibabypille deutlich. Die Teenagerinnen sind skeptischer hinsichtlich der möglichen Nebenwirkungen von oralen Kontrazeptiva und hinsichtlich der dauerhaften Zuführung künstlicher Hormone. Mithilfe ausführlicher Informationen und ärztlicher Beratung sollte jede Frau selbst entscheiden, welches Verhütungsmittel angesichts ihrer aktuellen Lebensphase und persönlichen Umstände am besten geeignet ist.

Auf einen Blick
  • Die meisten Nebenwirkungen der Pille sind nicht akut gesundheitsgefährdend, die Einnahme der Pille kann aber in seltenen Fällen schwerwiegende Komplikationen verursachen.
  • Besonders bei bestimmten Risikofaktoren erhöht sich das Thromboserisiko.
  • Die meisten bekannten Nebenwirkungen treten vor allem bei Mikropillen und anderen Kombinationspräparaten auf, Minipillen gelten als nebenwirkungsärmer.

Obwohl die Rezeptausstellungen für Antibabypillen in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgingen, verhütet noch immer knapp ein Drittel der jungen Frauen (bis 22 Jahre) in Deutschland mit der Antibabypille. Vor allem innerhalb fester Beziehungen ist die Pille weiterhin das beliebteste Verhütungsmittel.

Die Beliebtheit der Antibabypille rührt daher, dass sie einfach anzuwenden ist und bei korrekter Einnahme eine hohe Verhütungssicherheit bietet. Der Pearl-Index der Antibabypille liegt, je nach Quelle, bei 0,1 bis 0,9. Das bedeutet, dass 1 bis 9 von 1.000 Frauen, die mit der Pille verhüten, innerhalb eines Jahres schwanger werden. Ein Großteil dieser ungeplanten Schwangerschaften trotz Pille wird durch Einnahmefehler verursacht.

Doch auch die Pille kann Nebenwirkungen haben und in seltenen Fällen sogar ernstzunehmende gesundheitliche Komplikationen verursachen. Bevor die Pille verschrieben wird, sollte daher immer auch über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt und individuelle Risiken abgewogen werden.

Was muss ich wissen, bevor ich die Pille nehme?

Einige der Nebenwirkungen werden durch die Anwenderinnen als positiv empfunden, dazu zählen eine reinere Haut, glänzendes, starkes Haar und mildere Menstruationsbeschwerden. Da die Periode bei korrekter Pilleneinnahme stets 4 Wochen nach Beginn der letzten Menstruation einsetzt, bietet die Pille ihren Anwenderinnen Planungssicherheit im Alltag. Die Pillenpause kann bei Bedarf sogar ausgelassen werden, etwa um einen Badeurlaub ohne Monatsblutung zu genießen.

Mögliche Beschwerden, die unter Einnahme der Pille auftreten können, sind meist nur leicht ausgeprägt. Sie können von Zwischenblutungen über Brustspannen, Übelkeit und Kopfschmerzen bis Stimmungsschwankungen und Wassereinlagerungen reichen. Viele der Nebenwirkungen treten meist in den ersten Monaten nach Einnahmebeginn auf. Manche Frauen, die die Pille schon länger einnehmen, berichten über depressive Stimmungsveränderungen und eine verminderte Libido.

Die meisten Nebenwirkungen der Pille sind nicht akut gesundheitsgefährdend und können im Laufe der Zeit weniger werden. Klingen die Nebenwirkungen nicht ab oder verstärken sich sogar, so sollte in Absprache mit GynäkologInnen das Pillenpräparat gewechselt werden.

Schwerwiegende Komplikationen

In seltenen Fällen kann die Einnahme der Pille zu schwerwiegenderen Nebenwirkungen führen. Dazu gehört insbesondere ein erhöhtes Thromboserisiko.

Weiterhin verändert die Mikropille das Krebsrisiko. Während sie das Risiko für Gebärmuttermund- und möglicherweise Brustkrebs erhöht, haben Studien gezeigt, dass das Risiko an Darm- oder Gebärmutterkrebs zu erkranken, durch die Einnahme der Pille sinkt.

Die Pille und Thrombosen

Zu den schwerwiegenden Komplikationen der Mikropille gehören Blutgerinnsel, auch Thrombosen genannt. Alle kombinierten hormonalen Kontrazeptiva – dazu gehören die Mikropille, das Hormonpflaster und der Verhütungsring – erhöhen das Risiko für Blutgerinnsel in den Venen (venöse Thromboembolien, VTE) und Blutgerinnsel in den Arterien (arterielle Thromboembolien, ATE). Die Blutgerinnsel entstehen häufig in den Beingefäßen. Sie können sich anschließend lösen und in die Gefäße der Lunge oder des Gehirns wandern. Dort können sie Blutgefäße blockieren und lebensgefährliche Erkrankungen wie eine Lungenarterienembolie oder einen Schlaganfall verursachen.

Antibabypillen mit neueren Wirkstoffen (3. und 4. Generation) führen zu einem höheren Thromboserisiko als Antibabypillen der 1. und 2. Generation. Weiterhin treten Thrombosen vor allem bei Frauen auf, die Risikofaktoren für eine Gerinnungsstörung aufweisen.

Risikofaktoren für Blutgerinnsel in den Venen (VTE)
  • Starkes Übergewicht
  • Vorangegangene Blutgerinnsel bei der Patientin oder nahen Angehörigen unter 50 Jahren
  • Eingeschränkte Beweglichkeit, z. B. nach einer Operation oder auf Langstreckenflügen
  • Alter der Patientin über 35 Jahre
  • Kürzlich entbundene Schwangerschaft
Risikofaktoren für Blutgerinnsel in den Arterien (ATE)

Nebenwirkungen der Mikropille

Die Mikropille, auch Kombinationspille genannt, ist ein Verhütungsmittel zur oralen Einnahme. Die enthaltenen Wirkstoffe Wirkstoffe sind Hormone aus den Klassen der Östrogene und Gestagene. Die Gestagene werden in 4 Generationen eingeteilt. Gestagene der 1. und 2. Generation sind z. B. Norethisteron und Levonorgestrel. Antibabypillen mit diesen Wirkstoffen werden als risikoärmere Pillen bezeichnet, da ihre Einnahme mit einem geringeren Risiko für die Entstehung von Thrombosen und Embolien einhergeht – verglichen mit risikoreicheren Antibabypillen. Letztere enthalten Gestagene der 3. und 4. Generation, wie etwa Drospirenon, Gestoden, Desogestrel oder Dienogest.

Obwohl diese unterschiedlichen Risiken bekannt sind, werden weiterhin sehr viele Rezepte für risikoreichere Pillen ausgestellt. Der Anteil der risikoreichen Antibabypillen unter allen verschriebenen Pillen lag im Jahr 2021 bei 48 Prozent (bei gesetzlich versicherten Frauen bis 22 Jahre).

Exemplarisch sind hier die Nebenwirkungen aufgelistet, welche im Beipackzettel der Pille “Maxim” aufgeführt sind. Maxim ist eine Einphasen-Mikropille der 4. Generation. Eine Tablette des Kombinationspräparates enthält 0,03 mg Ethinylestradiol und 2 mg Dienogest.

  • Eileiter-, oder Eierstockentzündung, Harnwegsinfektionen, Blasenentzündung (Zystitis), Brustdrüsenentzündung (Mastitis), Entzündung der Schleimhaut des Gebärmutterhalses (Zervizitis), Pilzinfektionen (z. B. Candida), Virusinfektionen (z. B. Lippenherpes), Grippe (Influenza), Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Infektionen der oberen Atemwege
  • gutartige Wucherungen in der Gebärmutter (Leiomyom), gutartige Wucherungen im Fettgewebe der Brust (Brustlipom)
  • Blutarmut (Anämie)
  • allergische Reaktionen
  • Vermännlichung (Virilismus)
  • Appetitlosigkeit (Anorexie)
  • Depressionen, psychische Störungen, Schlaflosigkeit, Schlafstörungen, Aggressionen
  • Schlaganfall, Durchblutungsstörungen des Gehirns oder des Herzens, Muskelstörungen, die z. B. eine abnorme Körperhaltung verursachen können (Dystonie)
  • trockene, gereizte Augen, Augenbeschwerden, Sehstörungen
  • plötzlicher Hörsturz, Tinnitus, Schwindel, Beeinträchtigung des Hörvermögens
  • schneller Herzrhythmus
  • Venenentzündung, diastolischer Bluthochdruck, Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen (orthostatische Dysregulation), Hitzewallungen, Krampfadern (Varikose), Venenerkrankungen, Venenschmerzen
  • Asthma, Hyperventilation
  • Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis), Darmentzündung (Enteritis), Magenverstimmung (Dyspepsie)
  • Allergische Dermatitis, Neurodermatitis, Ekzeme, Psoriasis, starkes Schwitzen (Hyperhidrosis), Chloasma (goldbraune Pigmentflecken), Pigmentstörungen, verstärkte Pigmentierung, Überproduktion von Fett durch die Talgdrüsen (Seborrhoe), Schuppen, Hautveränderungen, Orangenhaut, Spider naevi (netzförmige Blutgefäße mit einem zentralen roten Fleck auf der Haut)
  • Rückenschmerzen, Muskel- und Knochenschmerzen, Muskelschmerzen (Myalgie), Schmerzen in den Armen und Beinen
  • zervikale Dysplasie (abnormes Wachstum von Zellen auf der Oberfläche des Gebärmutterhalses), Schmerzen oder Zysten an den Adnexen (Eileiter und Eierstöcke), Zysten in den Brüsten, Schmerzen/Krämpfe beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie),
  • muttermilchähnliche Sekretion aus den Brustdrüsen (Galaktorrhoe), Menstruationsbeschwerden
  • Brustschmerzen, periphere Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen im Körper), grippeähnliche Symptome, Entzündungen, Fieber, Reizbarkeit
  • erhöhte Triglyzerid- und Cholesterolwerte im Blut (erhöhte Blutfettwerte), Gewichtsabnahme, Gewichtsschwankungen
  • Schwellung von angeborenen zusätzlichen Brustdrüsen außerhalb der Brüste (akzessorische Brüste)
  • gesundheitsschädliche Blutgerinnsel in einer Vene oder Arterie, zum Beispiel:
    • in einem Bein oder Fuß (d. h. tiefe Venenthrombose, TVT h. VTE)
    • in einer Lunge (d. h. Lungenembolie, LE)
    • Herzinfarkt
    • Schlaganfall
    • Mini-Schlaganfall oder vorübergehende, einem Schlaganfall ähnelnde Symptome, die als transitorische ischämische
    • Attacke (TIA) bezeichnet werden
    • Blutgerinnsel in der Leber, dem Magen/Darm, den Nieren oder dem Auge.

Die Wahrscheinlichkeit für ein Blutgerinnsel kann erhöht sein, wenn Sie an einer anderen Erkrankung leiden, die dieses Risiko erhöht.

  • Stimmungsveränderungen, erhöhtes oder vermindertes sexuelles Verlangen (Libido), Kontaktlinsenunverträglichkeit, Nesselsucht, Haut und/oder Schleimhautreaktionen mit Hautausschlag, Knoten, Blasenbildung oder Absterben des Gewebes (Erythema nodosum oder multiforme), Sekretion aus der Brust, Flüssigkeitsansammlungen im Körper (Ödeme).

Tumore

  • Die Diagnosehäufigkeit von Brustkrebs unter Anwendung von „Maxim" ist geringfügig erhöht. Da bei Frauen unter 40 Jahren Brustkrebs selten auftritt, ist das Risiko an Brustkrebs zu erkranken im Verhältnis zum Gesamtrisiko gering.
  • Lebertumore (gutartig und bösartig)
  • Zervixkarzinom

Andere Erkrankungen

  • Frauen mit Hypertriglyzeridämie (erhöhte Blutfette, daraus resultierend ein erhöhtes Risiko einer Pankreatitis bei Anwendung von KOK)
  • Bluthochdruck
  • Auftreten oder Verschlechterung von Erkrankungen, für die ein Zusammenhang mit der KOK-Einnahme nicht eindeutig nachgewiesen ist: Gelbsucht und Juckreiz im Zusammenhang mit einem Gallensekretrückstau; Bildung von Gallensteinen; eine Stoffwechselerkrankung (Porphyrie); systemischer Lupus Erythematodes (eine Autoimmunerkrankung); hämolytischurämisches Syndrom (eine Blutgerinnungskrankheit); eine neurologische Erkrankung (Chorea Sydenham); Schwangerschaftsherpes (Herpes gestationis; eine Hauterkrankung, die während einer Schwangerschaft auftreten kann); Otosklerose-bedingter Hörverlust
  • Leberfunktionsstörungen
  • Änderungen der Glucosetoleranz oder Einfluss auf die periphere Insulinresistenz
  • Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
  • Chloasma

Alle kombinierten hormonalen Kontrazeptiva (Mikropillen, Verhütungspflaster, Verhütungsringe) erhöhen das Risiko für Blutgerinnsel (Thromboembolien).

Nebenwirkungen der Minipille

Die Minipille ist eine hormonelle Verhütungsmethode. Sie enthält Gestagene, jedoch keine Östrogene. Die Minipille wird, verglichen mit der Mikropille, mit weniger Gesundheitsrisiken und folgenschweren Komplikationen in Verbindung gebracht. Sie kann daher auch bei erhöhtem Thromboserisiko und während des Stillens eingenommen werden.

Dennoch kann es durch die Einnahme der Minipille zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Stimmungsveränderungen, depressiven Verstimmungen, sexueller Unlust oder Brustspannen kommen.

Ein Nachteil der Minipille ist, dass sie sehr akkurat eingenommen werden muss. Wird das maximale Zeitfenster von 3 Stunden nicht eingehalten, so steigt das Risiko für ungewollte Schwangerschaften. Weiterhin nachteilig ist, dass Schwangerschaften, die trotz Minipille entstehen, aufgrund des enthaltenen Gestagens ein höheres Risiko für eine Eileiterschwangerschaft haben.

Quellen

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